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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1986-01-01 · No. 51 (1986) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1986
Issue
No. 51 (1986)
Date
1986-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Dr. WOLF S. MATSDORF: Ferdinand Lassaiie. 1825-1864. Gedenken und Vertnaedilnis Diese ist der Titel einer wuerdigen Broschuere ueber den juedischen Mitbegruender der deutschen Sozialdemokratie aus Anlass seines 160. Geburtstags und des 120. Todestages, veroeffentlicht von der Friedrich-Ebert-Sfciftung in Bonn. Die reich illustrierte Veroeffentlichung enthaelt Beitrage von Heinz Kuehn, Vorsitzendem des Vorstandes der Friedrich-Ebert-Stiftung, sozialdemokratischem Partei-Vorsitzenden Willy Brandt, eine Biografie, Bibliografie und anderes interessantes Material eines grossen Kaempfers und Fuehrers, der im jungen Alter von 39 Jahren an den Folgen eines Duells ums Leben kam und auf dem Juedischen Friedhof in der Lohestrasse beerdigt ist. Der Friedhof, der teilweise durch Fliegerbomben zerstoert war, sollte nach dem Kriege eingeebnet werden, wurde jedoch durch Einspruch der deutschen Sozialdemokraten, besonders des fruehe. ren Kanzlers Willy Brandt, jetzt in ein historisches Kulturdenkmal mit Hilfe der Friedrich- Ebert-Stiftung, restauriert. In einer Ansprache am Grabe Lassalle’s an seinem 120. Todestages sagte Heinz Kuehn: “Nach seinem Tode verweigerte eine reaktionaere preussische Staatsbuerokratie Ferdinand Lassalle ein Grab im rheinischen Kalkum, dort wo der Breslauer nahe Duesseldorf eine persoenliche und politische Heimat gefunden hatte, inmitten der grossen Arbeitergemeinden, die ihm auf seinem beruehmten rheinischen Agitationszug eine triumphale Begleitung bereitet hatten. So hat denn Ferdinand Lassalle seine letzte Ruhestaette hier in seiner Geburtstadt Breslau gefunden, die durch die verbrecherische Herrschaft einer faschistischen Fuehrung unter Hitler, der die Masse des deut- (Fortsetzung von Seite 1) sehen vollbrachten tapferen Rettungstaten ans Tageslicht kamen. Insbesondere hat auch die Begegnung mit jenen jungen Menschen, die bereit sind, die Schuld der Vätergeneration abzutragen, dazu beigetragen, uns den Glauben an GTT und die Menschen wiederzugeben. Denn das ist vielleicht die nachhaltigste dem jüdischen Volk zugefügte seelische Verwundung, dass viele unserer Brüder und Schwestern im Holocaüst ihren Glauben an GTT und die Menschen verloren haben. Deutschland sollte sich die 1949 gesprochenen Worte Leo Baecks zu Herzen nehmen: “Mehr Völker sind in einer Krise, die einem Sieg folgte, untergegangen denn als Folge einer Niederlage.” Gerade die totale Niederlage konnte und kann Deutschland zum Segen werden, wenn — um nochmals mit Leo Bacck zu sprechen — Männer und Frauen mit geistiger Kraft, einen Ausweg aus der Krise zu finden' ,im Stande sind. Hier in Frankfurt hat ein deutscher Rabbiner, Samson Raphael Hirsch, vor mehr als 100 Jahren jenes doppelte “Gedenke” und “Vergiss nicht” folgen dermassen erläutert: “Vergiss dies nicht, wenn du selbst unter Amalek-Hoheit und Gewalt zu leiden hast. Bleibe aufrecht! Bleibe bei der Menschlichkeit und Rechtachtung, die dein Gott dich gelehrt hat. Ihnen gehört die Zukunft, Menschlichkeit und Gerechtigkeit bleiben Sieger über Rohheit und Gewalt”. sehen Volkes gehorsam folgte, nach Zerschlagung des Hitlersystems Wroclaw geworden ist. Dieses Grab ist heute, 120 Jahre nach Lassalles Tod, zu einer Staette gemeinsamen Gedenkens der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung geworden.” Bei der Enthuellung eines Gedenksteins im Waeldchen von Carrouge bei Genf, wo im Jahre 1864 das fuer Lassalle verhaengnisvolle Duell stattfand, sagte der Partei-Vorsitzende Willy Brandt: “In meiner Jugend gehoerte zu den von uns meistgesungenen Liedern immer noch die Arbeiter-Marseillaise mit dem Refrain: ‘Der Bahn, der kuehnen folgen wir, die uns gefuehrt LASSALLE.’ Der in Breslau geborene Ferdinand Lassalle, Mitbegruender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, hat auf dem juedischen Friedhof in seiner Geburtsstadt Beine letzte Ruhestaette gefunden. Dieser Friedhof ist ein „Museum sepulkraler Architektur”, — gemaess einer Pressemeldung, “Es ist ein einzigartiges Kulturdenkmal, eine Sehenswuerdigkeit der Stadt geworden.” “Noch sind allerdings nicht alle Arbeiten an der Wiederherstellung des jüdischen Friedhofs abgeschlossen. Doch wer sich des einst trostlosen Zustandes erinnert, in dem sich das Lassalle-Grab und der juedische Friedhof befanden, wird von dem total veraenderten Anblick der Friedhofsanlage ueberrascht sein: Am Haupteingang ein neues schmiedeeisernes Tor, das die Restauratoren irgendwo im Schlesischen aufgetan haben. Sie «reparierten es und fuegten in jedem Torfluegel einen stilisierten juedischen Leuchter ein. Zu beiden Seiten des Haupteinganges wurden die aeltesten in der Stadt gefundenen juedischen Grabsteine aus dem Mittelalter aufgestellt. Sie waren bis dahin im Architekturmuseum aufbewahrt worden. Besondere Muehe gaben sich die Denkmalpfleger mit der Restaurierung des Grabes von Ferdinand Lassalle. Reste des urspruenglichen Grabmals waren in der Rueckwand entdeckt worden, als man den Verputz entfernte. Der Grabstein von Lassalles Mutter, der sich bis jetzt im Architekturmuseum befand, wurde nun in erneuertem Zustand zur linken Seite des Grabmals aufgestellt. Verschwunden blieb der Grabstein des Vaters, der vermutlich in den Wirren des Krieges verlorengegangen ist. Wie schon auf den alten Fotografien umgibt heute wieder ein schmiedeeisernes Gitter die Ruhestaette Lassalles.” “Der juedische Friedhof an der Lohestrasse wurde im 19. Jahrhundert angelegt; hier fanden neben Lassalle noch andere bedeutende Persoenlichkeiten aus juedischen Familien des alten Breslau ihre letzte Ruhestaette, wie der SPD Reichstagsabgeordnete und Redakteur Max Kayser, geehrt mit einer erhalten gebliebenen Gedanktafel ‘Ihrem treuen Gesinnungsgenossen Max Kayser — die deutsche Sozialdemokratie’. In einem anderen Grab ruht der Historiker Heinrich Graetz, der Botaniker Ferdinand Cohn, Freund und Foerderer Robert Kochs, und der Astronom Gottfried Galle, der den Planeten Neptun entdeckte. “Im Jahre 1945, als die Rote Armee die ‘Festung Breslau’ belagerte, lag der juedische Friedhof im Kampfgebiet. Jahre spaeter schien die juedische Nekropole vergessen. Im Jahre 1975 wurde der juedische Friedhof unter Denkmalschutz gestellt.” In einem in 1984 erschienen Zeitungsartikel wird der juedische Friedhof in der Lohestrasse als ein “Museum sepulkraler Architektur” bezeichnet. Er ist “als Konglomerat von Stil-Formen des 19. Jahrhunderts heute einmalig in der Architektur Breslau’s. Dank der integrierenden Symbiose einiger verwandter Kunstdisziplinen, wie Architektur, Skulptur und Steinmetzhandwerk, wurden Grabdenkmaeler an der Lohestrasse zu einem Kulturdokument jener Epoche. Man hat vor, diesen jahrelang als solchen genutzten Friedhof in eine Art Freilichtmuseum sepulkraler Architektur zu verwandeln harmonisch eingebettet in eine vorbildlich gepflegte Gruenanlage.” Die lesenswerte Broschüre ist von Herrn KLAUS REIFE herausgegeben und bei der Friedrich- Ebert-Stiftung, Godesberger Allee 149; 5300 Bonn 2 erhältlich. iggtiii . , * ' / ilBitfl 2

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