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Jüdische Rundschau · 1908-10-30 · 11 (30.10.1908) · p. Seite 88

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IV (1908)
Issue
11 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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CO LITERATURBLATT No. 11 Wer heute für den Bezalel oder für die praktische Tätigkeit in Palästina agitieren will, muss auf dieses Heft zurückgreifen. Da die Zeitschrift ״nicht allzu viele freie Exemplare anfertigen lässt, so empfiehlt es sich, baldigst Be- Stellungen aufzugeben (porteifreie Zu- Stellung', ein Exemplar 10 Pf., 10 Exemplare 4 Mk.. bei 50 Exemplaren ä 30 Pf.). — Zum Schluss bemerken wir, dass die zionistische Partei nicht die Zeit- Schrift zu übernehmen gedenkt. Für 1909 wird eine bedeutende Verbesserung geplant, wozu allerdings noch neue Abonnements nötig sind. Henry Bernsteins neuestes Drama. Panis, am 12. Oktober. Abends ging im• Theater Rejane die Generalprobe von Henry Bernsteins neuem Drama ״Israel“ in Szene, das den modernen Antisemitismus zur Unterlage hat. Ein junger Herzog ist der Führer der antisemitischen Jugend in aris. In dem• Cercle, den er leitet, befindet sich auch ein jüdischer Millionär als Mitglied. Der! Herzog will den Millionär aus dein Cercle drängen. Als es zum Duell zwischen dem Herzog und dem jiidisehen Millionär kommen soll, fleht die Mutter des Herzogs ihren Sohn an, seinen Gegner nicht zu töten. Der Sohn erhält von der Mutter das Geständnis, dass der jüdische Millionär sein Vater ist. Im dritten Akt gibt sich der junge Herzog den Tod. trotzdem sein Beichtvater und sein eigener Vater sich ergeblich bemüht hatten, ihm die Selbstmordgedanken auszureden. Der Autor Henry Bernstein versucht heute in einer Zuschrift an den MATIN sein Drama zu rechtfertigen. Er verteidigte sich gegen die Zumutung' und sagt, er sei stolz darauf, ein Jude zu sein, denn eil verdanke seinem Temperament als Juden seinen grossen Arbeitstrieb, der ihn beseele. Er habe das Stück geschaffen, weil er es. schaffen musste. Man berichtet uns aus Washington: Zangwills neuestes Dr/ama ״The Melting Pot‘" ,(״Der Schmelztigel“) wurde am 2. Oktober in Washington in Gegenwart eines auserlesenen. Publikums zum erstem Male aufgeführt. In einer Loge sah man auch dien Präsidenten der Vereinigten Staaten. Theodor Roosevelt samt Familie der Premiere bis zum Schlüsse beiwohnen. Sämtliche Washingtoner Blätter konstatieren den tiefen Eindruck, dendas Stück auf das ausverkaufte Haus geübt hat. ״Der Schmelztiegel“ ist Amerika, der Tiegel, in welchem Menschen aller Natiomen und Konfessionen von ihren Schlacken gereinigt und zu einer einzigen glänzenden Nation geläutert werden. Als ein eklatantes Beispiel eines solchen Läuterungsprozesses führt der Verfasser der Liebesgeschichte eines russischen Juden an, der sich in die Tochter eines russisehen Edelmannes verliebt, welchen an der Spitze seiner Truppei an der Niedermetzelung der Eltern des jungen Juden irn Pogrom zu Kischinefr teilgenommen hatte. Es wird nun geschildert, wie der Jude nach New- \01־k komlt. dort als Musiker ein kümmerliches Dasein fristet, wie er 11 Lieeb an dem jungen Mädchen hängt, das in revolutionäre Verschwörungen verwickelt, gleichfalls in die Verbannung gehen■ muss. Der verliebte junge Jude löst alle Bande, die ihn an seine Familie und an seine Freunde gebunden, entfernt sich allmählich dem jüdischen Leben, bis schliesslich das Erscheinen des Vaters seiner Geliebten, dieses! verhassten Menschen, des Mörders seiner Eltern, ihn wieder zu sich bringt und dem gläubigen Judentume zurückführt. Aber der amerikanische Geist der Hoffnung und der Freiheit müssen schliesslich über die Tradition der Jahrhunderte den Sieg davon tragen und die Liebenden — ״kriegen sich.“ Besonders jene Stellen, wo der Heid die Möglichkeiten schildert, wie die Vereinigten Staaten den daheim *bedrückten Brüdern eine wirkliche Heimat werden könnten, wurde stark applaudiert. Am stärksten und auffallendsten von Roosevelt. Neben der Hauptidee vom ״Schmelztiegel‘ zieht durch das ganze Stück ein äusserst scharf pointierter Protest gegen die Behandlung der Juden in Russland.

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