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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1978-10-01 · No. 44 (Oktober 1978) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1978
Issue
No. 44 (Oktober 1978)
Date
1978-10-01
Page
Seite 26 (sequence 2395)
Language
German
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Die Synagogen in Hamburg Wie fast ln allen Ländern der Zerstreuung, hat sich auch das Leben der Juden in Deutschland fast durchweg ln der Synagoge abgespielt. Der ursprüngliche hebräische Name “Beth haknesseth” bedeutet im Deutschen “Haus der Versammlung” und am nächsten kommt wohl der Im jiddischen gebräuchliche Name “die Schul”, der Bedeutung der Synagoge zu. Die Weisen lehrten, dass die vornehmste Pflicht einer Gemeindeverwaltung sei, ein Schulgebäude zu errichten, und wenn dies gesichert sei, darf man erst an den Bau der Synagoge herangehen. Daher kam es vielfach vor, dass die Synagoge sowohl Lehrzwecken wie Gottesdiensten Raum gab, und daher war der Name “Schul” der Sammelbegriff für das jüdische G’tteshaus geworden. Nach der Emanzipation und dem damit verbundenen grösseren Wohlstand der Juden kam es nicht mehr vor, dass die Synagoge diese Doppelbedeutung hatte. Es gab wohl kaum noch eine Gemeinde in Deutschland, die nicht ausser ihrer Synagoge ihr eigenes Schulgebäude hatte. Eine Gemeinde wie Hamburg z.B. hatte etwa 20 Synagogen, 3 jüdische Schulen (ausserdem 3 selbständige Religionsschulen), 3 Logen (mit eigenem Gebäude) und an etwa 40 jüdische Vereinigungen, in denen sich ein reges kulturelles, religiöses, gesellschaftliches und künstlerisches Leben abspielte. Im nachstehenden soll versucht werden, einen Querschnitt durch das jüdische Leben der Hamburger Gemeinde in den 20er Jahren, also dem letzten Jahrzehnt vor dem Untergang des deutschen Judentums zu zeichnen. DIE SYNAGOGEN Die Hamburger Jüdische Gemeinde war in ihrer Organisation einzigartig. Überall gehörte die Pflege des Kultus zu den vornehmsten Pflichten der Gemeinden, — in Hamburg durfte sich die Gemeinde als solche nicht darum kümmern. Als er frei von Gewissensbissen und seine Befürchtungen, dass der liberale Kultus von ihm mitfinaziert wird, waren damit zerstreut. So blieb der Gemeinde das Schulwesen, die Unterhaltung des Waisenhauses, des Krankenhauses, des Siechenhauses, des Altersheims und das Friedhofswesen allein überlassen, darüber hinaus natürlich die Wohlfahrtspflege, Berufsberatung und alle anderen spezifisch gemeindlichen Angelegenheiten. Der orthodoxe Kultus war also dem “Deutsch- Israelitischen Synagogenverband” übertragen, daneben bestand die kleine, alteherwurdige “Portugiesisch-Jüdische Gemeinde”, den liberalen Kultus verwaltete der “Israelitische Tempelverband” und Anfang der 20er Jahre wurde die ebenfalls nach orthodoxem Ritus geführte “Neue Dammthor- Synagoge” die bis dahin als Privatverein bestand, mit gleichen Rechten und Pflichten in die Gemeinde aufgenomm'en. Die Gemeinde besass 2 Synagogen, die sie dem “Synagogenverband” zur Benutzung überliess. Die erste war die “Gemeindesynagoge Kohlhöfen"’ im Zentrum der Stadt gelegen, wo vor 100 Jahren sich die Hamburger Juden konzentrierten. Die Synagoge wurde vor genau 121 Jahren, im Elul des Jahres 1859, durch den damals amtierenden Oberrabiner Stern in einem eindrucksvollen Festg’ttesdienst eingeweiht. Es ist interessant, die Protokolle zu verfolgen, die dem Bau der Synagoge vorausgingen. Es war die Blütezeit der Emanzipation der deutschen Juden. Man hatte bis dahin peinlich darauf geachtet, die Synagogen an unsichtbaren Plätzen, auf Höfen oder irgendwie geschützt vor fremden Blicken zu bauen, da man immer wieder mit Ausfällen des Pöbels, Steinwürfen und Störungen des G’ttesdienstes von aussen zu rechnen hatte. Aber jetzt war doch das Recht der Juden auf “freie Religionsausübung” verbrieft, man war gleichberechtigter Staatsbürger! Es war also beschlossen Pöbel verbrannt und Thorarollen und Gebetbücher geschändet wurden”.... Der Brief mutet fast prophetisch an. Tatsache ist, dass er zu heftigen Diskussionen ln der Baukommision führte und schliesslich einigte man sich auf einen Vergleich: die Synagoge wurde durch einen geräumigen Vorhof, der von einer Mauer umgeben war, von der Strasse getrennt. Es war ein herrlicher Bau und man zählte ihn den den schönsten G’tteshäusern des Kontinents. Der Schreiber dieser Zeilen besuchte in nächster Nähe die Schuie und wenn es irgenwie möglich war, wohnte er dem G’ttesdienst am Schabbath Mittag nach Schulschluss bei, bei dem der allgemein geschätzte Arzt Dt. Lanzkron als Vorsteher fungierte. Der in Hamburg gebürtige Oberkantor Norden (Bruder des Elberfelder Reformrabbiners) war dort ständiger Vorbeter und Chordirigent, und Herr Leers verwaltete in gewissenhafter Weise die Küsterdienste. Unvergessen bleibtjnir der Abschiedsg’ttesdienst im Jahre 1934. Der Hamburger Staat wollte eine Strasse verlängern und brauchte das Gelände auf dem die Synagoge stand. Der Kauf wurde regulär getätigt und die vereinbarte Summe ausbezahlt. Aber die Abschiedsfeier stand schon unter dem Eindruck der seit einem Jahre eingesetzten Diffamierung der deutschen Juden und für Viele war es klar, dass es zugleich der Abschied einer Periode war.... Der stellvertretende Oberrabbiner Dr. Lewin hielt eine ergreifende Abschiedsrede, die Synagoge hatte den weissen Schmuck der hohen Feiertage angelegt, Vorbeter und Gemeinde sprachen die Abschiedsgebete des Jom Kippur, die „Schemoth“, die Heilige Lade wurde geöffnet und zum letzten Male wurden die Thorarollen feierlich ausgehoben unter den Klängen des im Piano vorgetragenen Chorgesangs des “JIgdal“ und “Adon Olam“, während die Festbeleuchtung der Synagoge langsam für immer verlöschte. ABRISS DER SYNAGOGE ’ r- BORNPLATZ Wh S.R. Hirsch die Austrittsorthodoxie gründete, argumentierte er die Selbständigkeit dieser Gemeinden damit, dass es dem orthodoxen Steuerzahler nicht zugemutet werden dürfte, den liberalen Kultus, der religionsgesetzlich unzulässig war, mit zu finanzieren und sich damit mitschuldig zu machen an der Verletzung des Religionsgesetzes. Um es in Hamburg nicht zu dieser unseligen Spaltung kommen zu lassen, wurde die Verwaltung des Kultus der Gemeinde entzogen und 2 (später 3) selbständigen Kultusverbänden übertragen, die zwar der Aufsicht der Gemeinde unterstanden, aber in sich völlig autonom waren. Jeder Steuerzahler konnte selbständig bestimmen, welchem der Kultusverbände die Gemeinde den ratierlichen Anteil seiner Steuer zuführen durfte, — und wenn der orthodoxe Steuerzahler bestimmte, dass sein Anteil dem orthodoxen Kultus zufallen soll, war worden, die Synagoge offen, direkt am Strassenrande, zu bauen. Da wurde dem damaligen Gemeindevorstand eine Eingabe eines prominenten Gemeindemitglieds namens Moses Mendelssohn (ob er ein Verwandter des berühmten Philosophen war, konnte ich nicht ermitteln. Sein Grabstein befand sich auf dem alten Grindelfriedhof in der Rentzelstrasse) vorgelegt. Mendelssohn warnte die Vorsteher in eindringlichen Worten an die Ewigkeit der Emanzipation zu glauben, und sich an die Tradition zu halten, die Synagoge als "unsichtbare Kirche” aufzustellen, fernab vom Getriebe der Stadt, “damit nicht unsere Nachkommen den Leichtsinn der Väter zu beweinen haben.” Er erinnert an die Geschichte der spanischen Juden, deren Schicksal sich über Nacht vom Glück in Trauer verwandelte, er erinnerte daran dass eine Synagoge in Hamburg “erst vor 300 Jahren" vom Die zweite "Grosse Synagoge” der Gemeinde befand sich am Bornplatz, in nächster Nähe des damaligen Bornparks, inmitten des inzwischen angewachsenen neuen “Judenviertels” in Hamburg. Hier hatte man beim Bau die Bedenken des Herrn Mendelssohn nicht mehr beachtet — die Synagoge stand auf einem grossen freien Platz, die im orientalischen Stil erbaute Kuppel war weithin sichtbar mit dem vergoldeten Magen David auf der Spitze. Heute zeugt nur noch eine schwer auffindbare Tafel davon, dass hier bis zum 9. November 1938 eine Synagoge stand.... Sie wurde im Elul des Jahres 1906 feierlich eingeweiht, unter Anwesenheit der Vertreter des Senats, der beiden christlichen Konfessionen und zahlreicher anderer Behörden. Die Festrede hielt der damalige Oberrabbiner Hirsch, der im Jahre 1911 das Zeitliche segnete. (Fortsetzung auf Seite 27) 26

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