Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1979
- Issue
- No. 45 (April-Mai 1979)
- Date
- 1979-04-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mentioned entities
- Otto Glagau 2× ep/1023589
- Arnold Zweig 1× ep/1009291
- Chaim Schatzker 1× ep/1043472
- Daniel Lessmann 1× ep/1003991
- Gertrud Kolmar 1× ep/1025260
- Hans Liebeschütz 1× ep/1018946
- Lion Feuchtwanger 1× ep/1005753
- Martin Buber 1× ep/1009258
- Max Brod 1× ep/1024844
- Shulamit Ṿolḳov 1× ep/1009554
- Wilhelm Marr 1× ep/1027190
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Year Book XXIII of Ihe Leo Baeck Institute Das 1955 gegründete Leo Baeck Institut gibt jährlich ein Year Book in englischer Sprache heraus und veröffentlicht laufend deutsch und englisch geschriebene Untersuchungen zur Geschichte der Juden in Deutschland. Das grösste wissenschaftliche Werk, das in wenigen Jahren geschaffen wurde, wird in akademischen Kreisn allgmein anerkannt. Weniger bekannt ist, dass die Jahrbücher Aufsätze enthalten, die auch den nicht-wissenschaftlichen Leser ansprechen. Auf einige solcher Beiträge des soeben erschienene Yeak Book XXIII möchte ich hinweisen. DIE EIGENART DES DEUTSCHEN ANTISEMITISMUS Die Historikerin an der Universität Tel Aviv, SHULAMIT VOLKOV, veröffentlicht ein Untersuchung über den Antisemitismus im kaiserlichen Deutschland aufgrund eigener Quellenforschung u. neuerer Untersuchungen von jüdischen und deutschen Gelehrten. Antisemitismus hat es in der christlichen Welt schon immer in verschiedenen Formen gegeben. Aber nur in Deutschland wurde er zu einer Weltanschauung, die alle Übel der Gesellschaft auf das Judentum zurückführt. Verschiedene Umstände haben dazu geführt. In Deutschland, das gegenüber den westlichen Ländern wirtschaftlich zurückgeblieben war, spielten die jüdischen Unternehmer eine relativ grössere Rolle als dort, besonders in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs seit den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts. Schon vorher waren jüdische Kaufleute und Intellektuelle von deutschen Schriftstellern als zynisch und wurzellos gezeichnet worden. Als nun durch die industriell-kapitalistische Entwicklung die Existenz eines grossen Teils des Mittelstandes bedroht und die traditionelle Handwerksmoral erschüttert wurden, erklärten antisemitische Agitatoren den Verfall der Gesellschaft und der Kultur durch „den Sieg des Judentums über das Germanentum“. Dies war der Titel des ersten Pamphlets von Wilhelm Marr. Da damals das gebildete Bürgertum noch liberal gesinnt war und gegen kirchliche Vorurteile ankämpfte, erfand Marr das Wort Antisemitismus, um so zu tun, als ob er „nicht die geringste Feinschaft gegen die Juden hege“ u. auf einem „konfessionslosen Standpunkt“ stehe, Unter diesem wissenschaftlich klingenden Wort konnte er seinem Judenhass freien Lauf lassen — und war damit enorm erfolgreich. Die grosse Wirtschaftskrise in den 70er Jahren schuf das Klima, in dem der Antisemitismus gedeihen konnte. Otto Glagau brachte in der weit verbreiteten Zeitschrift „Die Gartenlaube“ die Juden mit dem verhassten „Manchester“-Freihandel zusammen und versprach Wiederherstellung der alten Zion“, in Bne Brak wurde im Elul 5720 (1960) das Beth Hakneseth „KTHAL ADATH JESHURUN“ (in Erinnerung an das gleichnamige Gotteshaus der Hirsch-Breuer-Gemeinde in Frankfurt) feierlich eingeweiht. Petach Tikwah besitzt das schöne Beth Haknesseth „Mekor Chajim“ mit anschliessendem Beth Hamidrasch „Nachlath Se’ev“, letzteres in Erinnerung an die „Talmud Toräh“ in Köln. Und schliesslich noch die „Pressburger Schul“ in Giv'ath Shaul in Jeruschalajim. Ob noch weitere Synagogen in Erez Jisrael mit dem speziellen Hinweis auf die in der Gola zerstörten Betstätten errichtet wurden, ist mir leider nicht bekannt. Sollte einer der Leser dieser Zeitung etwas darüber wissen, lasse ich mich gern darüber belehren und glaube, dass Jeder Interessent mit mir einer Meinung ist. Joseph F. Eisenman, Bne Brak 42, Ezra-Strasse Secker & Warburg, London £ 9.00 Gesellschaft durch Befreiung aus der Herrschaft „einer fremden Rasse“. Seine Verkündung „die soziale Frage ist eine Judenfrage“, wurde von konservativen und mittelständischen Kreisen als „Patentmedizin“ und „soziale Weisheit", wie sie Hellmut von Gerlach nannte, aufgenommen. Der einflussreiche nationalistische Historiker Treitschke machte die antisemitische „Patentmedizin“ salonfähig. Die bleibende Kraft dieses Antisemitismus wurde unterschätzt, da er in der Politik zurückging. Zurecht hebt Schulamit Volkov hervor, dass der Antisemitismus in alle akademischen und bürgerSchen Vereinigungen bis in die kleinsten Heimatvereine eindrang. So wurde der Boden für das vorbereitet, was 60 Jahre später geschah. Mehrere Aufsätze ergänzen diese Untersuchung. Die von Enrst Keil gegründete u. redigierte „Gartenlaube“ stellte im allgemeinen die Juden als ehrenhaft und fleissig, wie christliche Bürger dar, wie HENRY WASSERMANN in seinem Beitrag zeigt. Nur einmal öffnete Keil die Spalten seiner angesehenen Zeitschrift in der Verwirrung der Gründerkrise Jenem Otto Glagau. Zu spät wurde er auf den Antisemitismus, welcher der politischen Linie seiner Zeitschrift widersprach, von Glagau aufmerksam. Der Schaden war geschehen. INGRID BELKE weist nach, dass führende liberale Politiker, welche die antisemitische Campagne als Waffe gegen ihren Liberalismus durchschauten, selbst nicht weit vom Antisemitismus entfernt waren und die „Germanisierung“ der Juden erstrebten. Von weiteren Untersuchungen zu diesem Thema seien genannt die von WERNER T. ANGRESS über die Judenzählung in der deutschen Armee im 1. Weltkrieg und die von UWE DIETRICH ADAM, einem deutschen Gelehrten, über die gradezu groteske Fahndung nach Mischlingen in der deutschen Verwaltung Ende 1944 zu einer Zeit, wo diese nur noch auf dem Papier existierte. MARTIN BUBER UND DIE JUGENDBEWEGUNG CHAIM SCHATZKER, Dozent an der hebräischen Universität Jerusalem, behandelt Bubers Einfluss auf die jüdische Jugendbewegung in Deutschland. Er gewann den überragenden Einfluss auf die zionistische und nichtzionistische Jugendbewegung, weil er ihr in der romantischen Sprache, die sie sprach, den Weg zum Judentum zeigte, von dem ihr Elternhaus zumeist schon entfremdet war. Buber stellte als die Schwäche des westlichen Judentums nicht die Assimilation heraus, sondern seine „Atomisierung“ und „Intellektualisierung". Deshalb strebte er nach Gemeinschaft, für die er im Chassidismus ein Vorbild sah. Aber an dem Problem, diese Idee in die Wirklichkeit umzusetzen, kam es zum Konflikt zwischen Buber und der Jugendbewegung, auch der ihm am hächsten stehenden Werkleute, die aus dem nichtzionistischen Bund der Kameraden bei dessen Spaltung 1929 hervorgingen. Buber wies den Anspruch von Hermann Gerson, einem ihrer Führer, seinen Bund mit der chassidischen Gemeinschaft zu vergleichen, zurück. Umgekehrt wurden Buber von verschiedenen Gruppen der Jugendbewegung „mystische Tagträume“ nachgesagt, teils noch in Deutschland, endgültig Palästina, wo die Werkleute sich der linken Kibbutzbewegung des Haschomer Hazair anschlossen. In dem Aufsatz fehlt ein Hinweis, dass Buber selbst seine Romantik überwand — ein Hinweis, der um so nötiger wäre, als Buber heute noch seinen Ruhm mehr seinen frühen mystischen Schriften verdankt als seinen späteren, in denen der Gedanke der Offenbarung die mystischen Elemente zurückdrängt. Die tragikomische Rolle des Bundes „Schwarzes Fähnlein“, der rechten Absplitterung von den Kameraden wird von CARL J. RHEINS erzählt. Einer ihrer Führer bot Hitler im April 1933 an, Junge Juden „in die Einrichtungen der Wehrmacht, der Jugendertüchtigung, der Wehrhaftmachung und des Arbeitsdienstes“ einzugliedern. JÜDISCH-DEUTSCHE DICHTER Etwa ein Drittel des Year Book XXIII nehmen Abhandlungen über deutsch-jüdische Dichter ein. Aus der Fülle des Materials greife ich zwei heraus. HELEN MILFULL setzt sich mit den verschiedenen jüdischen Interpretationen von Kafka auseinander. Sie sieht in Kafkas jüdischer Haltung die des modernen Menschen überhaupt, bei der „negative“ und „positive“ Elemente dialektisch verknüpft sind. Einerseits hat er den Kontakt mit Gott verloren und steht dem „Nichts“ gegenüber. Andrerseits spürt er, was Kafka „dies Durchscheinen des Ewigen durch die irdischen Formen“ nennt. MARGARITA PAZI geht der Frage nach, warum von den beiden zionistischen Dichtern deutscher Zunge, die nach Palästina gingen, Arnold Zweig nach Ostdeutschland zurückkehrte und Max Brod im Lande blieb. Jener war nicht bereit, seinen Lebensstandard aufzugeben, wie er selbst 1934 in einem Brief zugab, und glaubte, nur in einer deutschsprachigen Atmosphäre schaffen zu können. Jedoch zweifelt die Verfasserin, ob er in Ostberlin die Umgebung fand, die er suchte. Denn sein Werk kam dort zuende. Nach dem Sechs-Tage.Krieg 1967 weigerte er sich, eine Erklärung zu unterschreiben, die Israel verurteilt. Dagegen war Brod Jüdisch mehr verwurzelt. Deshalb störten ihn nicht die engen Verhältnisse des Landes. Weitere Beiträge betrachten das jüdische Element im Werk von Lion Feuchtwanger, die deutschjüdischen Schriftsteller in Prag, die „seelische Kraft“ von Gertrud Kolmar bis zu ihrer Verschlkkung nach Auschwitz, Daniel Lessmann, den ersten Dichter jüdischer Herkunft, der Selbstmord verübte (in der 30er Jahren des 19. Jahrhundert) und die deutschen Juden in den hebräischen Erzählungen von Agnon. HISTORIE UND BIBLIOGRAPHIE Erwähnen möchte ich noch die Untersuchung von HANS LIEBESCHÜTZ übet' Probleme der deutsch-jüdischen Gschichtsschreibung, die Angabe von Lokalberichten über etwa 80 ehemalige Jüdische Gemeinden, die zu einem grossen Teil von nicht-jüdischen Archivaren geschrieben wurden, sowie die Bibliographie von fast 800 Schriften über die deutschen Juden, die im Jahr vorher erschienen, und die ausgesuchten Photographien, mit denen jedes Year Book ausgestattet ist. Anni Loewenstein, geb. Pribatsch,! Unserem lb. Freund, dem hochverehrten j Oberkantor j Robert Fraenkel I herzlichst Masaltow zum t j 70ten Geburtstage, t Weiter viel Erfolg in dem würdigen Amt an j der Kehall Adass Jeschurun, New York, IBenett Ave. Wolf u. Fanny Ehrlich j Dr. Schmuei u. Anita Ehrlich, i Tel Aviv/Jerusalem. I Nachbemerkung: Der Jubilar war früher in Hamburg u. ist ein würdiger Nachfolger des unvergess. Oberkantors Benno Peissachowitsch, der jahrzentelang in der Friedberger Anlage in Frankfurt a/Main amtierte und dessen Melodien uns unvergssen bleiben. 27