Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... statt habenden öffentlichen Prüfung in der Bürger- und Realschule der Israelitischen Gemeinde
- Volume
- 1834
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
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Natur in vieler Beziehung umgewandelt hat; wie mächtig der Trieb zur Nachahmung, dieser einflußreichste Bildner und Lehrmeister vom frühesten Alter bis in die spätern Jahre, in ihm ist; sehen wir die Wirkungen der Erziehung im weitern Sinne, wie sie sich in den Nationalkarakteren der verschiedenen Völker äußern, in den, in das ganze Leben so tief eingreifenden Eigenthümlichkeitrn, die sie manchen Seeten eingedrückt, und wie denselben die Beherrschung der stärksten Neigungen und Leidenschaften zur leichten Gewohnheit geworden ist: so möchte man eher geneigt sein, die Macht der Erziehung zu hoch als zu geringe anzuschlagen. Indessen hat wohl Niemand geläugnet, daß die Erziehung den sittlichen Karakter verderben, die moralische Energie schwächen und die selbstsüchtigen Triebe und Neigungen herrschend machen könne, daß demnach eine gute Erziehung wenigstens negativ, das Böse hindernd und zurückhaltend, wohlthätig wirke; weil man aber oft die Erfahrung machte, daß Menschen, bei denen man eine sorgfältige Erziehung vorauszusetzen berechtigt zu sein glaubte, moralisch mißrathen waren und die angebornen egoistischen, den Geboten der Sittlichkeit widerstrebenden Neigungen mit der Kraft herrschender Leidenschaften in Gesinnungen und Handlungen sich äußerten, glaubte man der Erziehung die Lenkung und Bildung der, mit dem Temperamente zusammenhängenden Triebe und Begierden und somit die willkührliche Gestaltung des sittlichen Karakters absprechen zu dürfen. Bei dieser scheinbaren Schlußfolge vergißt man jedoch manche wesentliche Umstände in Betrachtung zu ziehen. Eine konsequente, mit beharrlichem Ernst und weiser Besonnenheit durchgeführte Bildung des sittlichen Karakters