Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IV (1908)
- Issue
- 3 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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24 LITERATURBLATT NO. 3 Notizen Synagogenverkauf. Aus Lublinitz wird berichtet: Am Eingang des Dorfes Czieschowa erhebt sich ein grosses, hohes Gebäude aus Holz, welches das Aussehen eines Gotteshauses hat und älter als die Dorfkirche ist. Es war diies früher die einzige Synagoge für die in den Kreisen Tarnowitz, Lublinitz und Rosenberg zerstreut lebenden Juden, die an ihren Feiertagen sie stets zahlreich besuchten. Der bisherige Kultusbeamte der Synagoge war wiederum der einzige Jude im Dorfe und! führte mit seiner Frau im Rabbinerhause ein wahres Eremitenleben. Vor zwei Jahren bereits wurde die Synagoge aus Mangel an Gemeindemitgliedern geschlossen und im vorigen Monat mit Genehmigung der Kgl. Regierung zu Oppeln in einem Versteigerungstermine öffentlich verkauft. Der Zuschlag bei einem Gebot von nur 1250 Mark wurde dein Pfarrer Urban in Sodow, zu dessen Parochie Czieschowa gehört, unter Vorbehalt der Genehmigung der Regierung erteilt. Pfarrer Urban hat die Synagoge mit dem Rabbinerhause nicht zu Geschäftszwecken erworben, sondern um beide Gebäude möglichst lange als Baudenkmäler zu erhalten. Durch einen Hügel vom Dorfe getrennt, liegt der zur Synagoge gehörige grosse Kirchhof, auf dem früher die Juden aus meilenweiter Ferne beerdigt worden sind und der eine Menge alter Grabdenkmäler mit hebräischen Inschriften enthält. Dem Pfarrer U r b a.n gebürt Dank für sein uneigennütziges Vorgehen, und andererseits ist es dringend zu wünschen, dass das ehrwürdige Baudenkmal vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund oder einer andern jüdischen Organisation erworben wird. Synagogengeräte. In der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler sprach Direktor F r e i b u r ger vom Kunstgewerbemuseum in Düsseldorf über künstlerisch ausgestattete S y n a. - gogen-Geräite. Man erfuhr dabei, dass die ältesten T h o rase h r e i n e kastenartig in der Form eines Kubus waren, im Innern mit Fächern versehen, in die die unbefestigten Thorarollen eingeschoben waren, und dass der Thoraschrein dann später in zwei Abteilungen zerfiel, von denen die obere die im Gebrauch befindlichen Thorarollen enthielt, während' die untere, Genisa, gewissermassen als Begräbnisplatz der ausser Gebrauch gesetzten heiligen Schriften verwandt wurde. Schon in dieser Zeit wurden die Thorarollen entweder auf einem, meist auf zwei Stäben an ihren Enden befestigt und erhielten einen Schmuck, der immer reicher wurde, namentlich in den Synagogen des ehemaligen Kirchenstaates. Der Vortragende schilderte weiter die in Hochrelief gestickten T,horavorhänge, die kostbaren gestickten oder in Spitzenarbeit hergestellten Wimpel, die als Bänder zum Zusammenbinden der Thorarolle Verwendung fanden, die prunkvollen, mit reichster Goldstickerei auf Samt ausgestatteten Thoramäntelchen. die silbernen, mit graviertem Ornament und mit kleinen Glöckchen oder Schellen versehenen, als Ende der beiden Stäbe dienenden Rimm o n i m. die silbergetriebenen Kronen, die häufig darüber gestülpt werden, den oft in zierlichster Weise ausgeschmückten Brustschild und den beim Vorlesen der Thorastücke verwendeten Weiser oder Zeiger. Interessante Bilder erläuterten den Vortrag, Hetitische Inschriften. Die Universität T om"sk hat dem Lektor der deutschen Sprache, Magister der vergleichenden Sprachwissenschaft, Arthur Gleye, 500 Rubel zur Veröffentlichung seiner Arbeit über die Entzifferung der hetitische n Inschriften in deutscher Sprache bewilligt.