Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- I (1905)
- Issue
- 10 (28.7.1905)
- Date
- 1905-07-28
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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80 LITERATURBLATT No. 10 Läufer tritt der Ansicht namhafter Sinologen, dass die Juden, deren Anwesenheit in K’ai fong fu bekanntlich bereits im Anfang des 17. Jahrhunderts durch Jesuiten festgestellt und nach Europa mitg'eteilt'wurde, zur Zeit der Han-Dynastie im ersten nachchristlichen Jahrhundert über Persien und Zentralasien nach China eingewandert seien, entgegen. Diese Ansicht beruhe auf der Tradition der Juden, wie sie in den in der Synagoge von K’ai fong fu gefundenen vier Vertikalinschriften niedergelegt sei. Diese Inschriften, von denen die älteste vom Jahre 1489, die zweite vom Jahre 1512 und eiine dritte vom Jahre 1663 datiert ist, (sie sind übrigens neuerdings durch den Jesuitenpater Tobar in einer Abhandlung in den Varietes sinollogiques Nr. 17, Schanghai 1900 herausgegeben und übersetzt worden) könnten aber nicht als zuverlässige Quelle angesehen werden, sondern bestrebten sich zweifellos', die erste Einwanderung der Juden nach China in immer frühere Zeiten hinaufzurücken. Das gehe besonders augenfällig daraus hervor, dass die jüngste Inschrift einen noch viel früheren Zeitpunkt für die erste Einwanderung angebe als die älteste Inschrift. Läufer kommt auf Qrund eines kritischen Eingehens auf den Inhalt der Inschriften zu dem Ergebnis,, dass die Juden in K’aii fong fu aus Indien eingewandert seien und zwar in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, da mit dem Bau der Synagoge in K’ai fong fu bereits im Jahre 1163 begonnen wurde. Wahrscheinlich habe sie der BaumwoMhandel nach China geführt, da in der ältesten Inschrift ausdrücklich angegeben ist. dass sie Baumwolle als Tribut aus Indien mitgebracht hätten. Läufer stützt seine Annahme ausser auf den Text der Inschriften noch darauf, dass die Juden von K’ai fong fu selbst, als sie im Jahre 1851 im Aufträge der Londoner Missionsgesellschaft von christlichen Missionären besucht wurden, ihre Religion als „indische Religion“ bezeichneten. Übrigens sieht Läufer die (in den letzten Jahrzehnten allmählich untergegangene) Judenkolonie in K’ai fong fu als die letzte einer grossen Anzahl von Judenkolonien an, die in China einst bestanden hätten. Die Juden, die schon in sehr früher Zeit aus Persien auf dem Seewege nach Indien gekommen seien, hätten sich vom 9. Jahrhundert ab den grossen Handelsfahrten, welche die Araber und Perser von den indischen Küsten nach Ostasien unternahmen, angeschlossen; schon für das Jahr 878 sei die Anwesenheit von Juden und Mohammedanern in Südchina durch einen arabischen Autor bezeugt. In den späteren Jahrhunderten mehren sich die Nachrichten über den Aufenthalt der Juden an verschiedenen Orten Chinas und zugleich sei ein etappenweises Vorrücken der Juden vom südlichen in das nördliche China zu verfolgen. Die hier geschilderte Einwanderung und Verbreitung der Juden habe übrigens ein genaues Analogon in der Gegenwart; denn es gebe in Hongkong und Schanghai eine ansehnliche Menge Juden, welche das Arabische als ihre Muttersprache sprechen und sämtlich entweder auf dem Wege über Indien oder aus Indien selbst nach China eingewandert seien. Astronomie der Hebräer Im WELTALL behandelt F. S. Archen hold „Die Astronomie im Aflten Testament“. Der Aufsatz bietet viel Lesenswertes und Interessantes. Im Verlage der Krakauer Zionistischen Bezirksorganisation ist aus Anlass der ersten Jahrzeit Theodor HerzFs eine jüdisch-deutsche Broschüre über: „Theodor Herzl“ zum Preise von 2 Mk. pro Stück erschienen. Nach Deutschland werden diese Broschüren zum Preise 50 Stück ä 1 Mark exklusive geliefert. Bestellungen sind zu richten an: Med. Dr. Ch-aim Hilfstein, Krakau, Krakowska 56, gegen Voreinsendung des Betrages,