Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 2 (19.1.1906)
- Date
- 1906-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau zu Q Herausgegeben P P Redaktion: BERLIN N. W. 52, Beilage zu CT IiiHicrhp PnnH^rViau“ von Jahrg. XI. No. 3 Sr. Heinrich £oewe. Melanchthonstrasse 4. No. 2. Berlin, 22. Tebeth 5666 — 19. Januar 1906 Jahrg. II Franzos’ letztes Werk Als Karl Emil Franzos vor etwa zwei Jahren starb, war der, „Pojaz” noch nicht erschienen. Nach der von Ottilie Franzos vorausgeschickten Bemerkung war das Werk bereits 1893 vollendet gewesen. Frst nach seinem Tode erschien es zuerst in dem Mosseschen Tageblatt und liegt jetzt als Buch vor.*) Dem Buch ist ausserdem eine Einleitung aus des Verfassers eigener Feder vorangesetzt worden. In dieser Einleitung aus dem Juli des Jahres 1893 sucht Franzos seine Darstellung des galizischen Ghettojudentums zu rechtfertigen. Um es vorwegzunehmen, ist der „Pojaz” bei weitem das Reifste und Beste, was Franzos überhaupt geschrieben hat und wird bei denen, die seinen Werken überhaupt Geschmack abgewinnen können, noch lange recht geschätzt bleiben. Die prächtige Komik, die trotz ihrer Fratzenhaftigkeit eigentlich . doch Tragik ist, gehört zu dem Besten, was über das Ghetto und seine Juden in spöttischem Sinne geschrieben worden ist. Aber wir kommen sogar diesmal, wo das Lehrhafte mehr als in seinen andern Werken zurücktritt, doch nicht davon los, dass wir belehrt werden sollen. Franzos’ Erzählungen sind in Erzählungsform gekleidete Polemiken. Er schreibt alle seine aus Halbasien genommenen Geschichten nur, um uns die Verworfenheit und Lächerlichkeit jener Juden von Czortkow zu zeigen, um den Talmud, von dessen Wesen und Inhalt er keine Ahnung hatte, zu verspotten. Der Satz: „Aber dieser schöne und kluge Grundzug hat zur abscheulichen Einrichtung der „Cheder” (zu Deutsch „Stuben”) geführt, einem Schandfleck des orthodoxen Judentums, an welchem die Edlen und Einsichtigen dieses Glaubens eifrig aber vergebens herumscheuern. Denn sie bringen den Schandfleck trotz aller Mühe nicht weg,, vielleicht, weil ihnen nur das Öl vernünftiger Überredung zu Gebote steht und nicht das zuweilen sehr, heilsame Vitriol der Gewalt. So wuchern *) Der Pojaz. Eine Geschichte aus dem Osten von Karl Emil Franzos. Mit einem Porträt. 33. Aufl. Stuttgart und Berlin. J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger 1905. 468 S. 8 °.