Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 25)
- Language
- German
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Wir ersehen aber auch daraus, daß viele noch vor hundert Jahren blühende jüdische Gemeinden inzwischen völlig verfielen. Hingegen viele größere jüdischen Gemeinden in Städten existieren, in denen vor hundert Jahren gar keine Juden wohnten. So z. B. in Presov, Kezmarok, Piestany, usw. DAS LIBERALISTISCHE ZEITALTER. Das nun beginnende liberalistische Zeitalter bringt auch den Juden der Slowakei wirtschaftlichen Aufschwung und politische Freiheit. Im Freiheitsrausch der wildbewegten Tage des Jahres 1848 wurde wohl der jüdischen Bevölkerung, wie bereits erwähnt, arg mitgespielt. Die Juden, die sich in den Unabhängigkeitskämpfen begeistert hervorgetan hatten, waren dafür in der Zeit der Reaktion schwer bestraft worden. Die damals errungenen Rechte gingen bis auf die Aufhebung der Ghetti mleist verloren. Erst das Jahr 1867, nach dem Ausgleich mit Österreich, brachte bei Stimmeneinhelligkeit im Budapester Parlament auch den hierländischen Juden völlige Gleichberechtigung. Von der Freiheitssonne berauscht entwöhnt sich jedoch das Judentum allmählich auch geistig dem Ghetto, huldigt assimilatorischen und fortschrittlichen Tendenzen, entfremdet sich immer mehr der jüdischen Tradition, was schließlich zur religiösen Spaltung des damaligen ungarischen Judentums auf dem denkwürdigen Kongreß im J. 1868 in Budapest führte. Aber auch national bemühte sich das Judentum, sich der herrschenden Nation anzubiedern und wir wollen nicht leugnen, daß manche jüd. Anbiederung im alten Ungarn gar oft groteske Formen angenommen hat. Man darf nicht vergessen, daß im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert Emanzipation und Assimilation Ideale waren, die im Leben der Juden die wichtigste Rolle spielten. Vom historischen Prozeß der Eingliederung der Juden in den Staat erwartete man die volle Lösung der Judenfrage. Allerdings sehen wir heute, daß die liberale Ära in der Judenfrage allzu rationalistisch, allzu mechanisch gedacht hat. Trotzdem finden wir, daß zahlreiche Juden in der Slowakei auch schon damals das Slowakentum gegenüber dem Magyarentum unterstützten. So finden wir zufolge der Statistik des Jahres 1910, daß sich bereits in diesem Jahre, wo es gewiß niemanden zu Vorteil gereichte sich als Nationalslowake zu bekennen, nicht weniger als 5776 Juden zur slowakischen Nationalität, bezw. zur slowakischen Muttersprache bekannten. Nicht uninteressant ist es auch, daß die „Slov. Matica" in T. Sv. Martin bereits im Jahre 1870 eine Anzahl unterstützender jüdischer Mitglieder hatte und als im siebten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts die ungarische Regierung die slowakische Gymnasien in Revtica und Sv. Martin sperrten, waren es merkwürdigerweise zwei jüdische Politiker, 17