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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 21

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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Der „Einsatzlab Rosenberg“ befasste sich mit der Verwertung Jüdischer Kultgegenstände, wie: Kidduschbecher, Schabbat-Leuchter, silberne Kronen von Thora-Roilen und ähnlichen Wertgegenständen. Vor Abfassung dieses Artikels nahm ich Gelegenheit in der Universitäts-Bibliothek in Jerusalem mir etwa 50 Sidüurim mit deutscher Übersetzung anzusehen, die in Rödelheim, Wien, Frankfurt, Pressburg una anderen Städten erschienen waren. Zu meiner grössten Überraschung musste ich feststellen, dass von diesen nur 2 eine wörtliche Übersetzung — das heisst das Wort „Rache“ brachten. — Die anderen übersetzten mit „Vergeltung“ und andere Variationen, was eine bewusste Abschwächung des Wortsinnes bedeutet Da wurde mir bewusst, in welcher Gefahr ich damals im KZ geschwebt hatte. Der Siddur in der Hand des SS- Mannes brachte die wörtliche Übersetzung. Wäre es 1 Exemplar mit der Übersetzung „Vergeltung“ gewesen, hätte ich mich in den Augen des SS- Offiziers einer bewussten „Fälschung“ schuldig gemacht, und mit einer schweren Bestrafung rechnen müssen. NOCH EIN WORT ÜBER DAS GEBET „AV HARACHAMIM“ Dieses Gebet ist während der Kreuzzüge (11. Jahrhundert) entstanden. Blühende jüdische Gemeinden wie Mainz, Worms und andere wurden ausgerottet. Das Gebet wurde seit dieser Zeit ein Integraler Bestandteil der jüdischen Liturgie. Nur an Schabbalot, an dem das Gebet für die Neumondsweihe gesagt wird, sowie im ganzen Monat Nissan, wird kein „Av Harachamim“ gesagt. Wie mir Herr Lewin mitteilt, wurde das Gebet „Av Karachammi“ laut besonderer Gebetsordnung in der Storch- Synagoge in Breslau aus der Liturgie herausgenommen, ein bedauerliches Zeichen der Assimilation oder vielleicht auch eine Konzession an den aufsteigenden Antisemitismus. In dem Braut-Siddur meiner Frau, der von Rabbiner Mannheimer überetzt wurde und im Verlag Schlesinger, Wien, im Jahre 1891 erschien, fehlt das „Av Harachamim" vollständig. Es wäre interessant von den Lesern unserer Zeitung zu hören, wann und ob das „Av Harachamim“ in ihren Gemeinden gesagt wurde. UND NOCH EIN WORT ÜBER RACHE UND VERGELTUNG Wie bereits am Anfang dieses Artikels erwähnt, war der offizielle Name des Pogroms am 9. November „Vergeltungsaktion“. Nach dem Kriege entstand die neugeformte Bezeichnung „Kristallnacht“. Das ist eine bewusste Vernied.ichung des Fogrems. Und bedauerlicherweise ist diese Bezeichnung auch von der- Israel-Fresse, vom Radio und Television übernommen worden, „Leil Ha-bedolach“. Da gefällt mir trotz aller Gegnerschaft zur Nazi-Terminologie das Wort „Vergeltungsaktion“ schon besser. Bei Kristallnacht wird die Jugend denken, es wären eine paar Fensterscheiben zerbrochen Wenn diese Jugendlichen das Wort „Vergeltung“ hören, werden sie fragen, was denn vergolten wurde und man wird Ihnen sagen: Weil ein unreifer junger Jude einen Beamten der deutschen Gesandtschaft erschossen hat, wurden hunderte. Synagogen verbrannt oder zerstört, jüdisches Eigentum geplündert, 10. Tausende ins KZ gebracht und eine Steuer von 6 Milliarden erhoben. Doch welch em fundamentaler Unterschied ist die jüdische Auffassung von Rache und Vergeltung. Bel den Nazis heisst „Vergeltung“ persönliche Rache, Mord und Plünderung. In der jüdischen Auffassung, im „Av Harachamim“-Gebet ist zwar von Rache die Rede, aber diese wird nicht dem Einzelnen, sondern dem Allmächtigen überlassen. Und im letzten Jahrhundert wandelt man das Wort Rache in Vergeltung um. Heute, wo in Deutschland und anderen europäischen Ländern die Tendenz besteht den Holocaust in Vergessenheit zu bringen, bereits eine Unmenge von Publikationen herausgekommen sind, Auschwitz wäre eine zionistische Erfindung, Ist es an der Zelt zu erinnern, was bereits in unserer Thora deutlich zum Ausdruck gebracht wurde: „Gedenke, was Dir Amalek angetan... Du sollst nicht vergessen“. Warum ich jetzt — nach 43 Jahren — auf diese Vorfälle zurückkomme, hat folgenden Grund. Vor Kurzem sah ich den Braut-Siddur meiner M.OjipmSi-tn dvl. C Kapp* *r rf*r. Lftprjf ■yha hx )tv Vfcui“ v&k\ tnViuV -oV i J.V.V4 Frau und bemerkte, dass der Einband locker und einige Seiten lose waren. Ich übergab das Gebetbuch meinem Buchbinder, und Jetzt sieht der ßiddur wieder wie neu aus. Möge es meiner Frau vergönnt sein, noch viele, viele Jahre aus ihm zu beten. (Der Abdruck dieses Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion der Tageszeitung „Israel Nachrichten“, Tel Aviv). F. Finczowcr EINE BERICHTIGUNG MIT EINEM HAPPY END Ich freue mich in der Lage zu sein, einen Punkt über das Schicksal des Braut-Slddurs meiner Mutter — Ihr Andenken sei zum Segen — richtig zu stellen. Meine Vermutung, dass sie diesen Siddur nach Theresienstadt mitgenommen hat, entspricht nicht den Tatsachen. Der Siddur wurde anlässlich der Hochzeit meines Bruders Jakob, der heute in New York lebt, meiner Schwägerin Kaethe geb. Leopold — vielen ehemaligen Frankfurtern aus Ihrer Tätigkeit als Gymnastiklehrerin an der „Samson Raphael Hirsch Schule“ bekannt — in Jahre 1938 geschenkt. Es war wohl der Wunsch meiner Mutter — sie ruhe in Frieden —, dass der Siddur ln der Familie bleiben sollte. Vor kurzem, am 25. August fand die Hochzeit meiner Enkelin Tali Langerman mit Herrn Jitzebak Misrachi statt, und zu diesem Zweck kam mein Bruder mit seinen Frau nach Jerusalem. L':r Siddur wurde meiner Enkelin mit dem Bemerken — es sei der Brautsiddur ihrer Urgrossmuiter übergeben, und damit ist das Verbleiben des Siddu,-s in der Familie gesichert. Noch ein paar Worte über den Siddur. Er wurde im Jahre 1876 gedruckt; erschien im Verlag J. Kaufmann Frankfurt a M., hat einen Einband aus blauem Samt mit vergoldeten Metalleeken in Form einer Schleife, ferner Goldschnitt an allen 3 Selten und die übliche vergoldete Metallschliesse. Aber besonders hervorzuheben ist, dass dieser Siddur die wörtliche Übersetzung des „Av Harachamim“, bringt über die im Laufe dieses Artikels bereits ausführlich berichtet wurde und zwar: „Möge der Ewige Ihrer zum Guten gedenken und an den Feinden rächen das vergossene Blut seiner Diener“. Aber das Interessanteste an dem Siddur ist der auf der l. Seite befind Iche Kupferstich des bekannten Jüdischen Malers Franz Oppenheim, der in Frankfurt längere Zeit lebte und dort 1882 starb. Ein Bild, das die um Kindersegen betende Chonuah mit dem Hohepriester Eli im Tempel, der damals ln Schilo war, darstellt. Unter dem Bild befindet sich der Bibelvers aus dem I. Buche Samuel Kapitel 1: „Le’chi le-Schalom ve-Elaukei Israel jlteln et Sche’eiloteich“ (Vers 17): „Gehe ln Frieden und der Ewige ln Israel wird deine Bitte erfüllen“. Kann man einer Jungen Braut etwas Schöneres wünschen? Dieses Kapitel, welches einer der schönsten Erzählungen der Bibel darsteht, wird jedes Jahr am L Tag Rösch Haschanah als .Maftir vorgelesen. 21

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