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Der Israelit · 1906-06-21 · 25 (21.6.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
25 (21.6.1906)
Date
1906-06-21
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Sc1ullcton*23eilaac zu 2lx. des ,Israel it^. Xx XX x־x xxxxxxxxxxxxxxlcxxxxxxxxxxfc x xX fitaftlicf) D<r(fhrlf, so vergaß er dennoch nicht bei Ida seinen Botenlohn einzustreichen. An Wochentagen herrschte bei ihm der!!erstand, an Sabbattagcn sein Gefühl, ivrlches sofort beim Umwechseln der freier׳ tleider mit dem Werktagsgewand zum schweigen gebracht wurde. Ida war zudem nicht knauserig, und bei Mosche Brück stand vorläufig GesMsts und Liebeskonto in zwei verschiedenen Büchern, (fr hatte die Armut früh kennen gelernt, zualeich auch, daß nur bei großem Ileiß und ebenso großer Sparsamkei! Leute seines Schlages sich der Armut e»:- winden können. Jrnnon 11. Phinlins in Der picknM. Bo» Arthur Katin. '»!! ׳.'iachdeuck verlöten. Drei Jahre daraus starb seine Mutter. Aach deren Begräbnis kam der Parncs, diesmal ohne seine lange Tabaksvieite, setzte sich dem weinenden Knaben gegenüber und begann: ,.Mosche, Deine Mutter ist jetzt tot: wol.l ihr. sie hak nebbich') wenig Gutes in ihrem Leben gesehen. 2ie hätte eigentlich gar nicht heiraten sollen. 2k wäre dann leine Witwe geworden und Du keine Waise. Doch, das ist jetzt vorbei, Hier in dem Häuschen kannst Du nicht bleiben. Laß' uns die Läden schließen und die Thüre. Deine Tckiwwe־) und Scklauschim ׳ wirst Du bei Schimme Bär ballen, welcher Dein 'Vormund werden wird." Wenige Minuten daraus lag Mosche'- Eltern Haus mit sk''tvcrschlossenen Läden im Sonnenschein des warmen Innitages. als wolle es mit geschlossenen Augen über vieles nackdenken und schlafen. Mosche ward mit den Jahren Schimme Bär's Faktotum. Als Tckimme Bär eines solchen nicht mebr bedurfte weil er dabinwaiiberlr, >oo es über hauvt keine Bedürfnisse mehr aibt. ging Mosche an» die Kinder seines Wohltäters. 'a׳nml denen ׳ibrigem Grbe über. Als solche; Grb'tiick trug er immer Ivenigkr Zin'en ein. denn er backte mebr an die Ber mebrung ׳'einer eigenen, als an die der Güter der kerben Sckim׳״e Bars. Und als er nck allgemach ganz und gar von jeglicher Arbeitsleiitung emanziviert batte, blieb er dennoch aus reiner Anhänglichkeit an dir Kinder. wie er versickerte, in seiner Stube über dem Kelterbaus >vok:wn. Bald batte er auch raus׳ gesunden, daß. die schwersten Arbeiten die wenigst!ebnenden sind und daß ein Heller Kops sozusagen beim Tvaziereogeben sein Geld oerdienen tann. (5r wurde Debliack. ein Boienaänaer, eine »ür die Zeit, in der Poll, Gisenvakm und Telegraph nur bevorzugte Plad.e berülrten. höchst wicktiae Persönlichkeit, Gr überbrackie mündliche und schriftliche Botschaften zwischen Mn Handel» und Geschäslsleulen aus den umliegenden Dörfern und Marktflecken, besorgte Packele an ihre A.drest'i: und er'välite dabei zuweil-'n »och einen Ret״ »verdienst. Auch unterzog sich Mosche gerne jeder 'libeil anderer Art. wenn sie nur nickt allzu bau war und etwas einbrackte. Trat ein Sterbeiall ein. 0׳ erbot er fick zum Wachen bei der Leicke und nab״! jede t^ntlohminct, die ihm geleistet wurde, dankend an. Ta er werkwürdigeriveise in jedem Berllcrbenen einen, besonders g»׳,n freund verloren zu bat'en versicherte, ׳'o ließ er die Hinter bliedenen leickn inerten, daß er gerne ein Andenken an denselben, gleichviel ob cs Hemden oder Bleider ׳eien, annehinen :ürde. Am lievsten üdernadm Mosche A!1׳:rä׳e von >r Putz!!:?.:-rin Ida Tannendusch. de׳en rus-ge brriirte Jv»ne׳.?::, ׳! .:::!er dr:׳. Banernweibe:n -!1,׳ un enlbebrüch Hüte und Hauben wa.7-׳n!eickter zu nagen. ׳ckuoerc Gklmeackc!,׳. W״׳׳.n :Roicke auck, Mi Abgabe Kiner Hut'chgchieln!ni: de״ Dori schönen ichäkenc und ״:it den Bauernbnr'cke׳ ״:eunt 1 מיז «!•,v'rtibow. a-.;a> I <1:1♦ »:•. K-nnr:veidtclndc: tlu»Mu11 iü.J• Vrb.uirrn». 2' dir inbo״ eitlen dr:::erläge. u btt Nt׳ dru ״Wer was erworben hat, kann überall an klopfen," batte Schimme Bär bäusjg gesagt und Moscke hatte es sich in den Kops gesetzt, aus Grund dieses Spruchs seines ehemaligen Wohltäters, dereinll dreist an.zuklot'scn. Wo? Bei wem' Da״ ward Mo׳ct!e erst klar, als ein Rioale, den er bisher gering angeschlagen, diesen fragen eine bestimmte!»tichrung gab.!5peinigt? ihn schon lange, daß Bunnewitt. dieser faule widerwärtige Bursche so häufig unter dem Fenster der Putzmacherin itand und diese mit ihm schwatzte und lachte. Was konnte es ihn trösten, wenn er mit großer Geduld ausharrte, bis ein Hut ober eine Haube dergericktet war. welche er dann in ein Dorf beförderte, wenn Ida, während sie Bänder, Blumen oder Spitzen harmonisch zusammennähte, ihn neckte, zuweilen schelmisch mit ihm lächelte, ihm beim Iangehe» einen freundschaftlichen Klapps gab? Würde sie in ׳einer 'Abwesenheit dasselbe mit dem verdutzten Bäcker nickt gleichfalls tun? Während er im Sonnenbrand oder Regen die Landstraße fürbaß wander:c, ׳;and Bunnewitt am o'knen Jenner, an dem Ida arbeitete und dabei die Straße a׳!s und abspabte. Beraebli b saun Mosche darüber nack. wie er den unbequemen Bunnewitt von Ida fernhalten könnte. Dawar es, was allmählich seine geschäftliche!, Wertlag-gedanten mit seine» sabbatlichen Gefühl«׳!:, die er srül»er so streng auseinanderhielt, derart der mischte, daß sowohl in seinem Schädel, wie auch in seinem Herzen eine große Verwirrung Platz griis. (5s kam ihm daher sehr gelegen, daß er Gustav Limbaciier antrat, dem er sein Leid offenbaren und um Rat fragen wollte. Gustav hörte aufmerksam zu: alt'o auck der. backte er, träal Liebeslust und -Leid mit 'ick. Auch ihm war es in dieser Stunde darum zu tun. sich einer sßreundesseele zu offenbaren: nun warb er 'kalt desien zum Zuhörer: erll als sie die Stadt erreichten, war er wieder Herr seiner Gefühle geworden, die er nunmebr niemanden zu verraten gedachte. (5r erschrack sogar bei diesem Gedanken: ja. er begann sich ihrer zu schämen, ohne sich eingestehen zu wollen, daß diese- Gefühl seinem Standesdünkel entsprang, der sich unbewußt verletzt *iifilte, daß ׳eine edelste Empfindung einem Mädchen ohne Rang und Reichtum galt. Mebr betlommen wie beglückt, betrat er die Wohnung, wo eben die Ireundinncn ׳einer Schwester sich verabschiedeten. Bersioblen eilte er durck einen Deiteneingana ins Kontor. — Htzne große Grrigniste zn bringen, iloß die p,:i! rubig bin und die Rübe der Bürger ward durch!einerlei Ziv.scken'ällc gcsiöit. Hunger und Liebe, welche nack des Dichters Meinung, daganze Well aelriebe au'reckt erhalten, taten ibre P'lickt dabei, wie überall in der Welt. War es nickt gerade leib sicher, dann war es der Hunger nach Gold, Ghr-e und An'eben der die Menschen täasick von neuen׳ an ׳vorn׳,׳ un Arven und zn Gniwürkn. Die Liebe ׳lächelte zuin >5br.1e׳z oder macktc die ''),'er.'chcn ver!ran::!:. ~r ׳!::׳׳!!!!? »rähsick aber irauria: verdvvp׳׳l:e d,n cki'er eei denen, die Her; und Verstand als Ziveigc'vann vor ibren Ledcnswagen zn ״'׳annen nn*׳ zu zügeln vertranken: verminderte bei anderen die Energie, wie es eben zu allen gleiten und an allen Drten nck degeden bat und in kom׳.׳.׳.enden Zeilen :eiedcrbvlen nur?, ^v war es denn auch eine Liebes kvitemie. die Bella I5riedbera und Gnsiav Li!n'׳acker ^xxxxxxxxx XX X x'x X >C den Boiengänger Mosche Brück und den Handlungsgehilfen Roienttein und schließlich auch (5mma Korn ergriff, als sich in ihr eine langsam keimende Reigun.z zu Gustav entwickelte. Ihre Liebe entsproß einer stillen Bewunderung vor Gu'taos kühnen gesckzästlicken Unternehmungen, die von glänzenden Gefolgen gelrönt waren. Die glaubte darin eine ungewäbn lick« tsienialiiät zu cnldecken und vor einem Genie, das so kühn erobernd das Glück bezwang, empfand sie eben Hochachtung. Ihre Liebe oerursachte ihr aber kein brennendes, im Schmerz sich wobl fühlende- Web. Ihr harte- Raturell mit seinem unbewußten (5goi-- niukannte nickt die zarten Regungen die eine l׳׳bend׳e I-rau durchzittern für den Mann ibrer Wahl, ol.ne zu fragen, was das Schick'al aus ihr gemacht und wie es ihr Leben gestaltet. Sie liebte eben in ihr^r Weise; einer Weise, die ein anderes Mädcken vielleicht gar nickt als Liebe bezeichnet haben würde. Iür die Liebe gibt es eben kein besiiiunnes Schema. Und 1'v trugen die Liebenden ihr süße- Web. ein jedes nach seiner Gigenarl. Wer mit allen Iasern seines Herzens, wer bvsinuiigslos. wer entiagungs willig liebt, der vsjenbart es nickt und trägt sein Leid siill in tie'siem Herzensgründe mit sich, durch das Gelviibl und die La't des Tages und nimmt es wir sich in sein verschwiegenes Kämmerlein traumsebnend — denn nichts gab Gott der Liebe offen, als des Herzens kleinen Raum: rür den Tag ein stille- Hoffen, für die Rächt ihr einen Traum. Bellas Liebe für Gustav wuchs im Stillen fort, und auck er liebte immer mebr daschöne Mädchen denen Wesen in diesem ersten Grglüben für den teuren Mann einen schwärmerischen Leidenszug annahm, der daieingemeiseltc Antlitz mit einem seelen vollen Zug dnrchhauchte und ihren dunklen Auge» einen schwermutsvollen Blick verlieh. Langsam, ganz allmählich zogen die Schatten der Zwsifel in ihrer Seele aut, welcke sick .(Zindern der Armut schon so frühe wie Moireik aus die Seele legen. Gs mar immer seltner geworden, daß die Liebe allein zu einem Lebensbnnde führte. Kenntniste. Misten, gut: .Herkunft, die trüber für ein? zu schließende Ghe als ausschlaggebend gegolten hatten, und den ärmsten Jüngling dem reichsten ebenbürtig gemacht hatten, Schönheit und Hänslichkeik und was sonst noch bei einem Mädchen begebrenswert erschien, all das hatte nickt mehr den alten Kurs und die während des Ghettolebens häufigen Ghcn zwischen arm und reich kamen fast gar nickt mehr vor. Iemehr man im Städtchen von den großen Geschäften, deren Seele die beiden Limbacher waren, sprach, umso beklommener ward e- Bella ums Herz. Grweiterte sich doch damit nur noch mehr die Klu't, die sie beide schon ohnehin trennte. (Fortsetzung folgt.)!Lege» Ra»»״»angele> munte die lßori'enuag deo Roman»« ״Heinrich Beer" zurückgeftellt werden. Sabbat-Anfang n. -Ausgana. - - * re •קדח. א ־־ ־ o k ו ülufanq Ubr '״•?יי. Datum Ausgang. Uhr M>" lRrttni .... i t:. Cutm Ü). 2110,in 9 40 זע■.a 7 l> 9 40 flttltn * 11<־. 9 X)!viSnchc» . . . l.T!1 0< XluUgdtt . . . 7 Hit '» J4 Xttattbutt) 9 :{0 v»'»n .,n N 21 SKilm . > 9 42 Brest«״ . , t" :1 ns WftrnbttA . . . .)•> 9 1" Part« . . . Sil־. M ר.צ »tc«.; rr» s jo vr»«. Somit.,( ■ju; u I. יי;: Jiimu# ׳׳: נ׳ ־'*n 9 lj

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