Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 44 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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1. •»;otifntbcr 1906. t'einblicb tü als dem gewiss umuatncii Mumenions jndelitilw der Bogel stein und 6)enosse». Gs giebt kein modernes Bolksleben. in dem auch 'nur das, was die^Bölker rh’cliflton nennen, an ״ädernd die Stellung einnädiiie. die ׳ür uns der Majestät des Gonesgesepes tiobühvt' llcberall und Kxaזtentwicklnn 1ן und <>׳edeiden die ״ttllchen Maffstäbe für alles nationale Wlrkeir, und je döder die Wogen der jüdisch nationalen Begeisternng steigern, desto siegreicher hält auch 1» den jüdischen »reis diese Betrachtungsweise idren Einzug. Tas müffte gewiff nicht mit logischer Rot ivendigkeit so sein, denkbar lväre eine;ionistische Partei, die sich bewnffter lind ausge sprocheiiermaffen ans de» Boden des alte» ,üdischen Bolksdegrisses stellt — aber non einem solchen Zioilismns daben wir bisher nie und nirgends ein Smuptom erblickt, und der Misrachi mir seinem dualistischen Programm, seinen be ichränkten Machtmitteln und seiner vielleicht da durch bedingten gutmütigen Politik schein! uns leider nicht dazu angetan,das groffe Werk der Umwertnng aller zionistischen Werte vollbringen. ׳Was er an praktischen Zugeständnissen unter Umstünde» eicnigelt mag, säiil sür die Beurteilung der hier angedenieren prinzipiellen (Gesichtspunkte nicht ms (Gewicht. Theodor Herzl's Wort aber von der ״Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Zndenland'' das möge der Misrachi i»1 »» Interesse der geschichtlichen Wahrheit doch lieber!!!cht sür seine Propaganda verwerten Herz! hat linier zz!we!!c!nn Nicht da».- ,^uoeutulu des Mischrachi verstanden, 1dm war Indent׳!!!.׳, der >romplex der geiUigen, der idealen Werre, die das jüdische Bolk in seinem geschichtlichen Veben geschussen hat, und die, noch bevor ein Charter die Prorten Palästinas öffnet, die der ׳Dissimilation versallenen Glieder dieses Bolkes einftiveilen zur jüdischen Bolkskultnr;nrückriiseu sollten. Taff von dieser modern gesafften jüdischen Bolkskultnr;11 unserem Judentum hinüber eine 0׳ ebene, gemächlich zu passierende Heerstraffe uiiut — davon hat uns leider auch die Znschriit. deren ernstes Bemühen um »larheit wir anerkennen, nicht zu überzeugen vermocht. (Ion Menclel;;obll bi; Herr!. ׳pnichoiogischc Lludieu zur!..diiciicu Olc'ckn.kilc׳. Bon Tr. Raphael Breuer, Zranklinr a. M. II. R leffe r. 'Was Mendelssohn sehlre, besaff Rie׳ er in reichem Maffe. Geschaffen zilin beredten Filter vrere» brennender Bolkslvünsche, ivarRieffer kein Snibengelehrter, kein einsamer Grübler und nachdenklicher Philosoph, der über andächtige Morgen srundeii und die wer iveiff zu wievielreni Male bewiesene Ilnsterblichkeir der Seele das Werden und das gebieterische ,fordern einer neuen Zeit vergifft. Tranffen mitten aus dem Markte des vol'.tischcu Tageslebens fühlte Rieffer uch wohl, und wenn er' drauffcn stand, umspielt von den Viiften einer sreieren Zeit, durchglüht von den Wünschen eines nach Freiheit dürUeiiden, nach einer Bcrsassnng schreienden Bolkes, da gedachte er seiner armen Stammgenossen, der sichtbaren und unsichtbaren Zndcngassen und schivor, es müsse anders werden. Gr hat seinen Schwur neu gehalten, iff seiner Jugendliebe nicht untreli lvorde», und iveuu er auch den lepten Hammer 'chlag, der erst 1 *יי»'.* fiel, nicht mehr erlebte, mit ׳׳ein naben Bewusstsein schied er ans dem Veben, nir die :liechte einer geknechteten »laue mannhast "»getreten zu sein und auch mit Grsolg gewirkt in baben. :'Illeiithalben ivurden die Segnungen ׳einer machtvollen Persönlichkeit sichtbar. Gr hat 's Gewisse» seiner deutschen Vaudesbrüder ans!׳׳rüttelt und hat sie gemahrit, daff eine groffe, 'äiwere Bäterschuld noch abzunage» ieMmö mit ',v Scharte liesiuuerlicher, off an -Llniloksche Bitterkeit mahnender (Gereiztheit hat er Vicht uld!/»ft sür das jüdische Bolk gesorderr. Wer unl ׳olcher Gulschiedenheit zu tordenl wuffte, - ::ce nnmöglich sordern, ohne gehört zu werden. Der Zsrartit Bei all seiner Gigenart bleibt Bieffer doch nur ein oder doch der edelne Reprä'enlant der Gmanppalioiishklden, denen der Schneckengang der volllische»! Gntwicklnug Tkinschlands zu nn erträglich dünkte lind deshalb beschlossen, ihn;um :'Idlertlng zu beschleunigen. Tie deutschen ,Hilden Hanen plötzlich die ta»l>end1ährige »1»1ff der 'Bor sahren verlernt: zu warten. Warten nein, das konnten sie nicht mehr. Tas Reiterlied in limgekehrter Stcophensolge könnte das Schlagivort, das Merkzeichen dieser nervös erregten Gpoche gewesen sein: (Seffern dnräi die 'Brun geschossen, heule schon aus nvlzen Rossen nffv. Tie ganze ׳Hikuntt strebten Männer wie Rieffer vorwegznnchmen. ,'s» dieser llnersättlichkeit ihrer Wünsche — wer möchte ilwen daraus einen Bor wur׳ machen' , lag ihre Gröffe und ihre Schwäche zugleich. '\bn־ Gröffe: den» ne waren wirkliche Helden, die vor keinem bureaukratische» Stirnrnnzeln, vor keinem ungnädigen »abinekts beschluff, keinem antisemitischen '.'Ibstiinninngser gebnis teige kapilnlierten, sondern in settem Ber trauen ans die gute Sache, die sie vertraten, sich, wenn auch den Sieg, doch »jemals die Siegen boffiiniig, die Zuversicht ihres Herzens raiiben lieffen. Man kann sich an der :'In, wie vffelbi'che ,Hinker noch heute mit Spröfflingen ans ׳.'Ibra Ham-.- Samen nmzuspringeu pflegen, eine nn gesäbre Bornelliing von der Miffstinininng machen, die Männer wie Rieffer aus ihren idealistischen Grpedikioiien in ,Feindesland vorsanden, wenn sie mit tropiger Miene, sie die Böenigen, Millionen übelgelaunter Bolksgenoffe!! zur ge'älligen Grn! ner!!ng brachten, daff unter dem 01)!!!<11<-זו)'«1'״ס der Hnnianilär betrachtet, eigentlich doch auch Zuden Menschen seien. Und je schlagender ihre logische Beweisführung, je uuerbittlicher da-.- zivingende Muff der liberale» Schlnffkette, mit welcher sie den bösen Gein des deutschen Michel zu senelil sich anschickteu, je mehr ne im Recht, deno peinlicher das Geffihl ans der anderen Teile, diesen Beweismitteln, diesen liberalen '.'Irgunien talionen Recln geben zu »lüsien, deno nuerlräg licher Irr (Gedanke, daff der deutsche '.'Bichel von Rechts ivegen selber und ans eigenem ׳.'Intrieb aus all das hätte schon längst Versalien müssen, was ihm der jüdische Schulmeister ach, mit welchen Schwierigkeiten — beibrachle. Mag sein, daff die deutsche Zndenenianzipakivn, deren praktische 'Berwirklichnng bekaniitlich noch so viele Vücken allsweiü, glatter und vollkommener ausgefallen lväre, wenn wir nicht hätten um sie flehen müssen. Tas Resultat eines Bittgesuches kann recht erfolgreich und auch von Toner ׳ein, kann» muff es ober nicht. Was mir gewährt wird, kann mir auch entrissen »׳erden. Tie Hand, die schenkt, kann auch wieder nehmen. ׳.'Inders, weilii man uns mit der Gmauzipation gekommen lväre, wenn ne nicht als elviger Punkt der!11 dischen Tagesordnung, sondern als »onseguenz des freiheitlichen Gedankens, der damals am Z-irmament immer strahlender amblimr, als ffeie geiepgeberische Tat mündig gewordener Rationen proklamiert worden wäre. Bielleichl hätten nur länger warten müssen, vielleicht auch nicht. Biel leicht ständen wir heute weiter und besser als so, nachdem mir mit zahllosen Pctiffonen die Abge ordnetenhäuser überschlvemmt und es noch nicht einmal so weit gebracht haben, daff man in de» oceidentalen »ullurzentren an unsere orientalischen Rasen vergifft. Bielleicht aber auch - wir und pr g rvohlit, alles Gegebene nicht als znsällig so seiend, sondern als wirklich und im Zusammen Hang mit einem groffeu Welteuvlan gegeben zu betrachten —muffte die Gmauzipatio» der deutschen Zuden ihren Weg an der Hand von Rlkffer zurücklegen, und stand er mit den übrige״ Z-reiheitshelden lnitcr dem Zwange einer höheren Geschichtsnotivendigkeit, wenn ne ungeduldig waren und nicht lvarten konnten. Gr ha! es an seinem eigenen Vci5 oi'alniii, was das heim, ein rechtloser Mensch sein. Zn Heidelberg, als er Privaldozent lverden wollte, und es nicht werden konme, weil er bleiben sollte, was er ,verden muffte: ein simpler Zude, lvie ׳ein "'׳ro valer R. Raphael >kohu, von dessen Hr ll?eite ZI ei sch und 'Bein, vielleicht auch geistiger Besäht gnng er war, von dem er aber das bochlte nicht geerbt hat. was er bel'aff: sein Zndentnm. Gs ist viel schlimmer, nicht Heidelberger Privatdozenl lverden zu können, wenn man lange Zalire daran gedacht und davon geträumt, als in der Zuden gaffe den Veibzoll;» entrichten und nch von jedem Ziegel scheel anschanen zu lassen. T!e>'es in objektiv, jenes subjektiv verlebender. Wer '.'Insprnch an׳' Staatskarriere hat, nnd man hat nur lvelchen als vollgilliger Mensch, wird nicht am empfindlichsten verlebt, wenn man ihm gelbe Zlecken aiiklebr. aber er wird;1, Tod verwundet, wenn man ihn mit vergoldete» Radeln Nicht nnd feindselig von ihm abrückt, wo er sich in über strömendem 'Bruder und Zreniidesgesühl innig anschmiegen möchte. Tamals, als man ihn um seine goldenen Berge brachte, in Heidelberg, wo er nicht ahnte, daff diese Berge sür ihn vorhanden, aber noch rveir weg, um Zahrzehiire eiitsernt vor- Händen seien nnd er bestimmt lei, den 'Weg dahin zu ebnen, stand ilmi seine '.'In'gabe fl r vor ׳.'lugen, der er sei» Veben widme» muffte, und ans dem gedrückten Heidelberger Toktor ward über ׳Rocht ein zum Siegen bennnmter Heros. Ter Gmauzipalivilskamps hat leinen .'»weiten her vorgebracht, der sich an Mut nnd Ghrllchkeit mit Rieffer vergleichen lieffe, keinen, dessen Bild smnpalhi'cher berührte als das ieinige, keinen aber auch, bei dem der groff angelegte Mensch es schmerzlicher vermissen lieffe, daff er nicht zugleich ein eben ׳<׳lä> groüer Zude war. .. 7 .k .. itHCtUUi iUUUborrespotrdenzen ' <*' lurd H^achrlchteu. C1cutrd!c6 Neid). Bcrlin, ex. Oktober. Boi» Hilssverein der deutsche» Zuden wird uns geschrieben: Ter .°lo. Cftober, der Za h res rag des sreiheitverheiffenden Zarenmaiiisestes in allch der Zahreslag der furcht baren Massenpogromc in Rnffland. Tie Wunde, die durch diele Mebeleien ben russischen Zuden geschlagen wurden, sind noch lange nicht vernarbt. Zahrzehiue noch irnrd die ganze russische Zlldeuheit unter dein schweren Schlag, der sie getrossen hat, zu leiden habe». Haben doch in t4׳<> Ctt• schalten des weite» Rnffland, von jenem Tag bis henke grausame Zudenmebeleieli stattgesuuden mit all den verheerenden 'Wirkungen für Veben und Glgeiitinn und all den Schrecken, die uns durch die Häungkeit der Pogrome nur;» sehr bekannt nnd. Tie Gröffe des Zamniers, der in einem einzigen Zahre gestiftet wurde, drückt sich grell i» solgenden Zahlen aus: rlusgeplündert oder ׳onstwie in ihrem Bermögen geschädigt wurden einschlieffllch Siedler^ ,\anulifn mit lt'׳V70«» Personen. Ter ge'amte BermögenS schaden, der entstände» in, beträgt .'»V 11* T0.*> Rubel Geschlagen wurden Personell. Tie '',ahl der Berwundelen beträgt viele, viele Tau sende, die Zahl derjenigen, die durch ihre Ber wuudnng einen dauernde» Schaden an ihrer Gesundheit genommen habe», iü allein 14'.c'. 3*0 Zrauen ,vnrden Witwen, VI l .(kilider sind voll und I3v* halbverwaist. Solchen Schäden gegenüber muff naturgemäff!ede Hill-.-aktion lurzureicheild bleibei». :Iber doch ,vor allch die Groffe der Tpserwilli^kcit im höchsten t^rade erirenllch. Sie betätigte nch aus