Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 122)
- Language
- German
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122 Auch ist's ein öder unbebauter Strich, Wohin ich sehne, und wohin ich walle, Ein traurig Wüstenland — zwar vormals glich Es einem Garten bei der Königshalle. Du sähest, Israel, ans Bergen und im Thal, Au Wasserbuchen deiner Städte Schimmer! Versiegt sind längst die Quellen reich an Zahl, Und von den Städten sieht man nur die Trümmer. In ihrem Schutt — mein Volk hat sie bewohnt — Laßt nun an Lhräncn und Gebet mich laben! Laßt mich hinauf den Berg, wo sie gethront, Und in die Höhlen, wo man sie begraben. Zu Gräbern, ja, geht meine Pilgerfahrt. Oft dort zu Gräbern wallen fromme Beter; Doch meine Gräber sind besondrer Art: Es sind die Gräber meiner Väter! - III. Das gelobte Land. O, wie herrlich stehn Jehudas Waldeshöhn im Morgcnschein! O, wie traulich deine Schatten, Mamre's Tcrebinthenhain! Alles das Hab' ich gesehen, als ich noch ein Knabe war, Wundernd sah ich's in der alten Holzschnittbibel sonnenklar: Wol erklärte sie ein bärt'ger Patriarch, mein Ältervater, Lauschend auf den Kniccn saß ich meinem Führer und Berathcr. Und die alten Wunder tauchten auf vor meiner Seelen, Und die hin und wieder zogen auf langhalsigen Kameelcn, Wie der Herr zu ihnen sprach aus Feuer und aus Donnerwolke, Wie er fette Wachteln schickte und das Manna seinem Volke. Wie sie's endlich froh begrüßte», sie, die vierzig Jahr gcrcis't. Jenes Land, das lang ersehnte, wo da Milch und Honig fleußt: Wo sic jubelten und sangen, wo sie kämpften, wo sie stritten Unter Königen und Helden, wo sie klagten, wo sie litten! Mit den Priestern stand ich betend, opfernd in des Tempels Hallen, Zitternd hört ich der Propheten zürnend Donnerwort erschallen, Singend schritt ich vor der Lade her in ernstem Feieriauze — Blühend standen die Gefilde rings im milden Sonnenglanze. Ach, aus dem poet'schcn Knaben ward ein Greis im Silbcrhaar, Und wie liegt das einst so schöne Land nun wüst, des Reizes bar! Doch ein Trieb das Land zu schauen, ward dem Greis ins Herz geflößet Noch sind beide, Land und Greis, nicht der Poesie entblößet.