Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 43 (April 1978)
- Date
- 1978-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grüsse aus Breslau Unser täglich Brot “WROCLAW” IN SCHLESIEN UND “BRESLAU“ IN AMERIKA POING — Dt. Klaus Schmidt, Professor für Geologie an der der Universität München, sandte Feriengrüsse aus Breslau in Schlesien und schrieb: “Nach 32 Jahren ist der erste Besuch in der Heimat wie eine Auferstehung von den Toten. Der Krieg hat die Spuren des Vertrauten nicht völlig ausgelöscht. Es gibt viel Neues und Fremdes. Trotzdem war die Reise ein grosses Erlebnis”. Und auf der Ansichtskarte ist das altvertraute Bild des gotischen Rathauses abgebildet, an dem sich nichts geändert hat. Sogar die altbekannte Sonnenuhr zeigt weiterhin nur die heiteren Stunden an, die man zudem im “Schweidnitzer Keller” darunter entsprechend feucht begiessen kann. Aber die Unterschrift der Karte mit dem Aufdruck ‘“Wroclaw — Ratusz“ zeigt, dass sich doch wesentliche Veränderungen ergeben haben. «****&■ >» ff Keine Veränderungen dieser Art stellte unser Korrespondent aus Poing fest, als er auf einer Fahrt durch Nordamerika ganz unvermutet das Ortsschild “Breslau” im Bundesstaat Nebraska entdeckte und mitten im Herzen des nordamerikanischen Kontinents eine kleine Landgemeinde entdeckte, die nicht einmal auf den gewöhnlichen Strassenkarten verzeichnet ist. Dafür war der Ortsnamen “Breslau” unübersehbar. Auch einen Bahnhof mit der gleichen deutlichen Beschilderung gibt es dort, es verkehren jedoch dort nur noch während der Erntezeit höchstens ein paar Güterzüge, die den goldenen Segen der Kornkammer Amerikas abtransportieren, wenn dieser in den Silos keinen Platz mehr hat. Der Bahnhof besteht aus einem Gleis, einem alten hölzernen Bahnhofshäuschen und einem Lagerhaus. Der “Bürgermeister” ist eigentlich Dorfschmied, Tankstellenbesitzer und Schweisser in einer Person, hilfsbereit und freundlich. Ein Rathaus gibt es nicht. Und natürlich hat dieses Breslau auch keinen altehrwürdigen Dom wie das Wroclaw in Schlesien, jedoch eine schmucke kleine Holzkirche, in der die Gottesdienste natürlich in englischer Sprache abgehalten werden. Die Einwanderer aus Breslau in Schlesien, die sich dort im fernen Nebraska vor etwa 100 Jahren niederliessen, leben alle nicht mehr und deren Nachkommen haben sich wahrscheinlich in alle Richtungen verstreut, denn viele Siedler in diesem von Dürre und Unwettern stark heimgesuchten Gebiet sind wieder weitergezogen, die meisten wohl westwärts, wo man im fernen Kalifornien entweder besseres Land oder gar Gold und Silber finden wollte. Erst jetzt dürfte es wieder aufwärts gehen, denn amerikanischer Weizen ist wieder sehr begehrt und wird nach Europa, Russland und China exportiert. Ausserdem hat man die Landwirtschaft mit all den durch die Technik und Wissenschaft zur Verfügung gestellten Hilfsmitteln besser im Griff. Das “Wroclaw” im fernen Schlesien ist für die wenigen Bewohner von “Breslau“ in Nebraska allerdings gar kein Begriff. NORBERT JOHR Niblungenweg, 8011 Poing bei München. Es ist modern sich mit Alter und ältester Geschichte zu beschäftigen. Vielleicht schon deshalb, um die Gedanken von dem Geschehen und Ereignissen der Gegenwart abzulenken... Die Funde und Entdeckungen in Israel haben viel dazu beigetragen, das Dunkel vergangener Epochen zu klären. Heute wollen wir uns nicht mit Ausgrabungen befassen, auch wenn wir vielleicht durch sie angeregt worden sind, sondern mit dem Brot, das unsere Vor-Vorfahren gegessen haben. Wenige Worte in der hebräischen Sprache helfen, um uns ein recht anschauliches Bild zu zeichnen. Gewisse Grundworte und Wortstämme haben sich durch die Jahrtausende erhalten, — sie haben manchmal ihre Bedeutung geändert, sie haben sich modernisiert, nachdem Sitten und Lebensgewohnheiten sich verändern und einem ständigem Wandel unterworfen sind. Nehmen wir einen für uns alltäglichen Satz, und versuchen wir ihn zu übersetzen: Wir kaufen Brot und Speisen, wir verproviantieren uns, wir bezahlen mit Geld und bringen die Speisen dann in unsere Küche, um unser Essen vorzubereiten... Dieser knappe Satz enthält in der hebräischen Sprache vier Worte, deren ursprüngliche Bedeutung ein Stück sozialer Geschichte erläutert, die nicht nur für die nomadisierenden Stämme der Hebräer gilt, sondern uns vielleich hilft, die Anfänge der Menschheitsgeschichte zu erhellen. Speisen und Proviant sind in der modernen hebräischen Sprache “Zeda, — le-hiztajed”, heisst, sich zu proviantieren, während “zijud“ die Ausrüstungsgegenstände sind. Die ursprüngliche Bedeutung des Stammes, die bis heute gebraucht wird, ist Wildbret — “lazud”, heisst jagen, — nur was der Mensch erbeutete, erjagte, erkämpfte, ist sein lechem, sein Brot, seine tägliche Speise. In der semitischen Schwesternsprache, dem Arabischen, heisst Lachme immer noch Fleisch, und auch im hebräischen ist lacham, kämpfen, milchama, der Krieg, — ein Wort, das wir alle leider allzuoft verwenden. Im Verlauf der Entwicklung wurde aus dem Die letzte Middle East Entwicklung, insbesondere die Entscheidung des Israeli Government über Errichtung von 8 neuen settlements im Gaza Strip zwischen Yamit und El-Arish erinnert mich an einige geschichtliche Tatsachen aus der Zeit der Ersten Zionisten Kongresse zwischen 1898 und 1903. Ich glaube, dass die Tatsachen gerade jetzt die Leser interessieren wird, wo Gaza Strip und El-Arish besonders im Mittelpunkt der differenzierenden Verhandlungen stehen. Die Verhandlungen von Theodor Herzl mit dem Türkischen Sultan — dem damaligen Beherrscher des ganzen grossen Landes — waren gescheitert. Nach Herzls ausfühiichem Bericht darüber, war es ein Americanisher Zionist?—Davis Trietsch—Kongress Delegierter u. in Berlin lebend, der aufstand und beantragte, man möge ihm die Macht geben die Herzl gegeben war dann würde er den Charter für die Ansiedlung der Juden im damaligen Palestina — bestimmt erreichen. Der Antrag wurde damals mit grossem Protest der Mehrheit des Kongresses abgelehnt. Trietsch ein besonders intelligenter Mensch, war meist in der Opposition zu Herzl, jedoch ein ausgezeichneter Kenner des Orients, den er vielfach bereist hatte und nicht nur Land und Leute gut kannte, sondern auch gute Beziehungen zu Türkischen Regierungskreisen hatte. Damit komme ich auf den besonders interessierenden Punkt. Trietsch war es, der in einem ausführlichen Referat über die agronomischen Verhältnisse des Landes berichherumstreifenden Jäger der mehr, oder minder bodenständige Landmann. Die Hauptnahrung des Menschen änderte sich, aus dem erbeuteten, erkämpften Tier, der umkämpften Speise wird es das Brot, das der Acker gibt, das Lechem. — Wer sich heute mit Brot verproviantieren will, geht nicht mehr auf die Jagd, er kämpft nicht, er kauft es und bezahlt es mit Geld, — da finden wir ein altes hebräisches Wort, älter als das heut gebräuchliche “Kessef“ den Silberlingen, — es heisst “Damim”, die Pluraform des Stammes Dam, das ist Blut. Der Begriff wird noch fleissig in Zusammensetzungen verwendet, von dem “Demej knissah”, dem Eintrittsgeld bis zum Demej Mafteach, dem Schlüsselgeld für Wohnungen, für das man auch heute oft noch Blut schwitzen muss, um es aufzubringen... Die Küche, in die wir unsere Speisen bringen, mit denen wir uns versorgt haben und bezahlt, um sie zum verspeisen anzurichen, ist die Mitbach, und Tabach ist der Koch, — aber Mitbachajim ist das Schlachthaus, und Tabach ist der Metzger, der Schlachter, “tewach” ist das Gemetzel, — aber auch das Mahl, — die Mitbach ist der Raum gewesen, wo der Tabach das erbeutete Tier schlachtete, und zum Verzehren zur Speise vorbereitete. Um die Küche zu errrichten, haben wir uns einen “Migrasch” erworben und bezahlt, ein Grundstück, von dem wir hoffentlich keinen verstossen haben, denn legaresch heisst, jemanden wegtreiben, um selbst den Platz zu besetzten... Der kleine Ausflug in die Philologie bringt uns eine recht lebhafte Vorstellung von dem, was gestern gewesen ist, von der Vergangenheit der Menschheitsgeschichte, von dem täglichen Brot, das erkämpft, das erjagt werden musste, mit Blut bezahlt, und in dem Raum vorbereitet wurde, von dem andere verdrängt wurden... Vielleicht verstehen wir jetzt besser, die Wunschträume der Propheten, ihre Vorstellungen von einer idealen Welt, in der jeder auf seinem Acker sitzt, und nicht mehr um sein täglich Brot kämpfen muss, das er mit Blut zu bezahlen hat. Heinzwemer Goldstein, Haifa tete und als Südlichsten Punkt des zukünftigen Jüdischen Staates gerade El-Arish bezeichnete. Darüber las ich auch in einem Bericht, dass für die Regierung die Idee der neuen settlements bei El-Arish nicht neu war. Ob Mr. Trietsch auch an der Mission teilgenommen hat, die schon im Jahre 1899 unter Mitwirkung der Englischen Regierung nach diesem Teil des Mittelländischen Meeres zwecks Studium der agronomischen Verhältnisse gesandt waren — ist mir nicht in Erinnerung. Jedenfalls war er derjenige, der schon vor bald 80 Jahren diese Gegend für besonders wichtig und geeignet für ackerbauliche Entwicklung gefunden hat. Unsere häufigen Unterhaltungen über diese und andere palästinensische Fragen zeugten Jedenfalls von einer diesbezüglichen klaren Sachkenntnis. Trietsch war auch Mitherausgeber des ersten Jüdischen Almanach 5663 — 1902, zusammen mit Berthold Feiwel, ein Juwel von literarischer und künstlerischer Publikation der damaligen Zeit, das mich heute noch erfreut, wenn ich das Buch immer wieder lese. Trietsch war mit Leo Winz, Dr. Alfred Nossig, und anderen, Herausgeber von “Ost und West“, der Zeitschrift “Palästina” etc. und auch sonst literarisch tätig. Seine kolonisatorischen Ideen entwickelte er, bevor Arthur Ruppin mit seinem systematischen Kolonisierungsprogramm hervortrat. Salo Translateur Miami Beach Florida Januar 1978. El-Arisih — und Davis Trietsch 25