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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1968-04-01 · No. 23 (April 1968) · p. [Seite]

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1968
Issue
No. 23 (April 1968)
Date
1968-04-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Musikaliengeschäfte einst in Breslau Breslau, die Metropole des deutschen Ostens, war seit jeher als Musikstadt berühmt. Über das reiche Musikleben haben berufene Kapazitäten längst ausführlich berichtet. Es war daher selbstverständlich, dass auch der Musikhandel in der Stadt bedeutend war. Insbesondere fiel den Musikaliengeschäften eine hervorragende Rolle zu. Um Musik zu pflegen — öffentlich und privat — muss zunächst Notenmaterial, neben den Musikinstrumenten, vorhanden sein. Mit der Beschaffung und dem Vertrieb der Noten befassten sich im Laufe der Jahre eine Anzahl Musikhandlungen, über die hier, soweit die Erinnerung reicht, in Kürze berichtet werden soll. Das älteste Geschäft dieser Art scheint Ende der vierziger Jahre eine Filiale der ,Weltmusikfirma ED. BOTE & G. BOCK, aus Berlin, gewesen zu sein, die in der Schweidnitzerstrasse 8, den musikbeflissenen Breslauern ihre Schätze anbot. Hier, wie auch in den anderen Musiksortimentgeschäften, ist die “Ware” Musik mehr eine Herzenssache, sowohl des Verkäufers als auch des Käufers. Hier wird Freude, kulturelles Gut, umgesetzt. Durch den Erwerb von Noten findet zumeist eine Bereicherung der Stunden geistigen Genusses statt. Unter diesem Gesichtspunkt reuessierte auch die Breslauer Musikalienhandlung von JULIUS HAINAUER in der Schweidnitzerstrasse 52. Sie war in den Jahren bis zum 1. Weltkrieg die Zentrale des gesamten Breslauer Musiklebens. Hier verkehrten die Dirigenten der Philarmonie. Damrosch, Maschkowski, hier holte sich der in Breslau geborene Dirigent OTTO KLEMPERER seine ersten Studienpartituren, hier kaufte LEO SLEZAK und alle die anderen Lieblinge der Öpernfreunde ihre Klavierauszüge, hier gab es einen Verlag damaliger Komponisten, wie Lassen (Faust Musik) Maszkowski, Reindel (Militär-Marsch) u. a. hier gab es eine umfangreiche Musikalienleihanstalt und auch eine Konzertkasse für die berühmte Konzertdirektion Hainauer, die Künstler aus aller Welt engagierte und im Konzerthaus auftreten liess. Hier gab es eine musikalische Beratung par excellence, hier wusste man sofort, welches Werk gemeint war, wenn der Käufer auch nur ein paar Noten vorpfiff. Es waren Angestellte da, voller Interesse, voller Liebe zur Musik, reich an gut fundiertem Wissen und einschlägiger Kenntnis. Hoch türmten sich die nach Musikarten sortierten Notenfächer, hier Etueden, dort Vortragsstücke, hier Klassiker, dort Lieder, da Arien, Klavierauszüge, Partituren, Weihnachtsmusik, hier Mozartdort Beethoven, hier Geige, dort Klavier. Operetten und leichte Musik. Täglich sind hunderte Wünsche zu erfüllen und der Verkäufer muss ganz genau wissen, wo alles zu finden ist. Ein anderes Geschäft dieser Art befand sich am Zwingerplatz in unmittelbarer Nähe des Stadttheaters. Es war gleichzeitig bekannt als Konzertdirektion RICHARD HOPPE. Auch hier gab es den vorbildlichen Kundendienst. Denn lie- (Forts. v. S. 13) WIRKUNG DER VERGANGENHEIT Wie manches haben die letzten Jahre umgestaltet, denkt man, wenn sich die Fahrt kreuz und quer durch die Stadt ihrem Abschluss nähert. Das Leben der Juden hat einen engeren Rahmen bekommen, ihre Zahl geht zurück, die Jugend wandert ab; und auch Breslau spürt diese Entwicklung empfindlich. Was aber an geistigen und wirtschaftlichen Werten geschaffen wurde, welche führende Menschen Breslau hervorbrachte, kurzum: was einst gewesen, sollte man über gegenwärtigem Schicksal nicht vergessen. Geblieben ist Breslau jedenfalls bis auf den heutigen Tag eine Kraftquelle jüdischen Lebens, auf die das Judentum Deutschlands mit Stolz blicken darf. benswürdige Bedienung ist ja stets die beste Visitenkarte für ein Geschäft gewesen. — Gegenüber dem Kaiser Wilhelm Denkmal gab es die solide Musikalienhandlung von C. BECHER — sehr korrekt, sehr gediegen und konservativ geführt von Vater und Tochter, bis 1921. Ein kleiner Chor-Verlag war angeschlossen. Auch hier traf sich alles, was Rang und Namen im Stadttheater oder im Breslauer Musikleben hatte, hier wurde über Aufführungen geplaudert, über die Premiere dieser und jener Oper, ob die Stimme des Tenors X nach vorne oder hinten gerutscht sei, ob der Kapellmeister die Sache zu leicht genommen habe — gemeint war natürlich die Ouvertuere — und dergleichen eminent wichtige Dinge mehr! Hierher kamen PRÜWER mit der VERHUNK, die NEISCH mit der LOEBINGER, der WITTEKOPF, die MAC GREW, der TROSTORFF, der GÜNTER-BRAUN, manche charmante “Rosalinde” besorgte sich bei C. BECHER “ihren” Czardas, manche koloraturenlachende “Adele” fragte nach “Mein Herr Marquis“... und einmal war, wie der alte Herr Becher erzählte, eine Diskussion — wie auch anderwärts — darüber, ob in Strauss’ “SALOME” eine Bank auf der Bühne stehen müsse, damit die Verhunk vor dem Auftritt des Herodes sich hier malerisch placieren könne, während das sinfonische Zwischenspiel erklingt. Obwohl diese .banktechnische’ Angelegenheit aus dem Dekorationsplan nicht ersichtlich war, waren die Ansichten der Regisseure darüber sehr geteilt. Natürlich wurde manches Dienstmädchen —■ so hiess die “Raumkosmetikerin” damals — nach dem Textbuch “Salome” (mit Betonung auf dem o) geschickt, oder dem von ,Boka-Kio’ (Ton auf ,i’) — gemeint war “Boccaccio” — aber wer soll das aussprechen können! Trotzdem bekamen sie das Richtige. — Auch Kapellmeister SEIDELMANN erschien und heiter wie heute noch, FRANZ MARSZALEK, von dem Robert Stolz kürzlich erzählte, dass er einer der besten Operettendirigenten sei. Er machte schon damals aus einer Operette ein wahres Kunstwerk. Und Maestro PEPI ROSENBERG, dem die jungen Dinger nach jeder Operettenpremiere die Pferde vom Schlitten ausspannten! Bei BECHER stellte man auch Programme für Konzerte zusammen, für Tanzabende, und manche Primaballerina kaufte sich den Auszug zur PUPPENFEE (von Bayer). Die Notenschreiber lieferten ihre saubere Arbeit ab, manchmal waren es Transpositionen von Liedern oder Arien, also vom Original abweichend, höher oder tiefer gelegte Stimmen. Eigentlich sollte man das nicht machen, sozusagen die Klangfarbe der Tonart ändern! Dann fehlten im Laden nicht die Gesangspädagogen, die Klavierlehrer, AUERBACH, KINKELDEY, Prof. DOHRN, die Kritiker MITTMANN, PLÜDDEMANN, SCHNEIDER, FLUEGEL, BOHN, der Kontrapunktiker RIEMEN¬ SCHNEIDER, der Flötenvirtuose ERNST TSCHIR- NER mit seiner liebreizenden Tochter, Prof. MATZKE, damals bereits eine bedeutende Persönlichkeit auf seinem Gebiet, fragte nach Werken über musikalische Technologie oder Akustik. Die Kantoren GULBINS und THOMALE waren ständige Gäste in diesem kultivierten Geschäft, das, wie gesagt, auch eine Musikalienleihanstalt mit seltenen Klavierauszügen zur Verfügung stellte. Man kann nicht alle Käufer aufzählen, aber die Notenbestellungen erfolgten aus ganz Schlesien und darüber hinaus. Und die Gespräche im Musikalienladen drehten sich damals um ganz andere Dinge wie heute, wo man über den Unterschied in der Interpretation einer Longplayplatte eines und desselben Werkes redet und die Aufnahme analysiert. Im Sinne wie heute gab es ja damals die Schallplatte nicht Was etwa nicht am Lager war — es kann ja bei den vielen und ständigen Neuerscheinungen nie alles vorrätig sein — wurde durch “Bücherzettel” in Leipzig, der einstigen Zentrale des Buch- und Musikalienhandels beim zuständigen Kommissionär bestellt und war am zweiten Tage lieferbar. Welch vorbildliche Institution! Nun zu den übrigen Breslauern Musikalienhändlern. Ein solches Geschäft gab es auch in der Königstrasse, Firma Offhaus-Weiss. Spezialität waren Humoristika für heitere Stunden, für den Fasching und Vortragsstücke für Festlichkeiten. Das ganze Fenster war mit Chansons und Couplets von OTTO REUTER und Kabarettisten beklebt. — Gern erinnert man sich an den liebenswürdigen Herrn BARTHEL, Inhaber des Musik- und Verlagssortiment F. W. GLEIS in der AltbUs- I serstrasse — Ecke Ohlauerstr. | Und Herr MÜLLER in Firma LEUCKART, Albrechtstrasse führte ebenfalls ein gut assortiertes Notenlager. — Auf der Nicolaistrasse hatten zwei Damen SCHOLZ ein Musikaliengeschäft, das sie jahrelang ausreichend ernährte. Ihr Bruder war ein bekannter Schauspieler. Das Sortiment von MICHAELIS zierte, nahe der Neuen Schweidnitzerstrasse, die Gartenstrasse, und Blücherplatz sowie auf der Weidenstrasse versuchten sich jüngere Kräfte in diesem Fach. Ausserdem gab es am Ring ein Musikinstrumentengeschäft von SACKUR, das auch Musiknoten führte und schliesslich waren in den Warenräusern BARASCH am Ring und MESSOW in der Schmiedebrücke nebenbei Noten (leichte Musik) zu bekommen. Alle diese Fachgeschäfte hatten vorgeschriebene Einheitspreise, sie waren organisiert im “KREISVEREIN SCHLESIEN DES VERBANDES DER DEUTSCHEN MUSIKALIENHÄNDLER IN 1 LEIPZIG”. Sie repräsentierten in ihrer Art das damals blühende Breslauer Musikleben. Denn ihre Inhaber konnten fast als Musikwissenschaftler gelten. Julius Sachs 1 JAEL — VOLONTÄR — FRAUENVEREINIGUNG zur Hilfe der Kranken nimmt noch ehrenamtliche Mitarbeiterrinnen für die Hospitäler Ichilow und Kirja auf. Meldungen baldigst persönlich im Ichilow Krankenhaus bei JAEL. summa* 4 SHEINKIN 4 l’pj’LU Druck.: NAOT Ltd., Tel-Aviv, Wolfson 48.

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