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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 60 (1996) · p. Seite 12

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Aus der Anthologie Kaleidoskop Israel DEUTSCHSPRACHIGE EINWANDERER IN ISRAEL ERZÄHLEN (ALEKTO VERLAG, 1994) KAPITEL-EINLEITUNGEN DES HERAUSGEBERS — SHLQMO EREL In der letzten Nummer unserer Zeitung 'brachten wir eine Rezension der Anthologie .Kaleidoskop Israel — Deutschsprachige 'Einwanderer in 'Israel erzählen”, herausgegeben von Schlomo Erel (Alekto Verlag, 1994). Um unseren Lesern eine „Kostprobe” dieses, für die aus Mitteleuropa stammenden Einwanderer, interessanten Buches zu geben, veröffentlichen wir nachstehend einige Kapitel-Einleitungen des Herausgebers, mit dessen frdl. Erlaubnis. AUF DEM GEBIET DER MUSIK, DER LITERATUR UND DES THEATERS Ein grosses kulturelles Verdienst! deutscher Immigranten war die Gründung des Philharmonischen Orchesters (1936). Es setzte sich zum Teil aus 'Musikern zusammen, die nach der Machten greifung der Nazis in Deutschland entlassen worden waren. Das Interesse der mitteleuropäischen Juden Palästinas an diesen Musikveranstaltungen war gross, da sie keine hebräischen Sprachkenntnisse erforderten. So bildete dieser Bevölkerungssektor das Stammpublikum der ersten Abonnementkonzerte, das sich rasch vergrösserte. Heute (1992) verfügt die 'Israel-Philharmonie' über ein unglaublieh vielfältiges Angebot von sechzehn Abonnement-Serien. Um die ’lsrael^Philharmonie' entwickelte sich die Musikwelt Israels, die durch namhafte Diri. geraten, Solisten, Komponisten und die Neue Oper weltbekannt geworden ist. In seinem Artikel Jeckes im israelischen Thea, ter und auf der Musikbühne geht der — inzwi. sehen verstorbene — Alfred Frankenstein auf die Bedeutung des Beitrags mittleuropäischer Künstler zum israelischen Theaterleben ein. Zwei Schauspielerinnen aus dem deutschspra. chigen Kulturkreis erhielten den 'Israel Preis auf dem Gebiet des Theaterwesen': Hannah Meron (1973) und Orna Porat (1979). Oma Porat spielte sowohl klassische als auch moderne Hauptrollen und war für viele Jahre Leiterin des Jugend- und Kindertheaters in Israel. In Köln als Kind nichtjüdischer Eltern geboren, trat sie nach dem Zweiten Weltkrieg zum Judentum über. Die Schwierigkeiten, denen sich deutschsprachige israelische Dichter ausgesetzt sahen, schildert Manfred Sturmann treffend. Es gab einige wenige Ansätze von namhaften deutschschreibenden, nach Palästina eingewanderten Autoren (z.B. Max Brod, Ludwig Strauss), den Sprung in die hebräische Literatur zu wagen. In der zweiter Generation dagegen gibt es hebräich schreibende Dichter, deren deutschspachiger Hintergrund ihren Erfolg nicht beeinträchtigt, z.B. Jehuda Amichai und Nathan Zach, die beide zur heutigen Avantgarde der hebräischen Literatur gehören und deren Gedichte auch in andere Sprachen übersetzt wurden. Die deutschschreibenden Dichter und Schriftsteller in Erez Israel dagegen hatten und haben besondere Schwierigkeiten: Die deutsche Sprache war verpönt, denn das Deutsch der Nazizeit verband sich für Juden mit furchtbaren Assoziationen'. Else Lasker-Schüler, Arnold Zweig, Joseph Kastein und andere weniger bekannte Autoren kamen daher hier im Lande nicht in gebührender Weise zu Wort. In Israel wird der Kreis derer, die noch Deutsch lesen, immer kleiner, doch der .Verband deutschsprachiger Schriftsteller in Israel’ besteht nach wie vor. Seine 34 Mitglieder sind weiterhin schöpferisch tätig. Ihre Arbeiten und Werke werden zumeist in Deutschland und I Österreich veröffentlicht. Die vorliegende Anthologie bringt eine Aus. wähl von Gedichten und Prosastücken dieser Schriftsteller. Sie beweist, dass man zwar „sein Geburtsland, aber nicht die Muttersprache verlassen kann", wie es ein deutschsprachiger, in Israel lebender Autor ausdrückte. Schillers geflügeltes Wort „Die Sprache dichtet und denkt für einen" trifft besonders auf denjenigen zu, der in seiner Muttersprache dichtet oder denkt. IN AKADEMISCHEN BERUFEN Unter den 50.000 deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, die während der 5. Alijah (1933—1940) nach Palästina eingewandert sind, befanden sich 13% Akademiker: Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Ingenieure u. a. Sie trugen' dazu bei, die Hebräische Universität (Jerusalem), das Technion (Haifa) und das Sieff-lnstitut (heute: Weizmann-institut, Rechowot) auf einen internationalen Stand zu bringen, der sich mit dem anderer Universitäten in der ganzen Welt messen kann. Das kleine Palästina war für den grossen Zustrom von wissenschaftlich ausgebildeten Einwanderern nicht entwickelt genug, so dass eine Umstellung — oft sogar Umschulung — für viele von ihnen notwendig wurde. Nicht alle Rechtsanwälte etwa erhielten die Genehmigung der Mandatsregierung, ihren Beruf auszuüben. Viele der 1170 Ärzte, die zwischen 1933 und 1940 aus Deutschland einwanderten, konnten ebenfalls ihren Beruf nicht ausüben und arbeiteten daher als Landwirte, Bauarbeiter, Chauffeure oder nahmen Gelegenheitsarbeiten an. Der in diesem Kapitel veröffentlichte Brief des ,Vaad Leumi’ (des Jüdischen Nationalrates der Juden Palästinas) aus dem Jahre 1935 zeigt, wie schwierig die Einwanderung für Ärzte war und wie sehr die offiziellen Vertreter der Juden Palästinas die Gefahr unterschätzten, der die in Deutschland verbliebenen Juden ausgesetzt waren. Trotz aller persönlichen Schwierigkeiten, mit denen die aus Deutschland, Österreich und Tsche. choslowakei eingewanderten Ärzte zu kämpfen hatten, trugen sie wesentlich dazu bei, das Gesundheitswesen in Israel auf eine moderne Basis zu stellen. Diese Einrichtungen des israelischen Gesundheitswesens sind als fortschrittlich und leistungsfähig bekannt geworden. In dem Artikel Tn Erinnerung an Pinchas Rosen — Auf dem Weg zum Rechtsstaat wird der Anteil der aus Mitteleuropa eingewanderten Ju. risten an dem Werden des 'Rechtsstaates Israel, der einzigen Demokratie des Mittleren Ostens beschrieben. Dieser Beitrag ist wahrscheinlich das wesentlichste Ergebnis der 5. Alijah. Mitteleuropäische Juristen sind im israelischen Rechtswesen in die höchsten Ämter auf gestiegen. Zu Ihnen zählten der erste, jahrelang tätige Justizminister Israels, Pinchas 'Rosen, Präsidenten und Richter des Obersten Gerichtshofes, Gene, ralstaatsanwälte sowie viele Richter und An. wälte. Diese Juristen haben entscheidend dazu bei. getragen, die Fundamente einer Gesellschaft auf dem Weg zum Rechtsstaat zu legen. „MEIN JERUSALEM" Welche Bedeutung Jerusalem für die Juden während ihres 2000jährigen 'Exils und nach det Heimkehr ins Land der Väter hatte, bedarf keiner näheren Erklärung. Jerusalem war das Symbol und die Metapher für die Heimkehr und den Aufbau des jüdischen Staates. Die Diskrepanz zwischen 'Ideal und Wirklichkeit, mit der die Palästina-Einwanderer konfron. tiert wurden, schlug sich auch in Lyrik, Prosa und anderen Literaturgattungen nieder, von denen eine Auswahl in diesem Kapitel vorgestellt wird. Sie vermitteln ein Bild vom Jerusalem der drei Religionen, einer Stadt, die während der Mandatszeit Treffpunkt der internationalen Elite war, die immer wieder heiss umkämpft wurde und leidenschaftliche Emotionen entfachte. Jerusalem ist im seiner kaleidoskopishen Vielfalt ein Teil des Landes Israel, doch darüber hinaus ist die ewige Stadt ein Sinnbild für die Grösse der menschlichen Geschichte und ihrer Unzulänglichkeit. Der Artikel von Teddy Kollek, dem langjährigen Bürgermeister von Jerusalem (seit 1965), hat besondere Bedeutung, denn kein lebender Israeli hat das Bild Jerusalem so entscheidend geprägt wie er. Die imposante Bautätigkeit der Stadt und der ehrliche Versuch, die rivalisierenden Bevölkerungsgruppen (Araber und Juden) zu einer friedlichen Koexistenz zu bewegen, sind Teddy Kolleks grosse Beiträge, Kolleks Artikel handelt von seinen Jugendjahren in Österreich und Deutschland während der Nazizeit und seiner Tätigkeit im Kibbuz Ein Gev. Diese frühen Etappen auf Kolleks Lebensweg sind ein Teil des Werdeganges des Bürgermeisters von Jerusalem und gehören damit auch zur Ge. schichte der Stadt. UNSERE NACHBARN In Israel sagt man im Scherz: Nur schade, dass Moses, der Vater des Volkes Israel, sich in der Geographie nicht auskanrrte — er machte den kolossalen Fehler, sein Volk im Mittleren Osten statt in Westeuropa anzusiedeln. So haben die Juden die Araber als Nachbarn bekommen, und diese werden niemals nach dem Vorbild des Kan. tonsystems der Schweiz friedlich mit den Israelis Zusammenleben. Dieser Witz hat einen wahren Kern, und doch glaubt ein Teil der Jüdischen Bevölkerung — darunter auffallend viele mitteleuropäische Juden — immer noch an eine Koexistenz mit den Nachbarn. Es ist bemerkenswert, dass Vertreter der mitteleuropäischen Landsmannschaften seit jeher zu den prominentesten Fürsprechern einer einlenkenden Politik den Arabern gegenüber ge. hörten. Persönlichkeiten wie Dr. Arthur Ruppin, die Professoren Martin Buber, Ernst Simon, Gershom Scholem, Hugo Bergmann, S. Sambursky (Fortsetzung auf Seite 13) 12

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