Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 9)
- Language
- German
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5 Gemeinden Deutschlands und eine würdige Stellung in dem hiesigen Gemeinwesen sichert. In der Verfolgung dieses Zweckes ist die Knaben- und Mädchenschule als ein Ganzes anzusehen; im Uebrigen aber wird sich die Aufgabe beider wesentlich unterscheiden. Wir dürften diesen Unterschied wohl am bestimmtesten erfassen, wenn wir, neben dem gemeinsamen Zweck der Gesittung, die Hauptaufgabe der Knabenschule im Unterricht, der Mädchenschule in der Bildung suchen.— Beide sollen ihr Bildungswerk bis zum vorbereitenden Eintritt ihrer Zöglinge ins praktische Leben zu einem gewissen Abschluß bringen. Für jene aber wird vornehmlich auf den höheren Stufen des Unterrichts der spezielle Berus fest ins Auge gefaßt werden müssen, dem sich die überwiegend große Mehrzahl derselben widmet, diese sollen für die Erfüllung der Allen gemeinsamen Lebensaufgabe der gebildeten Hausfrau befähigt werden, die wir in der Veredlung und Verschönerung der Familiengemeinschaft und des geselligen Lebens, wie in dem bildenden und versittlichenden Einstuß auf das Heranwachsende Geschlecht erkennen. Beiden wird das Wissenswertheste aus dem Gebiet der allgemeinen Bildung gelehrt, in Beiden die Empfänglichkeit fürs Wissen überhaupt und für selbstthätige Fortbildung geweckt und gepflegt werden müssen. Für den Knaben aber soll jeder Unterricht nicht nur im Allgemeinen zur Uebung und Erhöhung seiner Denkkraft überhaupt dienen, sondern auch seinen Blick für das Verständniß des wirklichen Lebens und für seine künftige Betheiligung an demselben erweitern. Das Mädchen hingegen soll aus jedem Unterricht befruchtende Anregung für das Gemüth und Empfänglichkeit des Sinnes sowohl für das Schöne und Große in der Natur und in der Geschichte, wie auch für die Bedeutung der scheinbar kleinen aber ununterbrochen und in immer gleicher Ordnung wirkenden Kräfte gewinnen, die ihr das Verständniß ihrer eignen Lebensaufgabe erschließen. Ueber das Maaß der Kenntnisse und Fertigkeiten, das zu diesen Zwecken erforderlich ist, kann man kaum eine in sich selbst begründete Behauptung aufstellen. Der stetige Fortschritt der Wissenschaft und der Bildung, lokale Bedürfnisse und Sitten müssen