Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 19 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/8295971-9045908-8207467--174-8189817- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 LITERATURBLATT No. 19 Wie die Russen Christen wurden A 1i s Nestors Chronik, der älteste n r u s sEs c 11 e n Geschichtsquelle. Im Jahre 986 kamen Bulgaren Muhammedanischen Glaubens, und ■sagen:; Obgleich! du ein weiser und kluger Knäs) bist, so weisst du doch nicht das Gesetz;' glaube' an unser Gesetz und verehre Muhammed. Und Wlati!mir sagte: was für ein Glaube ist der Eurige? Sie antwot - teien: wir glauben an Gott, und Muhammed lehrt uns und sagt: lass dir beschneiden die heimlichen Glieder und iss kein Schweinefleisch, trinke keinen Branntwein, nach dem Tode aber treibe Sinnenlust mit den Frauenzimmern, denn er (Muhammed) gab eiriem jeden 70 schöne Weihe•־, und er (der Mensch) wählt sich eine aus, und Muhammed legt alle Schönheiten in die eine, und diese wird seine Frau sein. Wenn aber jemand in dieser Welt arm ist, so wird er auch dort arm sein; und viele andere List, die sich nicht schreiben lässt, der Schande wegen. Wladimir hörte sie an, denn er selbst liebte die Weiber; aber das andere war ihm nicht lieb; die Beschneidung der Glieder und die Enthaltung vom Schweinefleisch, und gar erst, nicht zu trinken, Und er sagte: den Russen ,1.st das Saufen eine Lust; wir können nicht ohne dies leben. Danach kamen von Rom Deutsche2), sagen'd־: wir sind gekommen als Abgesandte ,Vom Papste, und sprachen zu ihm: der Papst sagt dir so: dein Land ist wie unsei Land, aber unser Glaube ist nicht wie euer Glaube; unser Glaube ist Licht, denn wir beten den Gott an, welcher den Himmel, die Erde, die Sterne, den Mond und alles, was Atem hat, machte; aber Eure Götter sind Holz. Wladimir sagte: was ist Euer Gebot? Sie sagten: Fasten nach Kräften; wenn aber jemand isst oder trinkt, so geschehe alles ,zum Ruhme Gottes, sagt unser Lehrer Paulus. Wladimir aber sagte zu den Deutschen: gehet zurück, wreil unsere Väter dies nicht angenommen haben. Als es die C 11 a z a r i s c 11 e n Juden gehört, kamen die und sprachen: W1!r haben, gehört dass Bulgaren und Christen zu dir ’ kommen, sind, dich, ein jeder in seinem Glauben, zu unterweisen. Die Christen; nun glauben an den, welchen wir; gekreuzigt haben; aber wir glauben an den einigen Gott, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. W lad imir sprach: was ist Euer Gesetz: Sie antworteten: sich beschneiden zu lassen, kein Schweinefleisch zu essen, auch keinen Hasenbraten , und den Sabbat zu beobachten. Er sagte darauf: ״Wo ist Euer Land?“ Sie erwiderten: ״In Jerusalem.“ Er sagte: ״Also dort ist es? Sie sprachen: ״Es erzürnte sich Gott über unsere Väter, und zerstreute, uns durch die Länder, um unserer Sünden willen, und unser Land wurde den Chmiim übergeben.“ Er aber sagte: wie könnt ihr andere lehren, da ihr selbst von Gott verworfen und zerstreut seid? Wenn Gott Euch und Euer Gesetz liebte, so würdet ihr nicht durch fremde Länder zerstreut sein; und auch uns, meint ihr, soll dasselbe treffen? Darauf schickten die Griechen zu Wladimir einen Philosophen, sprechend: wir haben gehört, wie Bulgaren gekommen sind, und dich belehrten, ihren Glauben anzunehmen; aber ihr Glaube schändet Himmel und Erde, sie sind verruchter als alle Menschen, weil sie Sodom und * Gomorrha ähnlich geworden sind, auf welche Gott Schwefel niederregnen liess und sie versenkte, und sie sind zu Grunde gegangen. So erwartet auch diese ein Tag des Verderbens, wenn Gott, um zu richten, auf die Erde kommen wird, und alle zu verderben,: welche Ungerechtigkeiten taten und Schandtaten verübten; denn die alle machen schändliche *) Fürst. 2) Niemzi, in diesem Falle ״Leute aus den Frankenreichen”.