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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-09-01 · No. 24 (September 1968) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1968
Issue
No. 24 (September 1968)
Date
1968-09-01
Page
Seite 15 (sequence 2728)
Language
German
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Zum Andenken an Reinhold Lewin Wenn die Nazis nicht ihn, seine Frau und zwei Kinder irgendwo in Osteuropa umgebracht hätten, wäre Reinhold Lewin, der letzte Gemeinderabbiner von Königsberg und nachher der letzte liberale Breslauer Gemeinderabbiner, jetzt achzig Jahre gelworden. Er ist Anfang 1888 in Magdeburg geboren. Seine Mutter, die wir in Königsberg kennen lernten, war eine nahe Verwandte des Breslauer Dozenten Prof. Marcus Brann sein Vater, ein bescheidenes, ruhiges Gemeindemitglied, lebte zwar in Magdeburg, stammte aber aus Wronke in Posen, und diese alte Posner Kultur hat auch noch unbewusst seinem Sohn Reinhold das Gepräge gegeben. Reinholds Lehrer waren die Rabbiner Rahmer und Wilde, die sehr früh seine hohe Begabung und seine Beredsamkeit erkannten. Er ging auf das Breslauer Seminar und gleichzeitig auf die Breslauer Universität, an welcher er mit einer Dissertation über die Judengesetzgebung in Preussen unter Friedrich (Wilhelm II. .erschienen in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 1913) 1911 promovierte. Schon vorher hatte er 1910 einen Preis der evangelisch-theologischen Fakultät der Breslauer Universität für seine Arbeit: “Luther’s Stellung zu den Juden” gewonnen. Eine genaue Bibliographie von Lewins Schriften erschien in der von Guido Kisch herausgegebenen Historia Judaica VIII (New York, 1946) Seite 217-219. Nach bestandenem Rabbinatsexamen ging er mit erst 24 Jahren 1913 als Assistent von Prof. Porges nach Leipzig, hatte aber fast keine Gelegenheit, sich dort zu entfalten, denn bei Kriegsausbruch wurde er bald vom sächsischen Armeekorps als Feldrabbiner eingerufen und verbrachte den ganzen Feldzug im Westen. Auch nach dem Kriege war er nur kurze Zeit in Leipzig tätig. Die Gemeinde Königsberg hatte immer Wert auf bedeutende Persönlichkeiten als Rabbiner gelegt, und als Dr. Herman Vogelstein 1920 von Königsberg nach Breslau berufen wurde, war £ie rechtzeitig auf Lewins Fähigkeiten al$j Kanzelredner aufmerksam geworden und berief ihn 1920 zum Gemeinderabbiner. In Königsberg bot sich ihm ein reiches Tätigkeitsfeld in der Gemeinde, in vielen Institutionen, auch als Präsident der Kant-Loge. In seinem Hause auf den Hofen, in der stillen Vogelweide, konnte man persönlich mehr Zugang zu dem sehr stillen und abgeschlossenen Seelsorger finden. Als Vogelstein in der Zeit der schwersten Verfolgung 1938 in den wohlverdienten Ruhestand trat und nach Amerika auswanderte, konnte er der zusammenschmelzenden Breslauer Gemeinde keinen geeigneteren Nachfolger empfehlen als Reinhold Lewin, der auch in Königsberg sein Nachfolger gewesen war. Und Reinhold Lewin hielt standhaft aus. Bei seinem Beginn, nach den Herbstfeiertagen 1938, erlebte er die Vernichtung der stolzen Synagoge am Anger, die konservative Synagoge in der Wallstrasse, der sogenannte “Storch”, blieb bestehen, und dort konnte fast ungehindert bis zum Ende gebetet werden. Sie besteht auch heute und wird auch jetzt nach Renovierung ständig benutzt. Nie war diese alte Synagoge so voll, wie in den Zeiten der Not,, und Reinhold Lewin verstand es, zu trösten, aufzurichten und auch mit klugen Andeutungen die Machthaber zu geissein. Etwa vier Jahre hielt er in dieser Situation am Rande des Todes aus, bis ihn, seine Frau Evi, seine etwa 20jährige Tochter Hanna und seinen noch nicht 15-jährigen Sohn Uri, das Schiksal traf. Der ältere Sohn, Manfred Michael, der damals in Israel in einem frommen Kibbutz lebte, zeigte mir einen erschütternden Abschiedsbrief, der, wie üblich, durch das Rote Kreuz ging und im Telegrammstil gehalten war. Trotz Allen hofften Eltern und Geschwister, gläubig und zuversichtlich, auf ein Wiedersehen. Ihr gesegnetes Andenken sei beispielgebend. Rabbiner Dr. Neufeld Studienrat Max geboren 6. November 1889 in Schieroth Kr. Gleiwitz O-S. SCHULAUSBILDUNG in Hindenburg O-Schl. Abiturium mit Auszeichung bestanden Eisenstein Preis für Literatur. Er wollte Rabbiner werden, aber da er ein ausgezeichneter Mathematiker war, wurde ihm geraten, lieber Mathematik und Naturwissenschaftten zu studieren. Er studierte in Berlin bei Professor H. A. Schwarz, der ihn unbedingt in die Universitaetskarriere bringen woll te, aber die schnelleren Verdienstmoeglichkeiten als Lehrer liessen ihn die Studienratskarriere waehlen. Als Studienrat wurde er nach kurzer Lehrtaetigkeit in Wittenberg Elbe nach Seesen a. Harz an die damals noch private bekannte Jacobsohnschule berufen. Die Schule wurde wohl 1919 verstaatlicht und 1920 heiratete er Melanie (Melli) Dickmann aus Gleiwitz O-S. Der Ehe entsprossen 2. Töchter, die beide in Seesen geboren wurden. 1928 berief seine Vaterstadt Hindenburg O-Schl. ihn an das dortige Realgymnasium als Studienrat für Mathematik und Physik, welchen Posten er bekleidete bis die Nazis ihm die Lehrtaetigkeit unmoeglich machten. Seine erzwungene Pensonierung benutzte er, um seiner grossen Liebe, dem Studium der hebraeischen Sprache, der Bibel und des Talmund zu leben. Er fand einen polnischen Chassid, der viele Stunden des Tages im Hause war, um zu lehren und mit seinem Schueler zu diskutieren. Im Jahre 1937 wurde ihm nahegelegt, sich fuer den freigewordenen Posten des Direktors an der Oberschule am Anger in Breslau zu bewerben. Sein erstes Treffen in Breslau mit Rabbiner Dr. Vogelstein S.A. und dem Schulvorstand hatte den Erfolg des sofortigen Engagements fuer den 1. April 1937. Seine erfolgreiche Taetigkeit an dieser Schule, die jaeh am 9. November 1938 unterbrochen wurde, kann von vielen Mitarbeitern wie z.B. Prof. Dr. Kurt Schwerin-Chicago und den Mitgliedern des Schulvorstandes sowie seinen noch lebenden Schuelern bezeugt werden. Wie alle anderen juedischen Breslauer musste auch er ins Konzentrationslager Buchenwald, und als er nach einem Monat entlassen wurde, konnte er mit seiner Familie nach Guatemala C.A. auswandem, wo er 8 Jahre als Privatlehrer fuer Spra- Isidor Aschheim S.A. Jerusalem Vor kurzer Zeit ist der aus Breslau stammende Graphiker und Kunstmaler Isidor Aschheim in Jerusalem gestorben. Wir hatten in Nr. 21 anlässlich seines 75. Geburtstages eine Würdigung von unserem Vorstandsmitglied Julius Sachs über Aschheim gebracht, Er war weit über Israels Grenzen bekannt und beliebt. Eiwurde vor etwa 1 Jahre mit dem Preis der Stadt Jeruschalajim ausgezeichnet. Damals und auch leider bei seinem Heimgang brachte die Presse aller Sprachen eine Würdigung seiner Persönlichkeit. Ascheim’s Wirken und sein grosses Können, beliebt bei allen, die mit ihm in Berührung kamen, wird unvergessen sein. Unsere Teilnahme gilt der Gattin und den Geschwistern sowie der weiteren Familie. E. L. Eine kleine Trauergemeinde hat sich in Tel Aviv — Kirjath Schaul auf dem Friedhof eingefunden, um der Grabsteinsetzung nach unserem so beliebten Manfred Rosenfeld (Maro) beizuwohnen, der jahrelang im Redaktionsstab der “Breslauer Zeitung” tätig war. Erich Fränkel aus Hamburg, ein Verwandter des Heimgegangenen, sprach Worte der Anerkennung und Würdigung für den so bescheidenen und beliebten Menschen. Erich Lewin vom Verband der Breslauer die Gebete und Fritz Po 11 a c k s.A. chen, Mathematik und Wissenschaften wirkte und viele der dortigen juedischen Jungen zur Bar-mizwah vorbereitete. 1947 wanderte er mit seiner Gattin nach U.S.A. aus, wohin seine beiden Toechter vorangegangen waren. Er lehrte als Lektor an der Universitaet ■Houston, spaeter am College in Stockton Calif. und seine letzte Volltaetigkeit im Schulwesen war an der High School in Linden-Calif. Als er seine Rente beziehen konnte, war er gluecklich, dass er sich von nun ab voellig seinem geliebten Studium der Wissenschaften und des Judentums widmen konnte. Er hat verschiedene Abhandlungen geschrieben, die aus technischen Gründen bisher nicht veröffentlicht worden sind. Als Mathematiker hat er sich in einer Schrift mit dem “Dirichlet’schen System” befasst und als Philosoph hat er über “Carl Ludwig Schleich und die psychomatische Medizin” geschrieben. Er wurde mehrere Male eingeladen in “Leaders in American Science” “Who is Who in American Education” zu erscheinen. Er war ein Mitglied der Mathematischen Association of America, der Academy of Science in San Francisco, der American Association for the advancement of Science und einer Unmenge Juedischer Organisationen, denen er oft und gern geholfen hat. Er war ein grosser Freund und Verehrer Israels, und als er, offenbar, fuehlte, dass er bald diese Welt mit dem Jenseits vertauschen würde müssen, sandte er noch einen letzten Check an die Universitaet Jerusalem. Sein Andenken sei gesegnet!! Wir sprechen von dieser Stelle aus seiner Gattin Frau Melanie Pollack, San Francisco, den Töchtern und der Familie unsere tiefgefühlte Teilnahme aus. Viele seiner Collegen uns Schüler, die diesen Nachruf auf den ausgezeichneten jüdischen Menschen lesen, werden mit uns trauern. Mögen Sie getröstet sein in dem Gedanken, dass der Heimgegangene Grosses in seinem Leben geleistet hat und im Hinblick auf die Entwicklung des Staates Israel — den er leider nicht mit eignen Augen sehen konnte — in ein besseres Jenseits abberufen wurde. Verband ehemaliger Breslauer in Israel Der Vorstand und seine Mitglieder. Wir sprechen der Familie Hans E. Fingerhut, 535 West 11 OTH Street Apt. 6 B, New York, N. Y. 10025 zum Ableben ihrer Mutter Frau Erna Fingerhut geb. Holz unsere innigste Teilnahme aus. Sie war die Ehefrau des verstorbenen Max Fingerhut, Breslau, dessen Firma (Spitzenpapiere, Konfekt-Kapseln etc.) in der ganzen Welt bekannt und geschätzt wurde. Wir sprechen Herrn Leo Rottenberg, Vorstandsmitglied des Verbandes der Oberschlesier in Israel und seiner Gattin unsere aufrichtige Teilnahme aus zum dem schweren Verlust, den Sie durch Tod ihres Enkelsohnes erlitten haben, der in Erfüllung seiner Pflicht für unseren Staat gefallen ist. Mögen Sie in der Arbeit für die Gesamtheit, die Ihnen am Herzen liegt, getröstet werden. Verband ehemaliger Breslauer Der Grabstein unseres hochvehrten Rabbiners Dr. Max Meir Simonsohn s.A. auf dem Oelberg ist von den Arabern schwer beschädigt worden. Vor zwei Monaten hat man einen neuen Grabstein gestellt und wir erwarten, dass unsere Breslauer das Grab dieses unvergesslichen Raws und Lehrers, das ganz oben auf dem neuen Teil sich befindet, besuchen. Feld 8, Reihe 1, No. 10. 15

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