Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der auf den ... statthabenden öffentlichen Prüfung in der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1843
- Date
- 1843-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9643689-7657510--096-7657515- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gefühl für Melodie und Harmonie ist eine der schönsten Gaben, mit welcher der gütige Himmel den Menschen ausgestattet, und eine Quelle von sinnlich - geistigen Genüssen, die mehr oder weniger für jeden sprudelt, für den rohen Sohn der Natur, wie für den verfeinerten Zögling der Kunst, für den dürftigen Bewohner der nieder» Hütte, wie für den im Ueberflusse schwelgenden Besitzer prunkender Palläste; denn die Empfänglichkeit für den Zauber der Töne ist nur wenigen Menschen versagt. Auch das Schönste aller musikalischen Instrumente hat die Natur nicht kärglich vertheilt, und die Anlage zum Hervorbringen wohlklingender Töne einer großen Anzahl von Menschen verliehen. In ihrer Wunderkraft erscheint die Musik, wenn die Natursprache der Töne sich mit der Kunstsprache des Wortes verschwistert, und sollen wir uns eine Sprache höherer Wesen denken, so müßte es eine solche sein, welche die verschiedenen Vorzüge dieser beiden Sprachen in höchster Vollkommenheit vereinigte. Daß eine so allgemeine und das Menschenleben so verschönernde und veredelnde Anlage es verdiene, eine Stelle in der Jugendbildung einzunehmen, bedarf wohl keiner weitläufigen Entwikkelung. Wo gäbe es einen schöner» Schmuck des häuslichen Kreises, als der ein- oder mehrstimmige Gesang eines schönen Liedes. Wie erhöhet es die Freude eines Festmahles, wenn die Herzen und Gemüther durch die Macht des Gesanges aus dem geistverdumpfenden Gaumengenusse in die heitere Höhe der Seelengenüsse erhoben werden; was möchte wohl größern Einfluß auf die Veredlung der Geselligkeit ausüben, als jene Singvereine, wo jeder ohne Ansprüche und eitles Hervordrängen, ein schönes Ganzes bilden hilft, dessen er selbstthätig, sich mit erfreuet; auf welchem Wege können die höchsten Gefühle, welche die menschliche Brust bewegen, die, welche den Adel des Menschen beurkunden, kräftiger erregt, dauernder befestigt