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Jüdische Rundschau · 1908-12-11 · 14 (11.12.1908) · p. Seite 116

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
14 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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116 LITERATU Notizen Die Krebskrankheit unter den Juden. Es herrscht in manchen ärztlichen Kreisen die Anschauung, dass gerade zu denjenigen Krankheiten, die jetzt die Menschheit immer mehr Iheimsuchen. und; zwar zum Krebs und zu Geisteskrankheiten, die Juden das grösste Kontingent beistellen. Es gibt aber auch entgegengesetzte Ansichten. Hier kann lediglich die Statistik entscheiden. Einen wichtigen Beitrag! nach dieser Richtung finden wir in den UNGARISCHEN STATIST!-; SCI1EN MITTEILUNGEN. Neue Serie, | Band 19. von Professor Dr. Dellinger. j Wir entnehmen daraus, dass im Königj reich Ungarn in den Jahre 1901—1904 an Krebs im ganzen 11976 Männer! und 14 936 Frauen starben: unter den I männlichen Personen befanden s;ch i 976 i —- 6,65 %) und unter den Frauen : 986 (— 6,60 %) an Krebs Gestorbene. Hiernach stehen sowohl die Juden als auch die Jüdinnen in der Reihe der Krebskrankheiten an erster^, Stelle. Dollinger weist aber darauf hin. dass aus den obigen Zahlen durchaus keine Schlüsse für Häufigkeit des Krehses I bei den Juden gezogen werden können. Denn die ungarische Sterblichkeitsstatistik gewährt insofern kein zutreffendes Bild, als in Ungarn eine ärztliche Leichenschau nicht allgemein eingeführt ist und in etwa 45 % der Fälle die Todesursache von Laien angegeben wird. Da aber von den Juden ärztliche Hilfe erfahrungsgemäss häufiger in Anspruch genommen wird als von der übrigen Bevölkerung, so wird bei den Juden der Krebs als Todesursache leichter und sicherer anerkannt und zur Kenntnis der Behörden gebracht, während bei der anderen Bevölkerung in vielen Fällen Krebs vorliegen mag. aber nicht als solcher festgestellt wird. Dollinger beweist die Richtigkeit dieser Annahme damit, dass er die Ziffern für Budapest allein feststellt, wo die ärztliche Leichenschau obligatorisch ist. Hier nehmen die männlichen Juden unter den an Krebs Verstorbenen erst den vierten und die Jüdinnen sog'ar den letzten Platz ein. Es kann also aus den oben mitgeteilten Zahlen keineswegs ge¬ RBLATT No. 14 folgert werden, dass die Juden für den Krebs besonders disponiert seien. Verein zur Gründung und Erhaltung eines jüdischen Museums In Prag. Der Schriftführer legte der Generalversammlung folgenden Tätigkeitsbericht vor. Der Verein, der es bis jetzt an einer eigentlichen Propaganda fehlen Hess, zählt heute bereits 100 wirkliche, 2 gründende und acht stiftende Mitglieder: wir haben bereits eine stattliche Anzahl von Museenobjekten aufgebracht, die demnächst in unserem provisorischen Lokale (Benediktsgasse 5) der 'Oeffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich gemacht werden. Unsere Sammlungen umfassen allerlei Geräte für den synagogalen Kultus, wie Paramente, Thorakronen, Thoraschmuck, Chanukaleuchter. sonstige synagogale Beleuchtungskörper, Kidduschbecher, Besamimbiichsen, daneben aber auch Abbildungen. Gemälde und Photographien von historisch bedeutsamen Oertlichkeiten und Personen, Urkunden, darunter auch eine kostbare Pergamenthandjschrift, enthaltend! das Privileg Josefs II. zur Haltung einer jüdischen Apotheke in Prag'. Von den Korporationen, die wir um Förderung unserer Bestrebungen angingen, haben uns einzelne ausser grösseren Geldbeträgen, auch Gegenstände für unsere Sammlungen gespendet. Ganz besonderen Dank schulden wir der löblichen Repräsentanz der israelitischen Kultusgemeinde in Prag für die Ueberlassung zahlreicher wertvoller Gegenstände aus ihrem Besitze. Von den Kultusgemeinden auf dem flachen Lande brachten viele unseren Bestrebungen volles Verständnis entgegen. traten unserem Vereine als Mitglieder bei. nominierten uns Vertrauensmänner und bereicherten — wie ganz besonders die Kultusgej meinde Eger — unsere Sammlungen. I Immerhin hat aber eine ganz sitattj liehe Zahl von Kultusgemeinden un- I sere Zuschriften noch immer nicht bei antwortet Hier wird die Propa- I ganda einsetzen müssen, damit nicht! auch die letzten Erinnerungen an unsere alten böhmischen Gemeinden! dem Untergange anheimfallen.

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