Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1991
- Issue
- No. 55 (1991)
- Date
- 1991-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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IM STAUBE STIRBT NICHT IHR STAMM; PFLEGEFAELLE: EIN BEDEUTENDER IANGHANS-BAU Die Synagoge „Zum Weissen Storch"' verfällt in Breslau vo,'jerzyk°s Wohl nur Eingeweihte finden im heutigen Breslau den Weg zu der alten Synagoge „Zum Weissen Storch“. Wer die Strasse „hawla Wlodkowica“, die ehemalige Wailslrasse,- ' entianggeht, übersieht leicht die Toreinfahrt am Haus Nr. 5/6, durch die man, einen geräumigen Hinterhof betritt. Hier befindet sich, versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit, die in den Jahren 1827—1829 nach Plänen von Carl Ferdinand Langhans errichtete Synagoge. Trotz?desbaufälligen und 'verwaisten Zustandes beeindruckt der Bau auch heute noch durch seine Komposition und Ausmasse und zählt wohl zu den wenigen verbliebenen Zeugnissen, die daran erinnern, dass sich in Breslau vor dem Zweiten Weltkrieg eine der grössten jüdischen Gemeinden im Deutschen Reuch befand, vergleichbar etwa mit Frankfurt am Main oder Hamburg. Verschwunden ist dagegen die von Edwin Oppler entworfene und 1822 teröffnete Synagoge ,',Afh;An'g'sT“, die Platz für 1850'Personen bot. In der Pogromnacht des November 1938 wurde sie von derf''Nationalsozialisten angezündet und brannte vollständig nieder. Verschwunden ist auch das bescheidene klassizistische Gebäude des Jüdisch-Theologischen Seminars in der ehemaligen Wallstrasse,' 1a.-1854 dank der Stiftung des Kaufmanns Jonas-, „Fraepkel. eröffnet, wurden hier bis gegen Ende der dreissiger Jahre zahlreiche Gelehrte und Rabbiner ausgebildet. Als einzig sichtbare Zeugen dieses zerstörten Lebens blieben in der Stadt bis heute zuu^Lgidische Friedhöfe-und die Synagoge „Zum Weissen Storch“. - J ■ i Die Pläne zu ihrer Errichtung reichen bis in das Jahr i1819 zurück. Die erst 70 Jahre zuvor durch königliches Edikt zugelassene Gemeinde besass zu diesem Zeitpunkt keine eigene Synagoge; der Gottesdienst fand in zahlreichen kleinen, meist landsmanrischaftlich organisierten Betstuben statt. Untergebracht waren sie zumeist in einem der jüdischen Gasthöfe oder in Wohnhäusern, wo ein speziell für diese Zwecke hergerichteter Raum als Betsaal fungierte. Mit dieser versteckten, an mittelalterliche Gettozeiten erinnernden Lage gab sich ein Teil der Gemeinde zu Beginn deS '19; Jahrhunderts nicht mehr zufrieden. Bereits 1780 hatte sich in Breslau — unter dem Einfluss der ..Schriften Moses Mendelssohn — eine „Gesellschaft der Brüder“ gegründet, deren Hauptanliegen die Verbreitung aufklärerrischer Ideen unter den Juden war. £>ie von ihren Mitgliedern angestrebte Öffnung gegenüber der nichtjüdischen Umwelt schloss auch eine Reformierung des Gottesdienstes unter Wahrung seines traditionellen Inhaltes ein. Aus diesem Kreis, der aber bei weitem nicht die Mehrheit der Gemeinde darslejltq, kame.n auch die Befürworter der Errichtung einer Gemeindesynagoge. Unterstützt wurden sie hierbei von den staatlichen Behörden, denen die Existenz der zahlreichen kleinen „Privat-Terfi^t^ÜtTd-fl'SßHtb'eri“ ein Dorn im Auge war. Sie hofften, nach Errichtung einer zentralen Synagoge alle "BefStuben? se+riiessen zu können. So erwarb die Gemeinde ein Grundstück" mit dem Namen „Zum Weissen Storcfi5*, das im südwestlichen Teil der Altstadt inmitten des hauptsächlich von Juden bewohnten Reuscheviertels leg. Mit dem Entwlirf der Synagoge wcrr^d^tier 6 angesehene Architekt und Baurat des Breslauer Magistrats, Carl F. Langhans (1781—186.9), beauftragt, der Sohn von Carl Gotthard Langhans, der das Brandenburger Tor entworfen hat. Die Storchsynagoge war einer seiner ersten Monumentalbauten, zu denen auch einige der wichtigsten öffentlichen Gebäude Breslaus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählten, wie etwa die Börse oder uäs Stadttheater. Der nicht mehr erhaltene Entwurf für die Synagoge entstand vermutlich im Sommer 1820. Zerwürfnisse innerhalb der Gemeinde, deren konservativer Teil in den angestrebten Gottesdienstreformen einen Bruch mit der Tradition sah und daher eine Finanzierung des Baus verweigerte, verzögerten die Ausführung der Pläne um mehrere Jahre. Erst 1827 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden, nunmehr im privaten Aufträge des Kaufmanns Jacob Silberstein, der die Synagoge nach ihrer Fertigstellung im Jahre 1829 an die „Gesellschaft der Brüder“ vermietete. 1000 Personen fanden hier Platz. im Grundriss hatte das Gebäude die Form eines Rechtecks, dessen längere Achse von West nach Ost ausgerichtet war. An die westliche Fassade lehnte sich ein schmaler Vorbau an, durch den man den Hauptraum und — über Treppen — die Emporen betrat. Der Hauptteil der Synagoge, berei s im Jahre 1873 im Zusammenhang mit der Übernahme durch den konservativen Gemeindeflügei umgebaut, erhielt die Form eines kubusartigen Körpers, den ein flaches, kaum sichtbares Dach deckt. Lediglich zwei Fassaden, die südliche und die östliche, deren Anblick nicht durch umstehende Häuser verstellt wurde, erfuhren eine sorgfältige Bearbeitung. Dominierendes Motiv in der Ausgestaltung dieser Fassaden war ein Pilasterportikus, der von einem Dreiecksgiebel gekrönt wird. Die gequaderten Fassadenwände wurden durch hohe Rundbogenfenster aufgeteilt. An der östlichen Stirnseite, über dem Thoraschrein, befand sich ein Okulus mit einer Rosette. Die schöne und gekonnt ausgeführteplastische Ausstattung der beiden Hauptfassaden entstand in Anlehnung an die renaissanceartige italienische Fassung korinthischer Ordnung. Um dem Gebäude das Gepräge eines jüdischen Sakralbau^ zu verleihen, hatte Langhans die Dekorationsmotive der korinthischen Pilasterkapitelle mit orien.alisierenden Motiven wie Palmetten, Papyrus- und Akanthusblättern ersetzt. Er knüpfte damit an im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts häufiger praktizierte Versuche an, durch Verwendung orientalisierender Motive, die an die Herkunft der Juden erinnern sollen, die Funktion der Synagoge als Jüdischen Sakralbau auch äusserlich sichtbar zu machen. Die Architektur des Inneren, eines rechteckigen Saales, der etwas niedriger als der Vorraum lag und mit einem Muldengewölbe versehen war, bestand im wesentlichen aus zweigeschossigen Emporen. An der östlichen Wand bildeten sie ein monumental geformtes „Palladio-Motiv“, das in seinem zentralen Bogen den Thoraschein barg. Die ursprüngliche Dekoration des Inneren bildete — parallel zu der der Aussenfassaden — klassizistisch-renaissanceartige sowie ägyptisierende Motive. Die Synagoge „Zum Weissen Storch“ war trotz ihrer Errichtung in einem Innenhof die erste monumentale Selbs.darstellung eines Teils der Breslauer Juden. Nur wenige Jahre nach Erlass des (Fortse'zung auf Seite 10) &SSSSS!SSf,»m, Ansicht der Synagoge um 1830 m i isÄSeSs iül HM*- j-, INfe-tU Uff'. SBBB