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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981), Nachtrag · p. [Seite]

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981), Nachtrag
Date
1981-01-01
Page
[Seite] (sequence 2627)
Language
German
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DIE FAMILIE TIETZ UND DIE Rührige Propagandisten haben in Deutschland erkannt, dass man mit Nostalgie und Erinnerungen Geschäfte machen kann und Reklame. Wer laut verkündet, dass ein Geschäft hundert Jahre besteht, erweckt im Käufer das Gefühl des Vertrauens: in einem Laden, in dem schon vier Generationen kaufen, kann man weiter Kunde bleiben. Die ‘Kaufhof A. G.’, wie die Firma seit 1953 heisst, verkündet stolz ihr hundertjähriges Bestehen, wobei sie die Entwicklung verschämt verschweigt, — oder vorsichtig übergeht. Wir nehmen nicht an, dass es in Unwissenheit geschieht, — so dumm sind ja die leitenden Persönlichkeiten des Konzerns nicht, — sondern dass es ihnen angebracht erscheint, aus werbetechnischen Gründen, und um die sogenannte Kontinuierlichkeit nicht zu unterbrechen, den Umbruch in der Mitte der Entwicklung 1933, schweigend zu übergehen. Alles das, was man nicht aussagt, kann einem nicht als Fehler angekreidet werden, schliesslich besteht die Kaufhof-Gruppe nicht seit hundert Jahren, — heute gehört die ‘Kaufhalle’ und andere Unternehmungen zum Konzern, sie hat im Jahre 1933 die Geschäfte der Familie Leonard Tietz übernommen, damals nicht nur die Gründerfamilie herausgeworfen, sondern ist damals bewusst nicht als Nachfolger aufgetreten, wobei, wie das oft in Handelskreisen üblich ist, der Firmenname erhalten bleibt, sondern sich als ‘Westdeutsche Kaufhof A. G.’ in Köln etabliert, während aus den Geschäften des Hermann Tietz Konzerns, Berlin, die ‘Hertie’ wurde, einem Titel, indem mindestens der Name des Gründers anklingt, und Neugierige anregt, zu fragen, was denn die Abkürzung zu bedeuten hat, wie sie entstanden ist. Wer nur ein knappe Skizze über die Entwicklung der deutschen Warenhäuser geben will, muss die Geschichte der beiden Gruppen zusammenfassen. Es war einmal, dies mal beginnt kein Märchen sondern zwei Erfolgstories, eine Familie Tietz in Birnbaum, in der Provinz Posen. Ein Sohn Leonard, geb. 1849, wird nach Prenzlau in der Ukermark in die kaufmännische Lehre geschickt, dann ‘konditionierte’ er, er war in kleineren Geschäften in kleinen Orten als ‘Kommis’, als Angestellter, tätig, die gewöhnlich im Hause des Händlers lebten, an seinem Tisch assen, und wenn das Glück ihnen hold war, einheirateten. Leonard eröffnete im Jahre 1879 in Stralsund ein Manufaktur- und Weisswarengeschäft, — die kleinen Läden waren eigentlich die Vorläufer der Warenhäuser der grossen Städte, denn sie führten alles ausser Lebensmittel, vom Schnürsenkel bis zur Arbeitskleidung, insbesondere Stoffe zum Selbstschneidern. Das ist das Datum an das der Warenhauskonzern heute einhakt. Nach Westdeutschland kam Leonard zehn Jahre später, er eröffnete ein Geschäft in Elberfeld, 1889, dem heutigen Wuppertal, und 1891 in Köln, das schon grossstädtischen Charakter hatte, und wo 1914 ein grosser, moderner Warenhausbäu eröffnet werden konnte, damit wird Köln zum Stammsitz der Firma, die 1905 zur Aktiengesellschaft umgestaltet wurde, er nahm seine Schwager Max Baumann, 1868, Birnbaum — 1941, und Sally Baumann, in die Betriebsleitung. Leonard verschied im Janre 1914, sein Sohn Alfred, in Stralsund 1893 geboren, verstorben 1941 in Jerusalem, wird 1920 Generaldirektor des Konzerns, der damals schon in vielen Orten Westdeutschlands Filialen hatte, von ihm ging die Idee der Redakteur: ERICH LEWIN Druck: “OT”, Tel-Aviv, Wolfson Str. 48 Tel. 373784 DEUTSCHEN WARENHAEUSER Einheitspreisläden, Ehape, 1925 aus, die — heute zu selbständigen Warenhäusern geworden — unter dem Namen Kaufhalle firmieren, und in manchen 'Orten als Konkurrenz zum Kaufhof auf treten, dem Konzern, dem beide Gruppen angehören. Der jüngere Bruder, Oskar, 1858—1923, kam im Jahre 1881 als junger Mann nach Gera in Thüringen, wo er zusammen mit seinem Onkel Hermann, dem Namens- und scheinbaren Geldgeber, ein Schnittwarengeschäft eröffnete. Beide Brüder nutzen die Möglichkeiten aus, durch grössere Einkäufe billige Abschlüsse zu betätigen, und dadurch billige Angebote auf den Markt zu bringen. 1889, in dem gleichen Jahr, in dem Leonard nach Elberfeld geht, eröffnet Oskar in München ein Geschäft, das 1894 zum Warenhaus wurde. Nach einigen weiteren Geschäftsgründungen in Süddeutschland erreicht die Firma Hermann Tietz, dahinter steht Oskar, denn der Onkel hat sich aus Gesundheitsgründen zurückgezogen, dass sie in Berlin in der Leipziger Strasse den ersten modernen Warenhausbau einweihen kann, in der gleichen Strasse war dann auch die Konkurrenz, Wertheim, was die Berliner mit dem Spruch quittierten, ‘Wer bei Tietz kauft, bringt nichts von Wertheim’, aber beiden Geschäften die Treue hielt. (Heute gehört dem Hertie Konzern 51% der Anteile von Wertheim). — Nach dem Tode des Gründers, Oskar, 1923, übernahmen seine Söhne Georg und Martin, und der Schwiegersohn, Dr. Hugo Zwillenberg, die Leitung des Konzerns, sie konnten die fünf Warenhäuser der Jandorf-Gruppe erwerben und das Kadewe, das Kaufhaus des Westens, das noch immer' zu den grössten Warenhäusern der Welt gehört, bis sie 1934 unsanft ausgebotet wurden. Die deutschsprachigen Nachschlagswerke sind sehr zurückhaltend mit dem Namen Tietz. Der Grosse Brockhaus erwähnt unter dem Stichwort Kaufhof das 1879 von Leonard Tietz gegründete Warenhaus, das 1905 zur Leonard Tietz A. G. wurde, 1933 Westdeutsche Kaufhof A. G. und 1953 Kaufhof A. G., während Meyers Enzyklopädisches . Lexikon, 25 Bände, den ‘Kaufhof A. G., Einzelhandelsfilialunternehmen, gegründet 1879, Sitz Köln’, abfertigt, ohne den Namen des Gründers zu erwähnen. Juristisch ist die Aussage keine Unwahrheit, nur, scheinbar in voller Absicht, ungenau, denn der junge Leser muss glauben, dass das Gründungsjahr des Kaufhofes 1879 war und der Ort Köln, — es kommt also darauf an, welches Lexikon man nachschlägt. Es waren die Mitglieder der Familie Tietz, Leonard, Hermann und Oskar, die vor knapp hundert Jahren, mit der Entwicklung des jungen deutschen Reiches, dem Kleinhandel in Deutschland neue Wege wiesen, die sich in Amerika eingebürgert hatten, durch Grosseinkäufe die Gestehungspreise zu drücken, und durch Einsparung der Kosten, dadurch ,dass man viele Artikel im gleichen Geschäft anbot, und sich mit kleinster Verdienstspanne zufrieden gab, den Umsatz zu vergrössern, und damit wieder den Gesamtverdienst. Wenn es gelingt, genügend Käufer anzuziehen, dass die Gesamtbilanz positiv ausfällt, — und daran liegt die Weisheit eines tjichtigen Händlers, nicht durch übertriebene Verdienste an wenigen Kunden sich zu bereichern sondern durch Vergrösserung des Gesamtumsatzes. H. W. Goldstein Walter B. Goldstein 1000 JAHRE WIEN Verlag J. G. Bläschke Der Verfasser disees hochinteressanten Werkes gibt eine Legende der Dynastie in Österreich, er beschreibt die politische Linie der Habsburger von Guntram bis Karl I. An Hand von 30 Literaturnachweisen zeichnet er das politische Bild der Habsburger in so eingehender Form, wie es wohl kaum jemand zuvor dargestellt hat. Hier ist auch ein überblick über die Entstehung der Stadt Wien entstanden, wie er wohl eingehender nicht existiert. Einen breiten Raum nimmt in dem Buch die starke Persönlichkeit Maria Theresias ein. Neben ihn erscheinen die männlichen Regenten Österreichs kleiner und weniger interessant. Die Kulturgeschichte des Landes der Habsburger ist ebenfalls ein Schwerpunkt, der dazu anregt, sich eingehend mit der Geschichte Österreichs zu beschäftigen. Klar ist der ganze Stoff in Goldsteins Buch behandelt. Ludwig Hollweck: ALT-MUENCHNER RARITAETEN (Heft 5) Verlag Wilh. Unverhaus, München 1981 Von Julius SACHS Ein solcher Ur-MÜnchner, wie es Ludwig Hollwcck ist, geht natürlich auch an alten Tänzen der Faschigszeit nicht vorbei. So hat er Sich in obiger Schrift des Schäfflertanzes und des Metzgersprunges angenommen. Eine nicht geahnte Renaissance erfahren diese Titel, die bereits 1865 in München ausführlich durch Anton MAYER beleuchtet worden waren. Den Anstoss zum Schäfflertanz gab die in München 1517 grassierende Pest, der ein Drittel der Münchner Bevölkerung zum Opfer fiel. Man musste also Bich etwas einfallen lassen und finden um die deprimierte Stimmung der Bevölkerung zu erheitern. Die Zunft der Schäffler war damals die erste Organisation, die mit klingendem Spiel, in farbfrohen Gewändern und figurenreichem Tanz durch München zog, um die gedrückte Einstellung der Eewohner vergessen zu machen. Es existiert ein Werk von G. KAPFHAMMER (Hugendübel, München 1976), in dem archivmässig festgelegt ist, dass der Tanz 1702 erwähnt, dass er 1782 in der Literatur und seit 1795 in Münchner Tageszeitungen nachgewiesen wurde. Alle 7 Jahre wurde dieser Tanz in der Faschingszeit in traditioneller Form vorgeführt. Man begann einige Wochen vor dem Fasching mit der Einstudierung. Auch die Kleidung war traditionell vorgeschieben. Typisch münchnerisch war der Tetxt zu einer bestimmten Melodie: „Aba heid is koid, aba heid is koid, aba heid is sakramentisch koid“. Es wurden 9 Figuren getanzt. U.a.: „Der grosse Achter“, „Sommerhaus“, „Bogenkette“ u. „Krone". Schwierig war das Reifenschwingen während des Tanzes. Ein Hanswurst, eine Bauernfrau, die nach der Pest als erste wieder Eier in die Stadt bringt, gehörten als Spasmacher zum Spiel. Der Hanswurst verteilt Busserln an die Dirndln, was diese höchlist erfreut. Auch die Metzger-Lehrbuben hatten seit 1517 ihren Zunft-Tanz, den Metzgersprung, der oft vorgeführt wurde. Wie das alles vor sich ging, beschreibt Ludwig Hollweck so genau, als ob er selber da mitgetanzt hätte. Die Münchner werden viel Freude an dem Büchlein haben, das stilvoll ausgestattet ist. Also: gehupft wie gesprungen — lesen Sie selbst!

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