Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1852
- Date
- 1852-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 dienen können. Sie zeigen uns den Unterschied zwischen den starren und den feurigen Leidenschaften. Jene, wie etwa der Geiz, entspringen aus einer mechanischen Gewohnheit, die jedes Gefühl ertödtet; diese, wie die Liebe und der Zorn, aus einem Aufschwünge der Thätigkeit, wodurch das Gefühlsvermögen energischer wird. Wir ersehen daraus, warum die letzteren nur so lange beharrlich find, als die Gegenstände derselben sich der Einbildungskraft von neuen Umständen umgeben darstellen, wodurch sie selbst sich zu erneuern scheinen, wenn aber diese Umstände fehlen, die feurigen Leidenschaften sich in unbewegliche und starre verwandeln. Es zeigt sich uns ferner in diesen Gesetzen sowohl der Ursprung der Vorurtheile,' als die Quelle der Entdeckungen. Jene entstehen aus der blinden Routine, in welche die mechanischen Gewohnheiten den Geist einengen; diese aus dem unabhängigen Aufschwünge der Vernunft, die stufenweise ihre Thätigkeit entfaltet. Lasset uns die Wohlthaten des sittlichen Gefühls, dieser unerschöpflichen Quelle der Einsicht und Thätigkeit, bewundern, welche die Seele zugleich erfreuen und erweitern, sie stets verjüngen und in den vollen Besitz ihrer selbst setzen. Endlich können wir hier die wesentliche Verschiedenheit der zwei Arten von Erziehung bemerken. Die eine, welche sich nur auf die äußere Wiederholung derselben Verfahrungsarten stützt, vermag wohl die Gewandtheit der Routine zu erzeugen und ein Gedächtnißwissen zu bewirken, macht aber unfähig zu erfinden und zu vervollkommnen, lähmt die Verbindungen der Einbildungskraft und die Unabhängigkeit des Urtheils; die andere, im Gegentheile, steigt zu den Grundsätzen und Beweggründen hinauf, lehrt dadurch, daß sie den Menschen antreibt, sich Rechenschaft zu geben von dem, was er gethan hat, es besser zu machen, und dadurch, daß er sich Rechenschaft gibt, von dem, was er weiß, richtiger zu denken; die eine ist nichts weiter, als die Ueberlieferung des Pedantismus, die andere die