Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1975
- Issue
- No. 38 (September 1975)
- Date
- 1975-09-01
- Page
- Seite 22 (sequence 2202)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Walter Benjamin (EINE ERINNERUNG) Im September 1940 nahm sich Walter Benjamin das Leben, als die spanische Grenze für die Flüchtlinge aus dem französischen Lager gesperrt wurde. Wenige wussten damals, wer er war. Und doch war er eine einzigartige Erscheinung. Als Bert Brecht von Benjamins Tod erfuhr, sagte er, das war der erste wirkliche Verlust, den Hitler der deutschen Literatur zugefügt hat. Was er eigentlich war, Ist kaum zu bestimmen: Ein Kritiker, ein Essayist, ein Übersetzer, er hat Proust und Baudelaire übersetzt, ein Philosoph, vielleicht ein Poet, der mit dem Leben nicht zurechtkam. Ein so feinfühlender Mensch wie Hoffmannsthal erkannte Ihn freilich schon 1924, denn als er Benjamins Aufsatz über Goethes “Wahlverwandschaften” las, sagte er: das Ist einzigartig. Aber es ist eine schwierige Lektüre. Als ich die beiden Bände seines Werkes, die nach seinem Tode erschienen, las fiel es mir schwer, selbst die Geschichte seiner Berliner Kindheit zu verstehen. Auch seine Haltung im Leben Ist unbegreiflich. Er interessierte sich für den Kommunismus, aber in seinen Schriften Ist er kein Marxist und trat nie ln die Partei ein. Das jüdische Problem bewegte ihn tief, er lernte Hebräisch und wollte nach Palästina gehen. Aber er war nie Zionist und schob die Reise Immer wieder auf. Sein bedeutender Freund Gerhard Scholem hatte wohl eine himmlische Geduld mit Ihm, aber bei seiner grossen Begabung war ihm doch nicht zu helfen. Er glaubte an kein Hell in dieser Welt, er sah in der Vergangenheit und in der Zukunft nur Trümmer. So möchte ich diese kurze Erinnerung mit dem letzten Satz seines Goethe Aufsatzes schliessen: "Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben”. Dr. ELSE MEIDNER, London AUS DEM AUFBAU, New York, vom 18.7.1975 LIEGNITZER ERINNERUNGEN Ein "Aufbau“-Leser, Herr Hans U. Philipsberg ln La Paz, Bolivien, macht uns auf einen Artikel im "Liegnitzer Heimatbrief“ aufmerksam, der in diesem in der Novembernummer 1974 erschienen ist und zweifellos von Interessenten vom Verlag (Gerhard Weber Verlag, 7073 Lorch, 1, Postfach 1129) angefordert werden kann. Der Artikel heisst “Die Juden in der Bäckerstrasse“ und ist ein Bericht des nicht-jüdischen Autors, der in unmittelbarer Nähe der Liegnitzer Synagoge (die abgebildet wird) aufwuchs und Augen- und Ohrenzeuge der Entwicklung in den dreissiger Jahren war. Leser, die aus Liegnitz stammen, (die Stadt hatte ja einmal eine ansehnliche jüdische Gemeinde) mögen sich für den Bericht in dem “Heimatbrief“ interessieren. Wir wünschen unseren Freunden, Verwandten und Bekannten sowie den Mitgliedern und Vorstandsmitgliedern der CENTRA angenehme Feiertage. ERWIN u. LILLY LOOSER, Cholon, Herzogstr. 2 (Israel). i DIE FÜHRENDE WURSTFABRIK IN ISRAEL “NAHARIAH WURST“ wünscht allen Freunden und Bekannten im In- und Ausland n a i o inti Familie SOGLOWEK-MASKIT 1. Generation: ICwilecki Breslau, 2. Generation Soglowek, Beuthen O/S 3. Generation Soglowek- Maskit, Nahariah — Israel. Stammbäume Wir erhielten von den verschiedensten Seiten aus dem In- und Ausland Stammbäume und Ahnentafeln und sind erstaunt, welche Fülle von Material in genauer Übersicht Menschen für ihre Familie gschaffen haben. Wir können selbstverständlich im Rahmen unseres Blattes diese Ahnentafeln nicht veröffentlichen, da sie Seiten füllen würden. Wir bringen nachstehend zwei Stammbäume: KARL LUDOWSKY, Haifa, Achusa, Michal Hamschorerstr. 1 übersandte uns eine grossartige Ahnentafel. Wir können aus Raumgründen nur Namen zitieren. Die Mutter des Einsenders hiess Marie Ludnowsky geb. Lustig. Es folgen jetzt nur Namen ohne auf den Stammbaum Rücksicht zu nehmen: Familien Lustig, Olschowsky, Schweitzer, Luft, Richter, Schwarz, Gassmann, Epstein, Nothmann, Apt. Gross-Sterlitz O/S, Apt, Lublinitz O/S, Borinski, Markiewitz, Halberstädter (Wiesbaden), Wolf Rosenwald, Sussmann, Leobschütz O/S, Familien Roth-Friedländer, Hamburg, Wachsner, Kattowitz-Berlin, Familien Hadra, Rothstein und Gerechter, Gross-Sterlitz O/S, bezw. Stadt Posen. Frau Dr. med. DOROTHEA WOICZECHOWS- KI, 8961 Durach, Allgaeu, Dekan Fischerstr. 1, hat uns eine grosse Broschüre über ihre Familie eingesandt, die am 21. November 1905 von Anna Auerbach zum 70ten Geburtstag ihrer Mutter, Seraphine Silbergleit geb. Nothmann, verfasst wurde. Es folgen nachstehende Namen: Nothmann aus Gleiwitz OS Dr. Wilhelm Silbergleit, Dr. Ludwig Georg Silbergleit, Salomon Kauffmann. Die Kauffmanns hatten ihre Sommervillen in Tannhausen im Waldenburger Gebirge, oder waren mit Familie Kern in Graefenberg. Dr. Heinrich Silbergleit war Direktor des Statistischen Amtes in Berlin-Schöneberg. Richard Eppenstein, Wollheim, Adolf Friedenthal, Julius Nothmann, Helene Salinger, Wilhelm Freund, Dr. Louis Milch, Dr. Fritz Juliusberg, Frankfut A/Main, Prof. Albert Neisser, Privat-Dozent Dr. Wilhelm Volz, Wüstegiersdorf (Schlesien), eine alte Freundin der Familie war Frau Louise Gradenwitz, Berlin, Dr. Joseph Freund, Justizrat in Breslau. MANFRED MAUTNER MARKHOF : “MIT EUCH, IHR GROSSEN, zu SPAZIEREN™” (Amalthea-Verlag, München 1974) Der Verfasser, vielen als Mann des öffentlichen Lebens und Industrieller wohlbekannt, gibt in dieser Veröfentlichung Kunde von Unterhaltungen und Erlebnissen mit Künstlern. Als Präsident der Wiener Konzerthausgesellschaft hat Mautner Markhof natürlich viel mit Komponisten, Dirigenten Sängern, aber aucr mit Malern, Bildhauern, Schriftstellern und Schauspielern zu tun und zu sprechen. Er liebt die Kunst, er liebt die Künstler, und da letztere manchmal eine etwas andere, schwierigere Mentalität haben als gewöhnliche Sterbliche, so kommt es darauf an, mit ihnen richtig umzugehen. Das ist Ja überhaupt die grosse Kunst im Leben, die verstanden sein will. Der Verfasser versteht das excellent. Man verfolgt entzückt manches Gespräch mit Richard Strauss, Kienzl, Karajan, Böhm, Knappertsbusch, Pfitzner, Toscanini, Bernstein und vielen anderen Arrivierten. Und man lernt ihre Art besser kennen als nur durch manches Konzert. Das Echo, das die Meister zu Mautner zurückschallen lassen, zeigt, dass man es mit einem humanen, kunstliebenden Mann zu tun hat. Mautners Gespräche mit Prominenten — Momente voller Charm, Geist und Humor! JULIUS SACHS GEZA VON CZIFFRA: KAUF DIR EINEN BUNTEN LUFTBALLON (Herbig, München, 1975) Wenn der Altmeister des deutschen Films mit diesem Buch seine Memoiren zum Besten gibt, so ist eine flimmernde Dokumentation jener Kunstgattung entstanden, die hinter die Kulissen der Filmwelt schauen lässt. In prägnanten Erinnerungen an die Götter und Halbgötter der Kunst berichtet der Verfasser von seinen Kontakten mit Film- und Theater-Künstlern, Darstellern, Musikern und sonstigen Berühmtheiten. Details, Einzelheiten und Affairen von und um Prominente sind der Inhalt und weiterhin gibt es Schilderungen der Atmosphäre, wie sie an den Drehtagen in den Ateliers zuhause ist. Charmant und liebenswürdig ruft er gewissermassen dem Leser zu: “Achtung: Aufnahme“, und der Leser hat das Gefühl, mittendrin zu sein in einem Filmatelier und etwa eine tragende Rolle zu spielen. So packend ist das alles geschildert, der ganze Filmdreh mit seinen Streifen, Entdeckungen, Szenarios und Modellen, mit seinen Erfolgen und mit seinen Stars und Göttinnen, dass man sehr fasziniert wird von diesem Filmleben und Filmerleben. Welch unterhaltendes und kluges Buch! Und die fantastischen Fotos Ihrer Lieblinge aus Ihren Lieblingsfilmen sind glänzend getroffen. Kurz und gut, Sie werden überblendet sein, wie es in der Drehbuchsprache heisst. JULIUS SACHS HUGO WIENER : ICH ERINNERE MICH NICHT (Amalthea-Verlag 1975) Bekanntlich macht sich ein Jeder über komplizierte Verwandte, schwierige Freunde oder närrische Bekannte lustig und vermerkt deren Angewohnheiten und Eigenheiten, die sie selbst oft auch garnicht wissen. In diesem Sinne schreibt der bekannte Wiener Satiriker, Librettist und Chansontexter sein neues Buch. Er versteht es, sich über alles lustig zu machen, urkomische Situationen über sich und die Umwelt weiss er in vergnüglichster Form sozusagen auf den Kopf zu stellen, und er trifft dabei stets den Nagel auf diesen umgestellten Kopf. Was gibt es für unfreiwillige Situationskomik des Alltags? Man lacht sich, wie er das alles schildert, tot, und trotzdem lebt man weiter, denn so wie er das alles mit launigen Worten durcheinanderschüttelt, ist es die beste Medizin. Diese Humoresken verwackeln die Grammatik des Lebens nur so. Es ist grotesk, wie er schildert, wenn einer in einen Laden geht und nicht weiss, was er kaufen will, wenn ein älterer Herr sich lächerlich macht, wenn er mit jungen Mädchen wie toll herumflirtet, oder wenn das Telefon dauernd falsche Verbindung herstellt oder... oder... Hugo Wiener ist ein Meister in der heiteren Kunst, alles noch komplizierter und noch vergnüglicher darzustellen, als es ist. Es gibt kaum etwas, worüber er sich nicht lustig machen könnte. Er zieht sich und andere schon beim Frühstückskaffee durch den Kakao, es ist ein recht schmackhafter Kakao. Sie, lieber Leser, sind natürlich garnicht gemeint, sondern immer nur der andere. Einige Stunden Lachen ohne Ende, das braucht man heute in diesem herrlichen Zeiten. JULIUS SACHS 22