Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9643703-7657962--191-7657980- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 bring der Mutter gegen ihre Kinder. Es gibt kein menschliches Lieben, das mit der Mutterliebe verglichen werden könnte. Sie ist die reinste, innigste, selbstloseste, opferfähigste, heiligste Liebe; es gibt kaum ein edles menschliches Gefühl, das nicht in der Mutterliebe lebendig wäre; kaum eine menschliche Tugend, die nicht mit der Mutterliebe geübt würde; denn in ihr vereint sich hingebende Selbstverleugnung mit stolzestem Selbstgefühl, mitleidsvolles Erbarmen mit heiliger Ehrfurcht; Lächeln des Schmerzes mit Thränen der Freude; Muth im Opfern mit Denmth im Dulden; bangendes Sorgen mit freudigem Hoffen; Dankbarkeit und Vertrauen mit Geduld uitb Ergebung. Vermöchten wir alle Erziehung des weiblichen Geschlechts ausschließlich auf die Aneignung der mütterlichen Tugenden zu richten, wir würden alle anderen Anforderungen, welche das Leben an dasselbe stellt, in dieser einen befriedigt finden. Aber hier stehen wir eben an der Grenze der Erziehung. Denn sie vermag die Macht der Natur nicht zu ersetzen (oder sie auch nur vorahnend fühlen zu lassen), die es allein vermag, das menschliche Wesen zu dieser höchsten Höhe des Empfindens und Wollens emporzutragen. — Ja, wir wollen uns vielmehr sehr vor dem Versuche hüten, an das Mädchen, in welchem Lebensalter es sich auch befinde, Forderungen zu stellen, die sie etwa als Vorübung für ihre einstigen mütterlichen Pflichten erkennen und erfüllen sollte. — Der einzig fruchtbare Boden, in welchem die Saat der künftigen Mutterliebe keimen und gedeihen kann, ist die Liebe und noch viel mehr die Ehrfurcht des Kindes gegen ihre Mutter. Im ehrfurchtsvollen Dankgefühl der Tochter gegen ihre Mutter erwacht unbewußt das vorahnende Gefühl von beit heiligen Pflichten, die einst von der Mutter gefordert werden; und wenn die ältere Schwester in dem, was die Mutterliebe den jüngeren Geschwistern während ihrer ersten Lebensjahre gewährt, gleichsam noch eine Ergänzung