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Jüdische Rundschau · 1905-12-22 · 20 (22.12.1905) · p. Seite 160

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
I (1905)
Issue
20 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
Seite 160 (sequence 8)
Language
German
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160 LITERATURBLATT No. 20 Notizen Judentum und Christentum Judentum und Griechentum in ihren gegenseitigen Beziehungen lautete das Thema eines Vorträges, den Herr Dr. P e r 1 e s - Königsberg im Logenheim (Hartungstrasse) hielt. Der Vortragende schilderte, wie durch die .Eioberungen Alexanders des Grossen griechische Sprache und griechischer Geist nach ganz Vorderasien und Ägypten getragen wurden. Auf die Juden machte die neue Kultur einen tiefen Eindruck, sie nahmen nicht nur zahlreiche griechische Wörter in ihre Sprache auf, sondern auch in ihrem, ganzen Leben vollzog sich ein vollkommener Umschwung. Statt der oisher gesuchten Abschliessung suchten sie sich möglichst schnell dem Griechentum zu assimilieren. Um gebildet zu erscheinen, nahmen daher viele Juden in Palästina äusserlich die griechischen Sitten und Unsitten an. Sie schämten sich ihrer Religion und ihrer alten Sitten. Dadurch trat auf der .anderen Seite eine Reaktion ein, die das Judentum ganz von der griechischen Kultur fernhalten wollte. Die inneren Kämpfe zwischen diesen beiden Richtungen führten, nachdem die Seleukiden den Ptolömäern Palästina entrissen hatten, zum Makkabäeraufstand, dessen äusserer Anlass die Hellenisierüngsversuche des Königs Antiochus waren. Gegen das Jahr .250 wurden in Alexandria die fünf Bücher MosiS und dann bald auch die Propheten ins Griechische übersetzt. Diese Übersetzung, die sogenannte Septuaginta, verdrängte bei den ägyptischen Juden bald das Original. Diese Übersetzung, aus der dann die Bibel ins Lateinische, Gotische und in verschiedene orientalische Sprachen übertragen wurde, hat schon damals dem Judentum unter den Heiden viele Proselyten zugeführt und dem Christentum vorgearbeitet. So entstammen ihr auch die noch heute in allen Kultursprachen gebräuchlichen Worte Bibel, Pentateuch, Psalm u. a. n״ Durch sie sind uns auch die Aprokryphen, die aus der hebräischen Bibel ausgeschlossenen Schriften, erhalten. Alle anderen alexandrinischen Juden übertiifft an Bedeutung der Philosoph Philo, der als jüdischer Gelehrter und griechischer Schriftsteller gleich, hohes Ansehen genoss und darum wie kein andrer geeignet war, eine Verschmelzung beider Kulturen anzubahnen, ln seinen zahlreichen Schriften sucht er die Griechen von der Trefflichkeit der jüdischen Lehre und die Juden vom Wert der griechischen Philosophie zu überzeugen. Während ihn die Kirchenväter sehr hoch schätzten und häufig zitierten, ist er bei den Juden bald in Vergessenheit geraten, ’denn wenige Jahrzehnte nach seinem Tode ging der jüdische Staat unter und die Juden schlossen sich nun vollkommen von der griechischen Kultur ab und verwandten alle ׳Geisteskraft auf ׳die innere Konsolidierung des Judentums. So betrübend uns' das heute erscheint, war es doch damals eine geschichtliche Notwendigkeit, es war der Preis, mit dem das Judentum seine Erhaltung bezahlte. Die Ausführungen fanden bei den zahlreichen Hörern lebhaften Beifall. Gesellschaft für Jüdische Volkskunde In der Gesellschaft für.-jüdische Volkskunde in’Hamburg erstattete der Vorsitzende Dr. Rieger, den . Jahresbericht. Die Sammlungen der Gesellschaft, die sich jetzt vollständig im Logenheim befinden, haben manche Bereicherung erfahren, ,besonders durch Schenkungen aus dem Nachlass des Herrn Dr. H. C. L e v y. Die ״Mitteilungen“ der Gesellschaft werden, von 1906 ab vierteljährlich in erweiterter Form erscheinen. Der Kassenbericht ergibt ein günstiges Resultat. Es werden ferner dem Vorstände noch folgende Anträge zur Entscheidung überwiesen: 1. Der Beitritt der Gesellschaft zum Verbände der deutschen Vereine für Volkskunde. 2. Eine regelmässige Ausstellung der Sammlungen unter-stetem Wechsel der Gegenstände vorzunehmen.' ־

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