Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1979
- Issue
- No. 45 (April-Mai 1979)
- Date
- 1979-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich lenkte mal als Fahrgast eine Strassenbahn Es war vor über 70 Jahren — ich ging noch in Breslau zur Schule — vielmehr ich fuhr vom Christophori Platz bis zur Lehmgrubenstrase. Also ins Elisabethgymnasium in der Malteserstrasse. Mein grösster Wunsch damals war es, Strassenbahndirektor zu werden, so wie Direktor Kolle oder Direktor Kellner, also eine Ingenieurprüfung zu machen. Mein Stehsitz in der Strassenbahn war immer vorn beim Wagenführer. Mit mehreren dieser Herren kam man zufällig ins Gespräch, man freundete sich an. Unter Anderem guckte ich ihnen die Bremserei ab, resp. liess mir diese geheimnisvolle „Manipulation" erklären. Die Kurbel der Bremse, die der Fahrer in der linken Hand hielt, lief wie der Zeiger einer Uhr. „Also, Junge", sagte mir mein Freund, der Wagenlenker Klinger: „wennste hier wie bei ner Uhr an der 6 die Kurbel vom Metallknopf ab bis über die 9 drehst, steht der Wagen noch sozusagen ohne Strom, vor dem Anfahren. Drehste aber weiter über 9 hinaus, läuft die Karre immer schneller. Biste bei der 6 mit der Kurbel an der anderen Seite des Metallknopfes, ist das die höchste Geschwindigkeit. Wennste wieder langsam fahren oder halten willst, da musste — lass mich a mol sprechen — nur die Kurbel zurückdrehen, so als ob der Uhrzeiger rückwärts läuft. Biste wieder bei der 6, hält der Wagen an. Dort is also ein metallener Knopf und über den kannste die Kurbel nicht rüberdrehen". Einmal liess mich der Klinger an der Endstation Lehmgrubenstrasse die offenen Anhängewagen einrangieren. Die Kurbel war für mich damals Dreizehnjährigen ziemlich schwer zu drehen, aber es klappte. „Mit der rechten Hand führet du die Handbremse. Wenn der Wagen an der Haltestelle noch nicht ganz stille steht, drehste diese Bremse, die zu einem Bremsklotz an den Rädern führt, diese sofort zum Halten bringend. (Im Leben ist es besser, kein Bremsklotz zu sein!). Bei Regen oder Schnee, wenn der Wagen nicht gleich anhält, streuste Sand auf das Gleis. Dann gleitet oder rutscht der Wagen nicht weiter. Nur soll man sich nicht im Leben gegenseitig Sand in die Augen streuen. Siehste, Junge, selbst die elektrische Bahn hat ihre eigene Philosophie“. Das, was hier geschildert wurde, ist wohl für viele der werten Leser recht uninteressant gewesen. Was geht den Fahrgast die Bremse an! Er will nur schnell am Ziel sein. Im Jahre der Jahrhundertfeier in Breslau war mein Ziel die Jahrhunderthalle, wo eine Veranstaltung stattfinden sollte. Ich fuhr in Begleitung einer netten Breslauerin vom Ring auf der Linie nach Grueneiche. Der Wagen fuhr mit 2 offnen Anhängern, alle 3 Wagen waren knackend voll und die Kondukteure — so nannte man damals die Schaffner — baten zur Kasse. Wir fanden nur auf dem Vorderperron des geschlossenen Vorderwagens, eingekeilt, Platz. Die Bahn, Richtung Scheitnig, bog schon ln die Scheitniger Strasse ein, als unserem Wagenführer plötzlich schlecht wurde und er nach hinten fiel. Er konnte nicht mehr stehen. Keiner der Schaffner hatte den Unfall bemerkt, sie waren voll beschäftigt, die Bahn fuhr allein weiter. Einige der Fahrgäste auf der Platform schrieen. Da erinnerte ich mich, dass ich ja die Bremse mal früher „studiert“ hatte. Ich nahm die Kurbel, wie ein „Gelernter" in die Hand, hielt wunschgemäss an den letzten Haltestellen auf der Tiergartenstrasse. Auf dieser war noch je eine Kletterweiche zu „umsegeln", dJh., an einer Baustelle musste der Strassenbahnzug aufs linke Gleis. Auch dieser Schwierigkeit wurde man Herr. Immer hatte ich den zweiten Anhängewagen im Sinn. Ich fuhr langsam, bis ich glaubte, ihn über die schwierige Gleisstelle herüber gebracht zu haben. Ich passte auf, wie ein Babysitter auf das Kind. Das nur nichts daneben ging! Ich meine den Wagen, dass er nicht aus der Schiene sprang. Nun lotste ich den Wagenzug bis zur Haltestelle „Zoologischer Garten“, wo einige Beamte der Strassenbahn zustiegen und mich also ablösten. Man nahm sich auch des Erkrankten gleich an und bedankte sich sehr für mein „Einspringen“. Bei der zweigleisigen Strecke dieser Linie wäre ein Stillstand vieler Wagenzüge in dieser Stosszeit unvermeidlich gewesen, hätte ich nicht die Sache, in diesem Falle die Bremskurbel, in die Hand genommen. Jedenfalls habe ich die Sache damals ins Rollen gebracht. Es war der Wagen 251 der auf dieser Linie fuhr. Daran ist nicht zu rütteln, obwohl man auf den z.T. alten Gleisen sehr durchgerüttelt wurde. — Man muss sich nur auf den „Dreh“ verstehen. Ich meine nur den mit der Bremskurbel! Gekonnt ist gekonnt! Julius Sachs Eine interessante Briefsammlung Von Nora HAUBEN Vor Jahren legte ich mir ein interessantes Hobby zu, um eine Interpretin der Interessen Israels in aller Welt zu sein. Ich erhielt Briefe us.: vom König von Schweden, von Dichtern von Rang und Klang, und von Persönlichkeiten von grossem geistigen Format. Diese Brief Sammlung wurde vor einigen Jahren durch den Direktor des Ethnologischen Museums Prof. Dr. Dov Neu in Haifa ausgestellt, später im Tel-Aviver Moadon Prof. Klausner. Den ersten Brief in einer weltweiten Korrespondenz mit Grössen der Welt erhielt ich vom damaligen Premier David Ben Gurion. Ich wollte für unser Land auf eigenartige Weise werben, und es gelang mir auch. Nun hat diese Briefsammlung, auch als Hobby betrachtet, einen historischen Wert. Obwohl man die Handschrift grosser Männer als einen sichtbaren Niederschlag ihres Wesens hochhält, so ist doch das systematische Sammeln von Unterschriften erst vor 300 Jahren auf gekommen. Fachleute sprechen sogar vom erzieherischen Wert einer Briefsammlung. Was kann persönlicher, anregender und aufschlussreicher sein, als eigenhändiger Namenszug und Mitteilung von Trägern des Geistes und des Weltgeschehens. — Diesen Satz schrieb die Journalistin ALICE SCHWARZ über mich als sie vor Jahren die Ausstellung der Briefsammlung im Ethnologischen Museum in Haifa, besuchte. Um nur einige Namen aus meiner bunten weltumfäsenden Sammlung zu nennen: WINSTON CHURCHILL, Prof. ALBERT EINSTEIN, JAWAR- HALUL NEHRU, Dr. KONRAD ADENAUER, CHARLES DE' GAULLES (mit Handschrift), SCHANG-KAI SCHEK aus Formosa, der gews. Premier Kanadas LESTER PEARSON, ARNOLD ZWEIG, THOMAS MANN, BERTHOLD BRECHT, ARTHUR KOESTLER, ERICH KAESTNER, LYN¬ DON JOHNSON schrieb Worte der Sympathie für Israel und sandte sein Bild. Ebenso schrieb der ehemalige amerikanische Präsident HARRY TRU- MAN: „Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, dass Israel den Frieden erleben möge und der Krieg für alle Zeiten gebannt wird". Weiteres sandten persönlich geschriebene Briefe die damalige Witwe JACKLINE KENNEDY, der Astronaut JOHN GLENN, MARSCHALL TITO — schrieb eigenhändig und legte dem Brief noch einige Marken bei. Ebenso schrieben NEIL ARMSTRONG und EDWIN ALDRIN und sandte ausser ihren Briefen noch Fotos und ein Bild, das sie beide auf dem Mond zeigt. Ferner die Maler MARC CHAGALL und MANE KATZ, der am Kopf des Briefes ein jüdisches Motiv zeichnete. Interessante Briefe sandten ALBERT SCHWEI¬ ZER, der grosse Humanist, CHARLES CHAPLIN, SOFIA LOREN, MARLENE DIETRICH — die ehemalige Kaiserin von Persien SORAYA, PABLO CA- SALS, BERTRAND RÜSSEL, NELLY SACHS, PRINZ PHILLIP aus dem Buckingham-Palast. WILLY BRANDT schrieb und sandte sein Bild. 1972 erhielt ich einen interessanten Brief von HEN¬ RY KISSINGER und sein Bild. Absender: „WHITE HOUSE“, ARTURO TOSKANINI, sandte sein Bild und eine Widmung, Erwähnenswert bleibt noch der selbstgeschrieben Brief der gews. Ministerpräsidentin Frau GOLDA MEIR, MOSCHE DAYAN, BEN- ZWI. Ein Brief von THEODOR HERZL aus dem Jahre 1901 mit eigenhändiger Unterschrift, befindet sich ebenfalls in meiner Sammlung (diesen Brief erhielt ich als Geschenk). Es ist eine anregende Sammlung und es erhebt mich über dem Alltag in unserer verworrenen Zeit. DER PENSIONÄR Mit geschlossenen Augen wie ein Schlafwandler am Rand, hat man ihn plötzlich versetzt in den ewigen Ruhestand. Angeprangert als lebenslänglicher Pensionär, bekommt er jetzt keine Arbeit mehr! Man fragt sich verwundert, warum diese Eile? weshalb diese Hast? Last ihn noch am Leben, gönnte ihm doch ein bischen Rast! Kann er mit 65 Jahren nicht mehr arbeiten gehen? Bei seiner Haltung, Aussehen und Benehmen? Doch die Gesellschaft will den freien Platz für die Jüngeren reservieren, deshalb scheint es zwecklos an ihre Vernunft zu appelieren! Das Leben ist sowieso voll Ärger und Verdruss, nur erinnert dieses Beispiel an einen stark besetzten Bus: Dort kann man es immer wieder von Neuem erleben, wie die Jüngeren auf ihren Plätzen „kleben“, nur die Älteren müssen auf ihren Füssen stehen...! Die Moral der Geschichte ist an der Hand, treibt den Pensionär nicht an den äussersten Rand! Gebt ihm mehr Jahre und eine Chance zur weiteren Aktivität, damit er nicht angewiesen ist auf des Jüngeren barmherzige Pietät...! Martin Gottreich, Jerusalem 30