Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 35)
- Language
- German
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31 In ihm vereinigte sich die durchsichtige Klarheit des denkenden Geistes mit der belebenden Wärme des empfindenden Gemüths, so daß sein Wort gleich überzeugend und begeisternd auf seine Zuhörer wirkte. Er vereinte eine umfassende und vielseitige Kenntniß von der Vergangenheit des Judenthums mit der seltenen Fähigkeit, allezeit die Besonderheit des gegenwärtigen Moments zu erfassen und sich mit seinem Wort in die Denk- und Empfindungsweise seiner Zuhörer und selbst der zarteren Jugend zu versetzen, die er mächtig an sich heranzog; und in ihm war das Bedürfniß und das Verlangen nach Fortschritt im Licht der Aufklärung mit so inniger Liebe und Treue für die Religion seiner Väter, mit so rücksichtsvoller ' Achtung vor den Schöpfungen der Vergangenheit verbunden, daß seine Bestrebungen ihm selbst die Achtung und Anerkennung derer errangen, die mit seinen Ansichten keineswegs übereinstimmten. Hier wirkten aber auch mit jenen gemeinsam oder nach ihnen die beiden Männer, deren wir uns noch in rüstiger Kraft in unserer Mitte erfreuen und noch lange erfreuen mögen*) und von denen der eine seine Wirksamkeit für die Weckung und Belebung des religiösen Sinns und für Pflege des religiösen Wissens in der Jugend noch gegenwärtig auf dem Boden unserer Lehrstätte fortsetzt, der andere in unermüdlichem Forschen nicht rastet, die Quellen des Wissens von der Vergangenheit des Judenthums zu öffnen und dem allgemeinen Verständniß zugänglich zu machen, und die hohe Stellung, die er durch seine wissenschaftlichen Leistungen sich unter den Gelehrten der Zeit bereits erworben hat, sich immer fester und dauernder «zu sichern. Aber nicht nur die Wirksamkeit und das Andenken der Männer wollen wir heute dankbar vor unsre Seele rufen, die von dieser Stätte aus das lebendige Wort der Rede an euch gerichtet. Es ist uns in dieser Stunde des Scheidens ein Bedürfniß, auch derer ehrend zu gedenken, deren Wirken für die Zwecke derselben 'weniger vor das Auge der Oeffentlichkeit trat und die doch in treuer Hingabe für ihren Beruf sich einen bedeut- *) Wir geben die Worte, wie sie damals gesprochen wurden, obwohl diese unsere Hoffnung bereits aufs traurigste getäuscht und der eine dieser würdigen Männer uns wenige Monde später durch den Tod entrissen wurde.