Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 44 (Oktober 1978)
- Date
- 1978-10-01
- Page
- Seite 37 (sequence 2406)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ETWAS UBER SCHLESISCHE KURORTE UND DEREN JÜDISCHE ÄRZTE Es ergab sich oftmals, dass wir in der Jugendzeit mit den Eltern in eines der schlesischen Bäder reisten, wo mein Vater als Arzt u.a. die Kurmethoden besichtigen wollte, um sie auch seinen eigenen Patienten zu empfehlen. So ist mir zunächst Bad Warmbrunn in Erinnerung, damals von Hirschberg aus mit einer Elektrischen zu erreichen. Die dortigen Kurmethoden kämpften gegen Ischias, Gicht und Rheuma. Dort gab es heilkräftige Quellen und heilende Erde. Auch nach Flinsberg zog es meinen Vater, wo im reizvollen Isergebirge Herz- und Nieren-Leiden behandelt wurden. Ein schöner Kurplatz und ein grosses Kurhaus waren eine Zierde für den Ort, der damals noch nicht Bahnstation war. Mit Pferdefuhrwerken gelangte man von Greiffenberg dahin. Die Inhaber der Logierhäuser hlessen meist „Gläser“, was oft zu Verwechslungen führte. In Flinsberg gab es viele Möglichkeiten für Wanderlustige. — Bad Salzbrunn im Waldenburger Bergland half gegen Atmungs- und Nierenleiden, auch Blasenerkrankungen wurden hier gelindert und geheilt. Ein grosser Kurplatz verschönte den Ort, und eine Kurkapelle, das Orchester der nahegelegenen Bergwerke in schmucker Uniform, spielte vor- und nachmittag als Kurmusik auf. Der Brunnen wurde von jungen Schlesiermädchen in Tracht liebenswürdig kredenzt und man promenierte mit dem Brunnenglas und Brunnenkuchen bewaffnet auf und ab. (Als Kuriosum hörte ich dort mal eine laute Unterhaltung zwischen 2 Brunnenmädchen, sie zankten sich ziemlich hörbar und eine sagte zur anderen: „Du bist ja so dumm wie’n Kurgast“). Auch Gerhart Haupmanns Geburtshaus konnte man besichtigen. Bad Charlottenbrunn beseitigte Stoffwechselerkrankungen. Reinerz, Kudowa und _ Altheide waren die Kurorte für Herzleiden. Altheide lag in herrlichem Waldgebiet, ein TeU des Breslauer Opernorchesters spielte hier im Sommer als Kurkapelle und Oskar Will war der Direktor des Kurtheaters. Bad Landeck setzte sich erfolgreich gegen Gicht, Rheuma und Arterienleiden zur Wehr und ging auch den Nerven zu Leibe. Das kleine Bad Langenau nahm sich ebenfalls Nervenkranker an, war aber auch für Frauenleiden der richtiger Platz. Bad Diersdorf im Umkreis von Nimptsch half gegen Rheuma und Trebnitz soll in früheren Zeiten gegen Gicht, Rheuma und Herzleiden, Obernigk gegen Nervenleiden heilsam gewesen sein. Mein Vater leitete hier zeitweise das Sanatorium Felizienquell, wo um die Jahrhundertwende nach dem Beispiel von Bad Gräfenberg Kaltwasserkuren (Priessnitz-Wickel) mit bestem Erfolg angewendet wurden, wie sie jetzt ebenfalls wieder vielfach in Mode sind. Sehr heilsam für Lungenerkrankungen erwies sich das Dörfchen Görbersdorf in den Waldenburger Bergen, wo der berühmte Lungenspezialist Dr. Brehmer sein heilkräftiges Wirken ausübte. Vergessen sei nicht Bad Schwarzbach in der Nähe von Flinsberg, wo heilsame Moorbäder verabreicht wurden. Oft wurde ich angefragt, ob ich mich an jüdische Ärzte, Kurhäuser und Restaurants in diesen Orten erinnern kann. Einiges sei dazu bemerkt: In der Breslauer Jüdischen Zeitung vom 24.7.36 findet sich folgende Annonce: In den schlesischen Bädern praktizieren u.a.: Bad Kudowa: Dr. R. Triest, Villa Löwy — Bad Landeck: Dr. Salinger — Bad Reinerz: Dr. Hans Kuhn — Bad Salzbrunn: Dr. Blumenthal. •ln Bad Salzbrunn gab es in den Jahren 1929— 1931 ein streng koscher gefühltes Restaurant Ru- 6chin. Dr. Josef Hirschberg (Ehefrau Lotte, geb. Krieg), praktizierte 1923—27 in Bad Landeck. Er war der Sohn des Justizrats Dr. H. Wallstrasse, von 1928—36 war er Badearzt in Altheide, in Bad Landeck gab es noch San.-Rat Dr. Lachmann, später in Tiberlas wohnhaft. In Bad Kudowa war das Ehepaar Dt. Cohn ärztlich angesehen. In Reinerz fasste Dr. Ernst Levin das Übel an der Wurzel, also als Zahnarzt (jetzt Haifa). In Altheide ist Haus Bellevue in Erinnerugn — in Kudowa „Haus Loewy“ (beide koscher). Auch Dr. Eduard Preiss und als Zahnarzt Dr. Löw. In Reinerz finden wir auch Dr. W. Freund ( ebenso das Haus Frankfurter Hof (Inhaber Blau). In Landeck gab es die Pension Glücksmann, in Flinsberg Pension Malamuth und das Kinderheim des jüd. Frauenbundes. In Krummhübel befand sich das Logenheim, ln Warmbrunn praktizierte San.-Rat Dr. Moses. Soweit mein Erinnerungsvermögen, dem noch durch Fr. Sophie Even Pina (geb. Baruth), Fr. L. Hirschberg u. Herrn Erich Lewin dankenswerterweise nachgeholfen wurde. Leider ist nach so langer Zeit nicht mehr alles in Erinnerung u. mögen mir die verzeihen, die aus diesen Grunde heute noch nicht erwähnt wurden. Julius Sachs r mm casr tsm am nev tmr m BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DER JUDEN IN OBER-SCHLESIEN Von Rabb. Dr. LOUIS LEWIN s.A. über die Gemeinde Kosel O/S. In Ihrem Mitteilungsblatt Nr. 43 brachten Sie lt. oben genanntem Text eine historische Studie über die Gemeinde Kosel O/S. Zu diesem Artikel möchte ich Ihnen mitteilen, dass sich eine Thorarolle der Gemeinde Kosel in Lima (Peru) befindet. Ein Sohn von der bekannten Familie Pollak brachte die Thora nach Lima und übergab sie der Sociedad de Beneficencia Israelit de 1870 (Eine Gründung von deutschen Juden, die älteste Gemeine Süd Amerikas). Noch eine Thora aus Oberschlesien befindet sich in Lima. Auf meine Bitte schenkte im Jahre 1937 die Gemeinde Beuthen 0/S eine Thora der oben genannten Gemeinde. Und so weit mir bekannt ist, ist es die einzige Thorarolle, die von den beiden Synagogen in Beuthen O/S übrig geblieben Ist. Herbert Nothmann, Lima 18 (Peru) Ave. Espinar 820-3 VERLEIHUNG DER HOLTEI MEDAILLE AN 3 MITGLIEDER UNSERES VERBANDES Die Bundes Vereinigung der Breslauer hat den folgenden Mitgliedern unseres Verbandes als Anerkennung für ihre Arbeit die oben genannte Medaille verliehen: 1. Dr. Walter Goldstein, Jerusalem, Beth Hakerem, Bialikstr. 18 für die Herausgabe seines historisch ausserordentlich gut fundierten Buches “1000 Jahre Breslau — Bilder aus Breslaus Vergangenheit“. 2. Erich Lewin, Ramat Gan, Mazadastr. 27, sowie 3. Julius Sachs, Tel Aviv, Mazestr. 51. Beide in Würdigung der Verdienste um die schlesische Landes-Haüptstadt Breslau und ihrer Bürger. GOLDENES BUCH Zum Andenken an meine Eltern: Raw JACOB DOV SCHULSINGER gest. 7. Februar 1964 — 24. Schwat 5724 SARA SCHULSINGER gest. 8. April 1965 — 10. Nissan 5725, beide in Jerusalem eingetr, von ihrem Sohn Jechiel Schulsinger, Ramat Gan. SAMUEL KOPLOWITZ früher Beuthen O/S gest. 15.12.1976 — 23. Kislew 5737 eingetr. von seiner Gattin Lea Koplowitz geb. Schacher und seinem Sohn Günther, Guatemala — City. Clara Will s.A. Vergessen von Familie und Freunden verliess uns am 22. Cheshwan, nach langjähriger Krankheit, meine Mutter, für immer. Sie war eine besondere Frau, meine Mutter, die in den schweren Jahren hier im Land trotz der ungewohnten schweren Arbeit, nie ihren Optimismus verlor und nie klagte. Sie war die Seele des Jüdischen Lebens in unserem Haus, die treibende Kraft und der richtige “Eser keneged” meines Vaters in all den Jahren ihrer langen und glücklichen Ehe. Da sie selbst Lehrerin war und eine umfangreiche jüdische und allgemeine Bildung besass, arbeitete sie immer zusammen mit ihrem Mann, sowohl in Breslau ln der Leitung des best renomierten Rhedigerheims, wie auch später in Marburg, wo sie zusammen das Israelitische Heilerziehungsheim leiteten. Viele Jahre lang nahmen unsere Eltern, auch hier in Israel schwererziehbare und .zurückgebliebene Kinder ins Haus und trotz dieser äusserst schweren Arbeit und dem immer mit Familie und Freunden vollem Haus, nahm sie noch arme Menschen, die im Krieg als Flüchtlinge ins Land kamen, auf und liess sie bei uns wohnen und essen. Es gab keinen Hausierer von dem sie nicht etwas kaufte, obwohl sie selbst keinen übrigen Mil besass und damals, nach dem Krieg, kamen sie tagtäglich. Sie fand auch noch Zeit zweimal wöchentlich mit Ihrer Freundin im Machsan der Esra Sozialit in Givataim Kleider an arme Leute zu verteilen und jedem, der es nötig hatte, mit Hilfe beizustehen. Von den ersten Einwohnern in Ramat-Chen (damals noch “Shikun Rassco”) waren meine Eltern von den Mitgründern des grossen Bet-Haknesset (auch finanziell) und man kann sagen, Mittelpunkt der Kehilla. Daher ist es so schwer zu verstehen, dass all die vielen Freunde und Bekannten, die jeden Shabbat ihr Haus füllen, sie in den «schwersten Jahren ihres Lebens vergassen. Sie, die die Menschen liebte, und nur glücklich war, wenn ihr Haus voll Gäste war, musste den Rest ihres Lebens unter fremden Menschen und abhängig von deren Launen, beenden. Auch in diesen vielen Jahren klagte sie nie — auch nicht, als sie noch sprechen konnte. Eine grosse menschliche Tragoedie, über die hier nicht der Platz ist zu schreiben, ist beendet und mit ihrem Tod ist eine wirkliche Zadeket dahingegangen.! 1113 mar srp Cilly Witt :*zmm EHRUNG EINER BRESLAUERIN DURCH DIE ENGLISCHE KÖNIGIN 1978 Wir verdanken Herrn Martin Mordechai Jaffe, 46785 Herzlia, Ben Gurionstr. 9 folgende Mitteilung : Frau verwwe. Ilse Joseph, verwwe. Freimann, I. Ehe — Berlin — geborene Wartenberg, geb. am II. November 1898. Breslau, Gartenstr. wohnhaft, Jetzt, 16 Tealsway Heswa, 11, Wirral Merseyside 160 4 BRX, Gross-Britanien, ist in diesem Jahre von der englischen Königin mit dem Orden M.B.E. ausgezeichnet worden. Sie hatte bereits am 26.5.1971 von dem Bundes Präsidenten Heinemann das Verdienstkreuz 1. Klasse erhalten. Dem Jemin Orde — Wingate Childrens Village ln Israel hat sie am 22. April 1974 eine Stiftung zukommen lassen, gewidmet dem Andenken der in Auschwitz umgekommenen Kinder Marion Ellen Freimann und Heinz Anita Joseph. Von Frau Golda Meier ist sie empfangen worden und mit ihrem Foto beehrt worden. Diplomierte Krankenschwester nimmt bei sich zu Hause leicht pflegebedürftige Person in Pension. Tel Aviv Tel: 03 - 459181 37