Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 14 (6.7.1906)
- Date
- 1906-07-06
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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120 LITERATURBLATT No. 14 vollem Interesse sucht uns Nippold in das europafreie Japan einzuführen und wir Juden, denen es ganz gesund ist, einmal in eine europafreie und damit auch judentumsfreie Kulturwelt hineinzublicken, die uns kraft ihrer Entstehung und Werdung doch etwas seelenverwandt ist, können das vortreffliche Buch nur mit grossem Vorteil lesen. In einem gewissen Sinne ist das kleine Nippoldsche Buch ein Hochlied auf Japan. Aber ein grosser Teil dieses Lobes ist ein verdientes. Wir empfehlen daher unsern Lesern die Lektüre dies europafreien Japan und hoffen, dass wir neidlos die ungeheuren Vorzüge der japanischen Kulturnation anerkennen können, denn was die besondere hohe Stellung der japanischen Geisteswelt ausmacht, ihre Besonderheit und Geschlossenheit, das gilt in anderem Sinne nicht minder fü'r unsere nationale Kultur. —e. שלחץ ערוך Schulchan Aruch. Teil I.: אורח חיים Die rellgiösen Satzungen, Vorschriften, Sitten und Bräuche des Judentums in Synagoge, Schule und Haus, nebst vollständigem System des synagogalen Kalenders ... 2. inhaltlich verm. und verb. Aufl. In deutscher Sprache verfasst und nach den Quellen bearb. von R a b b. P h. Lederer. Rosenberg in Böhmen. Selbstverlag des Verf. 1906. (HO S.) 8. Man braucht nicht religiös zu sein, um doch zu begreifen, dass zu einem ganzen Juden auch die ganze Kenntnis des Judentums gehört, auch die der äusseren Formen, der Gesetze und Zeremonien, die in Jahrhunderten wenigstens äusserlich das jüdische Leben ausmachten. Jeder Jude ,auch der nichts beobachten will, sollte einen Begriff von der jüdischen Lehre auch in ihrem Zeremoniell haben. Hierzu kommt die grosse Schar jener, die gern es kennen und beobachten würden, denen aber eine liberale Schulpolitik die Kenntnis dieses äusserlichen Teiles des Judentums ebenso Vorenthält, wie man den echten nationalreligiösen Teil des Judentums seit einem Jahrhundert verballhornisiert. An alle diese wendet sich das Lederersche Buch und will sie in übersichtlicher Form mit Gründen und Lehren in das zeremonielle Judentum einführen. Zugleich ist das Buch ein kleiner Schulchan-Aruch in deutscher Sprache für solche Juden, die in der wirklichen Diaspora einen papierenen Rabbiner gebrauchen, der in Zweifelsfällen sofort Auskunft gibt. In diesem Sinne sei die übersichtliche Arbeit ganz besonders empfohlen. , hl. Notizen Spagnolisch in Bordeaux Der elsässische Lehrier M. Ury-, der an einer erst vor kurzem aufgehobenen jüdischen Schule in Bordeaux angestellt war. hat die zahlreichen spanischen Worte gesammelt, welche seine Schulkinder in das Französische einzumengen pflegten. Es sind das die letzten Ueberreste der Muttersprache dieser aus Spanien eingewanderten Judengemeinde. Auch in der Synagoge werden einzelne Formeln noch spanisch gesprochen trotzdem weder die Vorbeter noch die Gemeinde den Sinn davon verstehen dürften, zum Beispiel die -Formel. Spanisch ist auch der Segenswünsch, der gesprochen wird, wenn man ein neugeborenes Kind bringt. Nach den Mahlzeiten wird in den Familien! ein Gebet! einmal spanisch und einmal französisch gesprochen. Die bitteren Kräuter beim Ostermahl, die Bänder für die Gesetzesrollen usw. haben einen spanischen Namen Wenn die Eltern den Kindern bei einem bestimmten Gebet sagen, dass sie den Kopf beugen sollen, so lautet die Formel: ״Sobrefaz“. Der Gebrauch des Spanischen als Umgangssprache ist jedoch seit 75 Jahren aus der jüdischen Gemeinde von Bordeaux verschwunden.