Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1977
- Issue
- No. 41 (April 1977)
- Date
- 1977-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Künstlerischer Tanz in Breslau - damals -—---- Es sollte wohl auch jemand eine Geschichte der Ballettkunst in Breslau schreiben, mit Namen der Werke und der Ballerinnen resp. Ballettmeisterinnen, auch der Tanzgastspiele. Eine solche Historie lebendiger Balletkunst in Breslau ist wohl noch nie geschrieben worden und auch der Verfasser dieser kleinen Betrachtung kann nur eine Aneinanderreihung von Namen und einen ersten Beitrag zu diesem Thema geben. All dies gehört der Vergangenheit an. Jedoch wegen ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung ist es wichtig, einige dieser ‘Spitzenleistungen“ festzuhalten. Lassen wir einige der Vertreterinnen der graziösen Kunst aufs Neue erstehen. Nehmen Sie, bitte, im Stadttheater Platz, denken Sie, es sei um 1900. Man tanzt “Coppelia“ uni “Sylvia“. Coppelia gehörte in jener Epoche zu den beliebtesten und oft gespielten Werken des Biihnentanzes. Der Inhalt setzt sich mit prophetischem Blick quasi mit der Vertechnisierung der Welt auseinander. Das Libretto basiert auf einer Erzählung des E.T.A. Hoffmann. Leo Delibes hat dramaturgisch seine reizvolle Musik geschickt in die Handlung verflochten. Er war ein Theaterblut durch und durch. Seine Musik soll man aus ihrer Entstehungszeit heraus beurteilen. Damals tanzten bei uns die Ballerinen Haber, Sterna und Terka die Hauptrollen mit ihrem grossartig trainiertem Ballettkorps, später gesellten sich u.a. Olly und Alma Cröger hinzu, deren anmutige Kunst unvergessen ist. Die gleichen Namen sah man auf den Theaterzetteln von Carmen. Hier werden die Habanera, die Sevillana und eine Fandango (3/8 Takt, Kastaniettenrhythmus) tänzerisch vorgeführt. Nach “Hänsel und Gretel“ wurde oft die “Puppenfee“ von Josef Bayer gegeben. Der Komponist war Ballettdirigent der Wiener Hofoper. Die Verfasser Gaul und Hassreiter waren Solotänzer und Bühnenmaler. Ihre Puppenfee atmet daher leidenschaftlich Bühnenluft. Kein Wunder, dass die genannten Tänzerinnen auch hier fesselnde Tanzformen produzieten. In Hauptrollen: Liliane Reuschel und Alice Michell. Stets um die Weihnachtszeit gab es für Kinder die Weihnachtsmärchen von Oskar Will, die mit Balletteinlagen gespickt waren. Spitzenröckchen und Spitzentanz wurden von dem jugendlichen Auditorium im Stadttheater bejubelt. Alle diese Balletts wurden unter Stabführung des Chordirektors Justus Debelak gespielt. In späteren Jahren war Helga Swedlund Ballettmeisterin. Auch sie hat den Bühnentanz mit neuzeitlichen Anregungen voller betäubender Intensität erfüllt. Sie kam aus dem Studio der Schwestern Wiesental und hatte auch viel von Isadora Duncan gelernt. Die Chronik berichtet weiter, dass 1923 Ellen Petz als Ballettmeisterin am Breslauer Opernhaus fungierte, die sich mit einer Neugestaltung der in “Aida“ vorkommenden Tänze einen Namen am Kunsthimmel der Stadt machte. Freunde exotischer Ballettkunst kamen reichlich auf ihre Kosten. Ellen Petz mit ihrer Tanzgruppe war dem Intendanten Tietjen eine wertvolle Hilfe auch bei der Aufführung der Josephslegende von Richard Strauss, deren Handlung von Harry Graf Kessler und Hugo von Hofmannsthal in die venetianische Renaissance (16. Jahrhundert) verlegt war. Die Darbietung zeugte von Seelenwärme und innerer Gestaltung. Anfang der 30er Jahre waren ua. als Solotänzer bei der Oper tätig: Anna Kaparna, Valeria Kratina, Aurel von Milos und Kurt Kern, später hat Fernande Robertine (vorher in Mannheim) als Ballettmeisterin fungiert. Auch das Ballett Schlagobers von Richard Strauss wurde unter Leitung des Komponisten im Stadttheater serviert. Als Balletmeisterinnen fungierten also vor ca. 50 Jahren nach Ellen Petz noch Rita Sacchetto, Mila Reisinger, Frau Mirbach (früher Colmar), Rita Rockst, Helga Swedlund. Olly und Alma Gröger entzückten in Solorollen. Im Ballettkorps sind noch erinnerlich die Damen Fischer, Gabler, Gernert, Hapke, Hartung, Hilbert, Icijeweski, Konhäuser, Grischmann, Schöning, Hlndemith, Götsch und Kühn. In einer Besprechung der Fledermaus im Lobetheater 1909 fand ich erwähnt: “Nach einem von 3 Damen des Korps getanzten Czardasz, nach einer von 4 Paaren aufgeführten Polka-Mazurka und nachdem die Damen Haber, Sterna und Terka die Klänge des Walzers an der schönen blauen Donau choreographisch interpretiert und stürmischen Applaus dafür eingeheimst hatten, erschien als Einlage eine von der Ballettelevin Olly Gröger getanzte Gavotte, die schon sehr hervorragende Technik dieses 9jährigen Mädchens bewies, das in seinen Bewegungen eine bestechende angeborene und reif erschienende Grazie entfaltete, das stets in genauer taktischer Übereinstimmung mit der Musik blieb. Es bekundet ein aussergewöhnliches Tanztalent, das sich gewiss zu einer Koryphe dieses Faches entwickeln wird. Auch ihr wurde reicher Beifall zu teü”. An Tanzgastspielen auswärtiger Künstlerinnen und Tänzer registrieren wir einen interessanten Abend im März 1923 im Lobetheater von Valeska Gert, der Grotesktänzerin. Sie führte Humor, gekonnte Komik ins Treffen. Man wollte sie eben immer komisch. Ferner gab es einen Tanzabend, der von der kunstbegnadeten Ruth Schwarzkopf im Stadttheater im Februar 1923 zelebriert wurde. Sie stellte in raffinierten Kostümen ihr grosses Können zur Schau. Sie beherrscht ihren Körper Bilder aus dem Hallenschwimmbad in Breslau vom Jüdischen Schwimm-Verein, Breslau. Herr Kurt Ludwig Freund aus Buenos-Aires (Argentinien), Calle Dr. P. I. Rivera 4095, hat uns freundlicher weise das obige Bild, das wir hiermit unseren Lesern überlassen. von den Fusspltzen zum Gesichtsausdruck vollkommen. Sie sprudelte eine wahre Kaskade von Musikalität, Rhythmus und Einfällen an Drolerie und Charme hervor. An einem Tanzabend von Karen Zabel, einer anmutigen nordischen Blondine, überzeugte so recht ihr Temperament wie Ausdruck. Eine Breslauer Konzertdirektion brachte viele arrivierte und prominente Jüngerinnen und Jünger Terpsichores nach hier. Erinnerlich sind Gastspiele der Mary Wigman, die an der Dalcroze- Schule in Hellerau sowie bei Rudolf von Laban studiert hatte. Es erschien weiter der Tänzer Harald Kreuzberg, und eines Tages verkündeten die Plakate an den Litfassäulen Abende der Tänzerinnen Gret Palucca und Yvonne Georg! als Vertreterinnen modernen Ausdrucktanzes im Konzerthaus. Mehrfach schwebte auch die zart-graziöse Niddy Impekoven, eine Schwedin, über Breslaus Tanzpodien. Es war ein grosses Erlebnis, diese Anmut zu geniessen. Damals in Breslau gab es auch die Gymnastikstunden bei Judith Binetter. Es war etwas recht Beglückendes, diese körperliche Erziehung Junger Mädchen. Man lernte bei ihr Stehen, Gehen, nach Musik sich rhythmisch bewegen. Man lernte komplizierte Schritte und Bewegung, aus Schritten werden Figuren, aus Figuren Tänze, begleitet von klassischer Musik. So übt man dem Körper zu bewegen, und solcher rhythmischer Erziehung verdankt man viel. Nicht alle tänzerischen Ereignisse und Studios, nicht die gesamte Tanzvergangenheit Breslaus kann im Rahmen eines Zeitungsartikels vermittelt werden. Dies sei nur ein kurzer Überblick. Julius Sachs Gruppe in Kleidung vor dem Hindernis- Schwimmen am 11.10.1934: Ernst Falk, Miedzwinsky, Rosenfeld, Besser, Leiser, Tichauer, Heimann, Gessler, Frl. Friedemann, Hanne Schein, Pick, Selig u. Frl. Grabowsky. ■u X/i W * j ri >/ SHfl mm < m. m ■l.UKWll I«—