Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 57)
- Language
- German
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hörte, seine" Lippen bebten, als wenn sie das Gehörte nachflüstcrtcn, und er sagte endlich laut, aber tonlos und mit dumpfer Stimme: „Ein Betrüger ist er, der sich für einen Kabbalisten ausgibt, um Ignoranten, die sich durch seine scheinheiligen Mienen täuschen, Geld abzulocken. An manchen Orten hat ihm auch seine List Frucht getragen, denn er hat den Kopf voll von den ausgesuchtesten Ränken; a» vielen Orten aber ist es ihm dennoch mißlungen. Man hat seine Spitzbübereien entdeckt und ihn mit Schimpf und Schande weggcjagt." Ter Wirth stand während dessen wie versteinert, und der Schulmeister fühlte das Blut in seinen Adern gerinnen, da er diese wunderbaren Beweise der innigen Gemeinschaft erhielt, in welcher der Fremde, an dessen Heiligkeit er selbst zu zweifeln gewagt hatte, mit den Engeln lebte, die ihm sogar, wie er nunmehr mit Entsetzen über seine Sünde erkannte, dienstbar und gehorsam waren, und die Lästerungen des Eantors mit buchstäblicher Treue berichtet hatten. Als jetzt aber der Bal Schein sein Haupt wieder aufrichtete und „Weh! weh! weh!" rief, verlor der vernichtete Schulmeister fast das Bewußtsein, die Branutweiuflaschc entglitt seiner Hand und fiel klirrend zu Bode». Tiefes Geräusch verscheuchte aber offenbar die Engel und brachte auch den Rabbi aus den höher» Regionen in die niedere Wirklichkeit zurück; denn er wendete sich rasch um und warf den Gebctmautel ab. Er schien ein wenig matt, aber sein Auge war hell und klar, und sein Gesicht leuchtete von Freundlichkeit und Wohlwollen. „Sieh da," sagte er, den Schulmeister scheinbar gar nicht beachtend, „mein lieber Wirth denkt an mich. Ihr bringet mir ungerufcn mein Frühstück. Das ist eine dankcnswcrthc Aufmerksamkeit." „Ich dachte mir",,— stammelte der Wirth, der sich noch immer nicht erholen konnte, „ich glaubte" — ,,Ei! Ihr seid ja ganz außer Fassung," versetzte der Rabbi freundlich lächelnd. „Aber ich weiß wohl, was euch beunruhigt. Was ich euch voraus sagte, ist eingctroffcn, man hat meinen Stand bezweifelt. Doch macht euch deshalb keine Sorge, cs soll deshalb kein Unglück über eure Stadt kommen. Ich weiß, daß ein Verläumdcr gegen mich gesprochen hat, der