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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1969-04-01 · No. 25 (April 1969) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1969
Issue
No. 25 (April 1969)
Date
1969-04-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Gedenken an Julius Prüwer (95. Geburtstag am 20. Februar 1969) Unter der Direktion des Dr. Theodor Loewe war im Breslauer Opernhaus (Stadttheater) ungefähr seit 1900 Julius Pruewer sozusagen der “Generalmusikdirektor”. Vielen ehemaligen Breslauern werden die Opernaufführungen unter seiner Musikleitung noch in bester Erinnerung sein. Er war ein Opemdirigent von eminentem Stilgefühl, hervorragendem Gestaltungsvermögen, künstlerischer Verve, stärkster Überlegenheit und unschätzbarer Routine. Er setzte sich mit seiner ganzen künstlerischen und menschlichen Persönlichkeit für jedes Opernwerk ein und erreichte immer eine neue und neuartige ausgewogene Aufführung. Er interpretierte, was der Komponist sagen wollte und es dauerte nicht lange — nach den ersten Takten schon stellte sich das musikalische Bild des Werkes ein, jener sensitive Klang in lyrischen, jener Farbenrausch in temperamentgeladenen Komödien und Dramen des Musiktheaters. Er beherrschte das Musikdrama ebenso wie die Spieloper, er wusste Mozart delikat erklingen zu lassen, wie er “Aida”, “Carmen” und die “Verkaufte Braut” voller Temperament und Leidenschaft dirigierte. Ihm lag slavische Musik besonders, interessant gestaltete er Mussorgskys “Jahrmarkt von Sorotschinsi” (Übersetzung ins Deutsche von dem Breslauer Heinrich Möller). In Richard Strauss’ “Salome” hob er die grosse emotionelle Kraft, die Leidenschaftlichkeit der Titelrolle in der Musik hörbar heraus. Im “Rosenkavalier” spiegelte er den vokalen Glanz der Bühne mit Schliff und Humor im Orchester wider. Welch’ heitere Konturen gab er in den “Meistersingern” der Prügelszene, dem Beckmesserständchen und dem Walzer der Fuerther Mädels; gegensätzlich zu den lyrischen Stellen des Evchens, des Hans Sachs und Walter Stolzings in dieser Musikkomödie. Bei seiner Dirigiertechnik war stets geistige Spannung überzeugend, er riss voller Temperament das Orchester, den Bühnenapparat und also das Publikum mit sich fort, er faszinierte alle und alles mit dem Klang, den er aus dem Orchester herauszauberte. Er war ein Theaterblut durch und durch. Und wenn er an fröhlichen Festen (Sylvester etc.) klassische Operette dirigierte, so war das eben auch eine Festvorstellung. Er wusste, wie man Johann Strauss und Offenbach interpretiert. Er half, Breslau’s Oper zu einem Begriff zu machen. Pruewer am Pult — es waren immer Meisterleistungen — “Stemenstunden”. Julius Sachs SCHLESISCHES PANORAMA (herausgegeben von Herbert Hupka, Verlag Graefe & Unzer) Mehr als 30 ehemalige Schlesier haben hier ein Bild Schlesischer Städte und Landschaften zusammengetragen. Ein buntes Mosaik informiert noch einmal über das kulturelle und wirtschaftliche Leben, wie es einst war, und wie es nach allen Seiten seine produktive Eigenart ausstrahlte. Man liest von Kunst und Kultus, von Handel und Industrie, von den wirtschaftlichen Zusammenhängen, hauptsächlich aber von dem, wie all das wurde. Beileibe ist es keine trockene Statistik, im Gegenteil, man erlebt eine interessante Rückblende, denn hier wohnten einst unsere Eltern, Grosseltern und Ahnen. Und wenn sich unter den Mitarbeitern Ruth Hofmann befindet, deren Roman “Meine Freunde aus Davids Geschlecht” sehr bekannt ist, ferner Arnold Ulitz, der rühmend die Tatsache festhält, dass Theodor Herzl als ersten zionistischen Kongressort Kattowitz aussersah, so fühlt man, dass das Buch von Sachverständigen, Schriftstellern präsentiert wird. Dem Herausgeber, der auch für gute graphische Ausstattung sorgte, gilt wärmster Dank. J. S. Künstlerischer Unterhaltungsabend im „Verband Ehern. Breslauer in Israel'' Den zahlreichen Besuchern dieser von Zeit zu Zeit stattfindenten hübschen Einrichtung hat dieser Abend, der Anfang November stattfand, besonders gefallen. Es war ein Spitzenprogramm, was da geboten wurde. Zu Beginn der Veranstaltung nach Begrüssung durch den Vorsitzenden Herrn E. TAUBER sprach der bekannte Tel-Aviver Journalist Herr Erwin Palmon über aktuelle Probleme Israels — speziell auf wirtschaftlichem Gebiet. Nun begami der künstlerische Teil. Nach einleitender Musik aus klassischen Operetten, vorgetragen von dem Pianisten Tiby Weiss, hörte man den beliebten Tel-Aviver Bariton Mordechai Ben-Schachar in weitreichendem Programm von Rossini über Verdi bis zu Gerschwin. Seine hohen künstlerischen Mittel — sängerisch und darstellerisch — bewährten sich in schwierigen Opernarien sicher und beweglich. Rachel Nachmias, die Sängerin des Abends, entzückte in Arien von Mozart und Puccini. Sie fesselt durch dramatische Gestaltung und entfaltet ihr angenehmes Stimm- Material und bestrickende Tongebung klug und klangbewusst. Ein sehr freundliches Echo fand ihre sympathische Vortragsart auch in Gesängen aus Musicals. Trefflich gelangen beiden Künstlern ferner die Duette aus Figaro und Zauberflote. Franz Czellitzer fungierte als sicherer Begleiter. Den heiteren Schlussteil des Abends bestritt Joseph Golland, ein Meister des Humors. Was bringt dieser grosse Künstler nicht alles an aktuellen Sketchen! Seine Typen aller Art, vom Jemeniten bis zum Diplomaten, sind lebensecht und riefen ununterbrochene Lach stürme hervor, er ist ein glänzender Imitator, er gibt eine ganze oneman sliow und unterhält das Publikum ausgezeichnet. Die Ansage und Programmleitung hatte unser Vorstandsmitglied Julius Sachs, der in sehr launiger Art die Übergänge der einzelnen Darbietungen ausfüllte und viel zum Kontakt mit dem Publikum beitrug. Welch ein interessanter Abend: E. T. ELLY KURZ TEL-AVTV Wir gratulieren Frau ELLY KURZ zum 70. Geburtstag und 50jährigen Jubiläum als Sängerin, Gesangslehrerin und Professorin an der israelischen Musikakademie in Tel-Aviv. Ein grosse Zahl von Schülern in Israel und in der ganzen Welt, Sänger und Sängerinnen von bestem Namen, sind von ihr ausgebildet worden. Neben ihrer vollen Beschäftigung findet sie immer Zeit zu helfen und ist sozial tätig. Sie hat unser Blatt durch ihre zeitgemässen Gedichte stets bereichert. Viele Jahre in Gesundheit und Schaffenskraft. Ihre Freunde Leben und Treiben in einem Chilenischen Luftkurort Llo Lleo (gesprochen Jo jeo) ist ein Luftkurort an der Kueste etwa 100 Km. von Santiago. Nim, unter einem chilenischen Bade — oder Luftkurort muss man sich keinesfalls dasselbe vorstellen wie in Deutschland; es gibt keine Kurpromenade, keine Kurkapelle und auch keine Brunnenhalle, dafuer braucht man auch keine Kurtaxe zu zahlen. Im Zentrum eines solchen Ortes befindet sich die “Plaza”, eine Gruenanlage mit vielen Baenken, auf der am Sonntag vormittag Konzertvorfuehrungen stattfinden, meistens von der lokalen Polizeikapelle oder der Heilsarmee. Die Plaza von Llo Lleo, die sehr von unseren jüdischen Glaubensgenossen freqentiert wird, wird daher im juedischen Volksmund “Plaza Tel Aviv” genannt. Ausser einem sechstrangigen Kino gibt es keine Attraktionen. Dort geht es ganz grosstaedtisch zu. Das Verwaltungsgebaeude selbst ist ein alter Kasten, der noch aus der Kolonialzeit zu stammen scheint. Aber er ist mit einer modernen Lautsprecheranlage ausgeruestet. Es ist gerade Hochsaison und der Herr Stationsvorsteher scheint allerhand zu tun zu haben. Eben sagt er an, dass der von Santiago nach Cartagena gehende Zug (da die Strecke eingleisig ist, gibt es keine andere Möglichkeit) auf dem Bahnsteig 1 in wenigen Minuten einlaufen wird. Da es nur einen Bahnsteig gibt halte ich die letzte Bemerkung fuer ziemlich ueberfluessig. Jetzt sieht man schon den Zug ankommen und das Publikum wird noch einmal zur Vorsicht und zum Zuruecktreten aufgefordert Trotzdem hopsen natuerlich ein paar Lausejungen noch auf den Schienen herum und springen erst im letzten Moment nach oben. Der Zug faehrt ein, moderne Dieselmaschine und 6 oder 7 grosse Waggons, letztere meistens hergestellt bei Lincke-Hoffmann Breslau. Die Waggons sind zum Bersten voll und auch die Plattformen und die Trittbretter sind besetzt sodass man das Gepaeck zum Fenster herausreicht, wo es von rotbemuetzten Gepaecktraegern in Empfang genommen und auf kleine Handwagen verladen wird. Bis zum Taxi; und dann gehts ins Hotel oder die Pension. Die ankommenden Reisenden werden von Verwandten oder Freunden abgeholt und sie begruessen sich mit Umarmungen und Kuessen, als ob sie sich mehrere Jahre nicht gesehen haetten; dabei kann man 10 zu 1 wetten, dass die Leute, die die Neuankömmlinge begruessen, vielleicht 8 oder 14 Tage vorher von Santiago abgefahren sind. Ist gar ein Photoapparat vorhanden so werden an Ort und Stelle herrliche Familienbilder geknipst, die in spaeteren Jahren den Urenkeln vorgefuehrt werden.— Wen man selbst nicht zu den Beteiligten gehoert, wie z.B. ich , kann mn jetzt ohne weiteres in seine Pension gehen und sich das Mittagessen einverleiben. B. L. Gh fmuBc 5B0 DEIN FEST — OB ZU HAUSE ODER IM SAAL — BEI „TCHELEr' GELINGT’S DIR JEDESMAL TEL-AVTV. Tel. 22 05 45 59, Sheinkintr. 8

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