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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1986-01-01 · No. 51 (1986) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1986
Issue
No. 51 (1986)
Date
1986-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Löwe, Zirkel und Kreuz des Süden: JOHN MONASH - INGENIEUR, SOLDAT, JUDE Kriegskunst ist ein heute selten gebrauchtes Wort. Scheint es doch zwei gegensätzliche Begriffe unter einen Hut bringen zu wollen. Krieg — das ist doch die Entfesselung menschlicher Triebe und Leidenschaften, eine wilde, rabiate, recht finstere Sache; Kunst dagegen ist gerade das Symbol der Überwindung, der Sublimation jener Wallungen, etwas Feines, Ätherisches, beinahe Himmlisches. Und dennoch stehen auf dem Adelswappen des John Monash — der sowohl ein grosser Konstrukteur, ein begabter Organisator und ein hervorragender und einfallsreicher Feldherr war, der Brücken und Elsenbahnanlagen auf dem australischen Kontinent (und auf der Insel Tasmanien!) baute, 1915 in Gallipoli, von 1916-18 in Flandern und Frankreich in der zweiten Phase des Ersten Weltkrieges kämpfte — jene zwei polaren Begriffe: “M arte Art e”. Von dem Krieg und der Kunst. Er wurde im Juni 1865 in dem Staat Victoria im südlichen Australian geboren (in der offiziellen Geburtsurkunde am 23. Juni, aber in dem Siddur seines Vaters am 27., und an diesem Datum feierte er seinen Geburtstag). Sein Vater Louis M. gehörte jener weitverzweigten Familie an, die im 18. Jahrhundert in Breslau nachweisbar ist und von dort war dessen Grossvater nach der zweiten polnischen Teilung, in d. die Provinz Posen an Preussen fiel, nach dem nahen Krotoschin gewandert. Dort hatte einer seiner Söhne, Löbel Bär, im Jahre 1833 die weithin bekannte Druckerei gegründet. Eine der Schwestern Louis Monasch’ heiratete den Historiker Hirsch (Heinrich) Graetz. Louis Monasch wanderte 1853 nach Australien aus. Es waren die Jahre des grossen “gold rush”, der fast gleichzeitig in Kalifornien und Australien einsetzte — und noch während des Zweiten Weltkrieges hörte ich, wie Briten ihre australischen Bundesgenossen etwas abschätzig als “diggers” titulierten. Doch währte der Goldrausch im Staate Victoria nicht so lange. In der Stadt Melbourne war der Existenzkampf schwierig und so liess sich Louis M. mit seiner Familie in einem kleinen, gerade gegründeten Flecken nieder, wo es ejin paar Wohnbaraöken, ein Gericht und ein Polizeigefängnis gab, aber keine Kirche und keine Schule. Dort eröffnete er einen kleinen Laden. Die Ortschaft hiess Jerliderie, ein Wort aus der Eingeborenensprache, das ‘“Schilfgegend” bedeutete. Zum Glück für den jungen John kam, als er neunjährig war, ein Lehrer, namens William Elliot, an jenen gottverlassenen Ort jenseits des Murray-Flusses und von ihm erhielt er den ersten Elementarunterricht. Schon nach einem Jahr spürte jener junge Lehrer — 21 Jahre war er alt — in seinem stämmigen, dunkelhaarigen Zögling, dessen tiefliegende Augen Wärme und Intelligenz ausstrahlten, die Begabung heraus: “Der Junge ist zu schade, um in einem australischen Euschdorf zu verkümmern” sprach er zu den Eltern und er empfahl, ihn in eine Stadtschule zu schicken. Es war für Vater Louis ein schwerer Entschluss. So zog Mutter Bertha mit ihren drei Kindern — ausser John noch zwei Schwestern — in die Stadt Melbourne und Louis führte den Laden weiter. John machte mit 14 1/2 Jahren sein Abitur, bezog die Universität, wo er sich in Sprachen und vor allem in Mathematik auszeichnete, sehr viel las — von den Historikern sprachen ihn Besonders Josephus und Gibbon an — das Doktorat machte und recht bald als Bauingenieur arbeitete. Nebenbei lief seine militärische Karrier, anfangs diente er in einer Infanterie-Einheit, ging dann zur Artillerie über und, da er als Planer sich einen Namen machte, zum Geheimdienst, der die Keimzelle des Generalstabs wurde. Seine Freizeit widmete er Militärproblemen, der Planung, der Organisation und der Logistik. Nie war John Monash Berufssoldat. Im Jahre 1891 heiratete Monash die Tochter einer der ersten jüdischen Siedlerfamilien des Staates Victoria. Sie hiess Hanna Victoria Moss. 1893 wurde dem Paar eine Tochter geboren, die John Monash nach seiner früh verstorbenen Mutter Bertha nannte (sie heiratete Gershon Bennet, der eine Biographie seines Schwiegervaters schrieb). Mit Frau und Töchtern unternahm der inzwischen zu massigem Wohlstand gelangte Ingenieur Monash eine 7-monatige Tour, die auch Deutschland berührte wo er Kontakte zu dort lebenden Verwandten aufnahm. Gleichzeitig studierte Monash die militär-politische Situation und berichtete darüber dem australischen Generalstab. Wie viele der aus Deutschland stammenden hat_ te auch er ein Flair für die aus diesem Lande heraufziehenden Gefahren und äusserte entsprechende Befürchtungen in seinen Berichten. Dennoch, als der Erste Weltkrieg ausbrach, war er durchaus nicht sicher, ob er, der fast Fünfzigjährige, noch für den aktiven Dienst in Frage käme. Die vier Kriegsjahre sehen dann seinen meteorartigen Aufstieg auch in der militärischen Karrier, als Truppenausbildner, als methodischer Planer, als meisterhafter Menschenbehandler. In Gallipoli, mit viel Einfallsreichtum den finten- und listenreichen Rückzug durchgeführt, in den Front kämpfen in Paaschendaale seinen Mann gestanden und in den Kämpfen um Amiens kommandierte er bereits eine Armee von 200.000 Mann. Nach dem Kriege hat Monash als Präsident der Elektrizitäts-Gesellschaft des Staates Victoria eine seiner grössten Leistungen im Zivilleben vollbracht. Er hat, mit Hilfe deutscher Experten, ein Braunkohlen-Lager, das die meisten Fachleute als völlig unbrauchbar abgeschrieben hatten, in eine Quelle für elektrischen Strom verwandelt. Die Förderung von Braunkohle war in den 20er Jahren ganz gering — aber Monash sah optimistisch in die Zukunft; bald würden es 10.000 Tonnen pro Tag sein, meinte er. 1969 waren es 61.000 Tonnen die den Staat Victoria mit Elektriziät versorgten. Eine der wichtigsten Brücken Melbournes ist 1899 von Monash erbaut worden. Sie überspannt den Yarra-Fluss und in dem angrenzenden Viertel hat er viele Jahre gelebt. 1928 wurde er Präsident der Zionistischen Organisation Ausraliens. Er starb Ende 1931. Montgomery, der britische Oberkommandant im Zweiten Weltkrieg, nannte Monash “den bedeutendsten britischen Feldherren des Ersten Weltkrieges”. Manche meinen, er hätte auch britischer Oberkommandierender werden können. Aber Cecil Edwards, einer seiner Biographen, teilt diese Meinung nicht: “Er hatte drei handicaps. Er war nie Berufssoldat. Er war Australier. Und er war Jude,” 1950 ist ein Reiterstandbild von John Monash enthüllt worden unweit einer Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Acht Jahre später ist die Universität der Stadt Melbourne in Monash-Universität umbenannt worden. Aber schon am 16. Mai 1946 wurde im Emek Chefer eine Siedlung gegründet, die Kfar Monash heisst. Der Löwe auf seinem Adelsdiplom erinnert an seine jüdische Herkunft. Der Zirkel — ein Freimaurersymbol, das an König Salomon erinnert, den Schutzpatron der Bauherrn und Konstrukteure. Das Kreuz des Südens ist das Sternbild der südlichen Hemisphäre, erinnert, dass Australien sein Geburtsland war. A. Tobias, Natania ADOLF LAUFS1 EDUARD LASKER Ein Leben für den Rechtsstaat. Persönlichkeit und Geschichte Band 118/119. Muster-Schmidt Verlag, Göttingen/Zürich 1984, 151 S. In diesem sehr sorgfältig dokumeniterten und interessant geschriebenen Band stellt der Verfasser — Professor für Rechtsgeschichte und bis vor kurzem Rektor der Universität Heidelberg, jetzt in Tübingen — einen der bedeutendsten Politiker der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts vor, der als Spross einer kinderreichen jüdischen Familie 1829 mit dem Namen Jizhak oder Eisek Lasker in Jarotschin (Landgerichtsbezirk Ostrowo, Provinz Posen) zur Welt kam, zunächst die dortige talmudische Hochschule (Jeschiwa), später — nachdem er den Namen Eduard angenommen — das Elisabeth-Gymnasium in Breslau besuchte, daselbst zuerst Mathematik und seit 1849 unter dem Eindruck des Revolutionsjahres Rechtswissenschaft studierte und nach seinem 1857 in Berlin abgelegten Assessorexamen publizistisch tätig war, bis er 1865 ins preussische Abgeordnetenhaus gewählt wurde und seine parlamentarische Laufbahn begann. Es ist hier nicht der Ort, die hervorragende Wirksamkeit des nationalliberalen Politikers Eduard Lasker — die ihn oft in Gegensätze zu Bismarck gebracht, aber alles, was wertvoll an der Entwicklung zum Norddeutschen Bund und zum Deutschen Reich bis zu Laskers Tod (1884) war, entscheidend mitgeprägt hat — zu schildern; nur auf seine Herkunft und enge Verbindung mit Breslau sollte hingewiesen und zur Lektüre dieser wertvollen Schrift angeraten werden. Aber vielleicht dürfen wir am Schluss noch hinweisen auf das lange Zitat S. 45/46 aus Laskers Rede von 1870 gegen die Todesstrafe, das mit den Worten schliesst: ‘Und nun frage ich Sie, meine Herren, welches Recht haben Sie, Ihre Hand hineinzustrecken, der Vorsehung den Faden abzuschneiden, indem Sie befehlen: Jetzt muss der Mann sterben! Er darf keinen Tag mehr haben, um sich sittlich zu erheben und zu klären, damit er als Gottgefälliger sterbe?' Hans Thieme, Freiburg. 4

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