Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 9 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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י! Wr\ 3eiu 4. Der Israeli, l Marz ÜH>6. bietet eine Parallele, oder irgend welche Beziehung, welche auch nur im Entferntesten den Vergleich mit einer Kirchweih rechtfertigt. 3. Wenn jemand in einer Kirche den Gottes dienst am Osterfeste stört, so hat er nicht das Osterfest, sondern den Gottesdienst gestört. Was für die Kirche am Osterfest recht ist, ist für die Synagoge am Laubhüitenfest oder an jedem anderen Feste billig. 4. Das Zimchas-Thora-Fcst, um welches es sich hier handelt, ist ein Freudenfest, das der Thora gewidmet ist. Der Pentateuch ist in so viel Abschnitte geteilt, als das Jahr Wochen lyit. An jedem Sabbat wird ein solcher Wochcnabschnitt verlesen und am Simchas Thora wird der Jahreszytlus der Tkoravortesung beendet und aufs neue begonnen. Dieses Moment wird durch Umzüge mit der Thora und Gesänge festlich begangen. In vielen Gemeinden, auch in solchen, in welchen sonst der Synagogenbesuch kleiner Kinder untersagt ist, ist er an diesem Tage, dem freudigen Eharakkkr des Festes entsprechend, gestattet. Ob das auch in der in Rede stehenden Ge meinde der Fall ist. oder nicht, kann vier unerörtert bleiben. Das Gesagte genügt, um es begreiflich sein zu lassen, das; eine Störung des Gottesdienstes durch ein ivcinendes Kind, unter diesen Umständen weniger störend empfunden wird, als beim Gottesdienst zu anderen Seiten des Sabres. Eine Freisprechung des Vaters aus Grund dieser Erwägungen läßt sich versteken und rechtfertigen. .־. Diese Kritik richtet stch daher nicht gegen das gerichtliche Urteil, das gewiß bona tide erfolgt ist, sondern gegen die merkwürdige Angabe eines Kulnisveannen, der sonderbarer Weise das Simchas- Tbora Fest als Laubhütten???! und das Laubhütten »cst als eine Art Kirchweih deklariert. Be! diesem Anlas׳, sei noch ein andere.- aerichtliches Urteil aus M ü n che n erwähnt, das derselben Leitung entnommen ist: ״Eidesverweigerung aus religiöser ll e t> e r Zeugung Vor dem Lchosieugerichie soürr ein Zeuge mo,micken Bekenntnisses eidlich vernommen werden, weigerte nck aber mit aller Enlickiedcnbei,. die Erdes?ormel nack.zu sprecken Am die Moglickken einer Bestrarung dingewieien, erklarre der zeuge, alle >t011seaue,1;en seiner aus religiöse Anickauunzen ruru.ksudrciide» Weigerung tragen zu wollen. Tas Eenck, muhle sich daber mir seiner unbeeidigten Aus sage bedelien, Wrack ader gegen ibn eine llilgedorianissirat« von zwanzig Mark aus." Dazu ist zu bemerken: Die Scheu vor der Heiligleit des Eides veranlaßt besondergewissenhafte Israeliten, stch des Eides zu rnthalren, selbst wenn der Eid ohne jedes Bedenken geschworen werden kann. Wäkrend es heute leider nicht an Leuten fthlt, die einen Prozeß t'ür gewonnen kalten, sobald sie den Eid zugeickoben bekommen, gilt er jener Gewisienkasligkeit in diesem Falle für verloren. Denn sie verzichtet lieber au» die größte Summe, bevor sie frlbft einen wahren Gib schwört. Allgemein ist in forensischen Kreisen die -Klage über den Rückgang der Geirisienhasligkeit in Sachen des Gide-, Daß e׳n Gericht korrekt handelt, wenn er die Eidesverweigerung. selbst aus solch selbstlosen religiösen Motiven mit Strafe belegt, soll nick!! de stritten norden. Ob aber die Hochachtung vor dem Ejog,särderk wird, wrnn diese Gewiffenhaitigkeit unter Sirate gestellt iverden muß, das dar» gewiß bez>vei׳elr werden. Da es, von den an dicser Stelle neulich er׳ :väbnren Kronjuristen der Münchener Gemeinde ab gesehen, an jüdischen Juristen in Bauern nicht fehlt, r>ie Beziehungen zur Tagespresie haben, so böte sich .u!1t,< i־ict rhu sehr gute Gelegenheit hinsichtlich der .Hei'.igleil der jüdischen Feiertage und des jüdischen Eides auktlärend bei der ö?»'t1׳tlichen Meinung ibren «׳inl'-vü gelt>׳ud 1.״ wachen. falKfte Zchlagzvorte. Bon Professor Dr. 4l. Berlt«er in Berti». III. Zer«mo»i«lgesetz. Indem ich jetzt an die Aufgabe herantrete eine große Zahl falscher Schlagwörter näher anzuführeu, beginne ich mit einem Worte aus dieser Kategorie, das wahrscheinlich als das älteste Beispiel einer solchen unrichtigen Prägung anzusehen ist. Seitdem nämlich Moses Mendelssohn angesangen hat, von einem ״Zrremonialgesetz" zun sprechen, um diesem gegenüber ein ״Moralgrsetz" aufzustellen, haben die nachfolgenden Zerstörer des Religionsgesetzes daran gearbeitet, das Zeremonialgesetz in Zeremonien aufzulösen und dir Kultur unserer Zeit hat mit dem Worte Zeremonie die Vorstellung von leer, überflüssig und lästig verbunden, wie Zunz richtig ge äußert hat (siche sein Gutachten über die Beschneid ung: 1841). Auch Samson Raphael Hirsch hat im ersten Band« des Jeschurun seinen Zorn ausgeschüttet über alle diejenigen, welche bereit sind, alle göttlichen Gesetze, deren Erfüllung lästig scheinen, in das weite Mantelcouvert ״Zeremonialgesetze" zu schlagen und sie mit dieser Aufschrift — ad acta zu legen. Es sollte der ganze Artikel noch einmal vor die ganze, breite Oeffentlichkcit gebracht werben, damit sie erfahre und beherzige, wie falsch, wie gefährlich es sei, die Religionsgeses-e als Zeremonien verächtlich im Winkel zu halte», >vo die Schar der Jugend hohnlachend ovrüberzieh, und die Alten sich nach Belieben Dis׳ pens erteilen. Tenn es sind doch nur ״Zeremonialgesetze!" Eine Zeremonie? — Das Wort erinnert zu sehr an den Zeremonienmeister beim Ballet, an die Zeremonie bei Hofe, bei Fcstlichicitcn und ähnlichen Anlässen. Ter Wiederabdruck des geistreichen Artikels sollte zugleich nl« Antwort dienen auf eine schriftliche Erschrinung, die vor.kurzem an den Tag getreten ist und am deutlichsten erkennen läßt, zu welchem Tiefstand die Erkenntnis der Religionsvorschriften gelangt ist bei allen denen, welche in ihnen Z e r e - m o n i e n erblicken. Prof. H. Steinthals Vorträge »der Juden und Judentum sind gesammelt und berausaegeben, wobei in der Einleitung ״der Freidenker, Philosoph und frommer Jude zugleich" näher charakterisiert wird, ״wie er heute ein arger Zweifler und morgen ein freudiger Optimist war" usw. Für uns zeichnet er sich genügend und noch darüber hu.- aus, in folgenden Sätzen seines Borwort's: ״Sollte es aber Männer in Israel geben, denen nicht die Sittlichkeit, sondern die Zeremonie in erster Linie steht, welche das Band der Einheit, das dir Sittlichkeit um uns schlingt, durch die Zeremonie zerrissen glauben, so rufe ich Israel zu: Hibodlu initoch haedah halotb! Scheidet Euch von dieser Gemeind«, wie sich Israel von der Rotte Korah's schied! Mögen sie sich nennen, wie es ihnen beliebt, mögen sie ihre Vater nennen, wie sie wollen, mögen sie sich niit ibrem Eifer und ihrem Märtyrertum trösten, wie sie lehr wollen — sie gehen uns nichts mehr an." Solche Worte bedürfen keines weiteren Kom mentars, sie sprechen klar und deutlich das Urteil aus, welches sie selbst mit sich führen. Aber Akl!vollen >oir nehmen von der so dringend empfohlenen — Sonderung, um mit ihr ein anderes sehr beliebtes, falsches Tchlagwort zur Erörterung zu bringen. Der jüailcbe Kultur. Line Betrachtung zu .פ׳ תרוכד. Von Rabdiner I. Nobel i» Halberstadt. Bevor ich es versuche, mir den Inhalt der Sidra תיייפה zu erklären, drängt sich mir eine Bemerkung auf. die!vcniger auf den bautechnischen Ebarakter der in der Sidra enthaltenen Bestimmung, als auf die Sirlluug Bezug Hai, Ivelche ת״סה •c in der Reihe der פ״שיית einnimmt. ת״יפח c befiehlt den Aufbau des פק^ש, die Errichtung des אתר, פ־ע־ und di,׳ An sertigung der כ^יפ, all der heiligen Geräte, die zum Dienste des Mkdasch erforderlich sind. Tempel und Altar. Tisch und Leuchter mit ihrem Zubehör, ihnen werden in dieser Sidra und in den darauf folgenden סדדית bestimmte Formen n»rarz»ichn»k, und ebenes wird die Kleidung der Tempelbeamten, der כתנים bis aus jede Schnur und jede Schleife normiert. Unsere moderne Zeit hat für diese bestimmte Art. in der der Gottesdienst im engeren Sinne zum Ausdruck kommt, den Namen Kultus. In unserer Zeit nennt man das Haus, in dem nach gewissen Formen der Gottesdienst verrichtet wird. Kultustempel, die in demselben sich versammelnd« Gemeinde, Kultusgemeinde und die diensttuenden Beamten. Kultusbeamten. Unsere Zeit stellt den KultuSkempe! -n len Vordergrund des ganzen religiösen Lebens. Ihr is! der Tempel mit seinen Anforderungen an den ästhetischen Sinn der Besucher, an die gesangliche und rhetorische Kraft seiner Diener das Erste und die anderen Ausgaben, die die jüdische Religion an ihre Bekenner stellt, das Zweite und nicht selten bleibt es für's erste beim schönen Tempel, und alles Uebrige, als da sind: jüdische Gottrserkenntnis durch תודת אפת und jüdische Pflich,- treue in Handel und Wandel, Sittlichkeit und Recht — dieses ״Uebrige", es wird oft als überflüssig, oder dock nebensächlich angesehen. Der erste Blick nun auf פ׳ ,-.רמת zeigt »ns, ww verkehrt und wie unjiidisch diese moderne Anschauung ,st. פ׳ תיוסה gehen יתרו ,c und ׳ סששב־בc voraus. Zuerst die עשרת הדברות mit der sie begleitenden Offenbarung des einzigen, ewigen Gottes und seines Rechtes an uns. an unsere innere sittliche Erhebung und an unser Bestreben Ihm 'ית nahe zu kommen. Ihm seiner Reinheit und Wahrheit. Dann folgt ואלה הסשפנזיב mit seinen knappen, strengen Weisungen über Rech! und Unrecht und dann erst תרופת ■c mit ihren Vorschriften' für die zu erbauende Gottes Wohnung auf Erden. Also, bevor wir den Bauplatz betreten, um Meister בעלאל bei seinem Werke zu bewundern, wurden wir an andere Stätten geführt. Wir standen mit unseren Vätern בתחתית תדר im größten Lehrsaale, den die Welt je gesehen, und vernahmen das א:כי; wir standen in der Halle, in der das unbeugsame Recht thront und in ואלה הפשפציב feine Para graphen feststellt. Auch das waren Bauplätze: denn jene ״zehn Worte" bedeuten Grundsteine zum sittlichen Aufbau der Menschenivelt, und jenes פשפט ist die Meßscknur, die der höchste Bauineister zur Sicherung des Weltgebäudes handhabt. Also, zuerst Wahrheit und Recht, und dann Schönheit; zuerst der Geist, und dann die Hülle: zu erst das lebensvolle Bild, und dann der Rahmen dazu: zuerst יתרו und שפטים:: und dann תמסה. Gleichsam zur Bestätigung dieses von mir vermuteten Berhältnisses der ם׳ תרמה zu den vorausgegangenen רשיות: finden wir dasselbe Nerhältnis tvalten zwischen den verschiedenen תרופות selbst. Eingangs der Sidra belehrt uns ״שיי im Namen unserer großen Lehrer: תקחו את תרופתי: אסרו רבותינו ני תימות אסורות כאן אחת תרמת בקע לנלנלת שנעשה פהם אדנים וכ¬¬ אחת תרופת הפזבח בקע לנלנלת לקופות לקנית סתם קרבנית *גור ואחת תרופת תפשק נדבת כל אחד ואחד.— Die eine Hebegabe dient dazu, dem ganzen Bau Grundlage und Bestand zu geben אדניס, Hierzu ist jeder in Israel gleich verpflichtet — ein Beka nach jedem Kopfe. Die andere Hebegabe dient dazu, zwischen den die Gemeinschaft bildenden Einzel Personen ein sühnend, vermittelnd Band Herz,!stellen in רייבן עב״. Auch diese Verpflichtung trifft jede,׳ in gleicher Weise. Es gibt ja nur eine gleiche Wahrheit und ein gleiches Recht für alle. Bei der dritten Hebegabe erst, die der Ausschmückung des Mischkan nach Maßgabe der Schönheit geweiht ist, da erst wird der individuellen Empfindung, der subjektiven Entschlicßung des Einzelnen Raum gegeben — אשי ידבנו לבי — Es folgt nun die Aufzählung der Stoffe, die verwendet »verden sollen bei der Errichtung. Ausscymüctung und Erleucyrung des Mikoasch, bei der Salbung der Geräte, bei der Weihe der Aroniden und endlich dei der Bekleidung der dienstturnden בחנים. Auch in der Reihenfolge dieser Auszad'.ung bemerken wir ein bestimmtes Prinzip. Die V.crsr schreiten vom Allgemeinen zum Einzelnen und' Ein ze'nften fort. Zuerst werden die Stoffe genewnl, aus welchen die Einfriedigung und Bedachung de?