Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 9 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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I. Mar;!*.**>. Ter JsraeUt 5«11« < '.'ir Wissen und jüdisches Lernen. 2us dem im Verein mit dem häuslichenErleben als feinste Blüte das hersorkreibt, was man religiöse Ge j 1 n n v n g nennt. Man kann wobl in zwei «tun den Älaudenssätze vortragen und formulierte Ge Innungen memorieren lassen, wie das vor Zeiten die jüdische Reform gerne getan dal. aber es iss ein aussichtsloses Bemühen auf diesem Wege in der Väter Weise zu lernen und eine ganze Welt de- Wissens in die Seele der Lernenden einströmen;u lassen, aus der religiöser Ernst und religiöse Hessiq keil organisch sich entwickeln. Darum ist unS der Religionsunterricht über Haupt ein Surrogat, das wir tuntede mieux selbst verständlich nicht missen möchten, das aber und hier öffnet sich wieder die grosse Kluft, die da ׳ ge setzestreue Judentum vom Verbände scheidet - - auch zu einer Quelle der religiösen Entartung werden kann, wenn die Lehrträste nicht von wahrhaft jüdischem Geiste beseelt sind. Und deshalb ist uns der obligatorische Religionsunterricht unter den heutigen Verhältnissen — wir betonen ausdrücklich׳ unter den heutigen Verhältnissen — nicht nur ein Phantom, an dessen Verwirklichung nie zu denken war, sondern auch ein D a n a e r g e schenk, Vas toir mit aller Entschiedenheit adlet,neu. Der staatlich eingeiührte odligatorische Religionsunterricht setzt mit Rotwendigkeit eine Stelle voraus, zur Prüfung der Lehramtskandidaten und zur Ausstellung von Befähig1.׳ngs׳,eugnissen für den Religionsunterricht ermächtigt iss. Wie diese jii dische Zentralstelle unter dem Einfluss der Berliner leitende» .streife beschaffen fein würde, ist nicht 'chwcr zu erraten. Herr H a n s f in Berlin, der als Mit glied des Schulvorstandes der jüdischen Gemeinde das Richtsckneiben am Sabbat als eine ״religiöse Rückständigkeit" erklärt, .Herr Professor D-. M 2 » bäum, der geis.liche Schutzpatron des ersten Zuden verbands-Sages, dem das uns Heiligste als ein Pro dukt von Meusckenwitz und P-riessertr»g dgf'eht, sie s!nd leuchtende Vorbilder für die Artung der Lehrer Persönlichkeiten, die von der massgebenden ,.ot's! Zellen" Zudenheit als berufene Führer und Lehrer erachtet werden.' Die ״Allgemeine Zeitung des Judentums", in deren Spalten der alte unverhüllte Abfall vom üverlicserie» Zudeuium auch beuic noch manchmal mit erfrischender Ehrlichkeit sein Hauvi erhebt, sie sollte doch wahrlich die erste lein, die den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen den i n der Z » denhe! l Preussens heute h e r r s ch e n d e n Welt a n s ch a u 11 n g e n redlicher Weise zugibt. Sb ste die Männer, die den Verband, den Gemeindebund inspi rieren und leiten, ״Reformiuden" oder lieber Neologe nennen will, das gilt uns wahrlich gleich.!0 e n n die Wahrheit nur nicht verschleiert wird! Uns ist Offenbarung und unsserb liches Goltes Wort. was ihnen ehrwürdige Denkmälec längst oahingegangener Kulturen sind, unS rukl zu treuem Gehorsam und ewig verpflichtendem Ledrnsernst, was ihn ׳n im besten Halle schmückendes Beiwert dünkt und nach Laune und Gutdünken zum alten Plunder geworfen wird — ihnen winken die Hochziele sozialen, wissenschaftlichen, künstlerischen Ehrgeize» als Leii sterne aus ihrem Lebenspfad, wir aber wollen leben und sterben, anerkannt oder geächtet, fiii die alu Wahrheit vom Sinai, die uns immer Heller zu strahlen scheint im Licht? moderner Kultur und die uns höher wiegt als sozialer Ruhm und politifcher Lorbeer. Wenn dieser Gegensatz der Weltanschauungen, den wir beklagen, aber nicht beseitigen können, auch bei dem Kamps um die jüdische Volksschule so ׳chars und präzis zutage getreten ist, wie die unklare Br! bandspolitik es nureben zuliess, so glauben wir nicht, dass die klare Einsicht der geseb.gebendei׳ Hat toren durch de Wahruehniung dieser Gegentäuc ver wirrt worden ist. Nicht ״die Juden wissen nidit, was sic wollen", im Gegenteil. .Die Zuden wissen sehr wohl, was sie wollen." das dürste der Gesamteindruck sein, den die Petitionen erweckten! Rur, dass es zweierlei Zuden gibt, gesetzestieue und neologc, nur, dass jene dagegen pro testieren, bou diesen im R a m e n einer erträumte», zu politische» Zwecken konstruierten j i> d i s ch e n Einheit zu D o t e n g r ä b e r o1e n st e n an der ihnen heiligen jüdischen Schule h e r a n g e zogen zu werden. Unwahr aber ist es, durch und durch unwahr, den Widerstand gegen die ״Pläne der Gesamtjud.'nheit" gemeint sein kann nur der Wunsch nach einer Gesamtorgaiiisation alias Konststorialverfassung — lediglich der ״s ü d d e u t י ch 1 n Crtbodoxie". der vielgescknnähten zuzuschieben. V'׳obl ist es eine beklagenswerte Tatsache, dass die viel wriicrgchcnde Zersolitierung der jüdischen Diaipora in Rorddeutschland, eine Anzahl persönlich a<e>jes treuer und von den besten Absichten erfüllter Mänmr zum Anschluss an die Organisationen der neologen Einheitsschwärmer verleitet twt allein in d«w rücksichtslosen Kampf gegen jenes Endziel der Verbandspolitik, das hier unter der Rubrik ״Pläne der Gtiaiiiliudeiiheit" figuriert, wissen wir »ns einig mrt der übergrossen Mehrzahl selbst jener Männer, und in dem Einlicten für die Erhaltung und Weiterbildung der konfessionellen j >i o i s ch e n Volts 1 chule: in ver mehr oder minder scharten Verurteilung der >' i »1 u l t a n s ch u l f r e u n d l i ch e n Ver b a n d s p o l i t i l steht die gesamte g, setzesireueZudenbeit Preussens nicht bloss die süddeutsche de facto ein wütig 11 <׳ s a n ui e n. Möge alko ter Verband oder seine Wortsühreiin nur bemüht sein, im Plenum des Adgeordnetru Hauses ״Klarheit zu schaffen" up״ Kn niemals vor der Wahrheit, sondern immer mr nur ihrer Verschleierung gegraut! Cb wir aber siegen ober unterliegen K* Slreicki. mit dem bi: alte Berliner Reform durch d:n Versuch der llmgestaltun.z de» Volksschulgesetzes die ״süddeutsche Ortbode rie" nikderstreckeii »iöchie, er loird nickt aut dieses sturm gewohnte Haupt allein berniedersausen: die ge setzestreue Zu den heit in ihrer Ge s a in t h c i t wird er treffen und dann o möchte es gelingen der Ritlerichlag sein, der die Gleieu gültigen aufrüttelt, die begeisterten Verdandsvotitiker ernüchtert, die Zersprengten zusamnieiikreidl und scharst, was uns fehlt: Einheit unter den G e i e tz e s t ״ e u e n. Nkligiösk Anschauuntitn vor 5rm Forum 6rr bavrischfn (Briiditf. Unter dem litd: ״Vergehe» gegen oie Religio n" oringrn die ״Münchner R. Rackr." aus H! a u! e >1 t h a l folgende tzkotiz. über die wobl mancher juMitf Leser den Kopf geschüttelt hat. tc lautet * ..V ergebe» ,egen die Religio«. Hranken 1 b a i, 14 Hebtuui l'iit i'i uiuiii( Ki Hcage, ob Ul eiucr Lioruii.1 d»s >i!d!!chr!> Laubbuucni'estes «.» Vergei>e,1 gegen die Religion zn ervlirke» 1». balle sich die zweite 5>r.n tanimer des Landgerichts zn desaise» Ter Handelsmann 5alo>non Hiriib von T iewstein wobnre an! ,'2 Oktober mir eine,» .' ,!adrigen Kinde in der dortigen 5״nagoae de», Laudbuttenicst bei Ta das Kind u! Pn 5n».׳goge uniberlief, wurde Hiri'ch von dem Vorstände der israeI1»!cke» Kuluisgemeinde;ur Rede gestellt. woran! das Kind laut weinie. Ter als 5achvrrständig<r iel»0inmr»r israeiiiiiche Kanier L. brkundeie. das Lauddullenicst ss, kr»! eigenliich religiöses Hest. sondern stelle eine Arl Kirrbweib da», «o dass zu dem ,tzest Kinder »lilgenoninicn werden durrien Au» Grund dieser Bekunduiiaen ertannle das!»erichl gegen Hirsch auf kostenlose Hreiiprechnng von der auf Begebung e!1!c» Rkl!gions»׳crgebe»s lauleudeii Anklage Darauf ist zu bemerken: 1. Am 22. Cktober t9uT» war kein jütisches Laubhüttenfest. Das Heft. das an diesem Sage ge feiert wurde, ist: das Ziest der Iftiita־ rsireude lSimchas Thora). 2. Die Hcier keines einzigen jüdischen Heftes gezählt worden. Troiz der absoluten Zunabmevon w>7s Perio11e»l bar eine proceuluelle Abnabnie »1» <>,«׳," statigeiunden Tie Ursache durfte weniger in eiuei» Nachlasse» der Zuwanderung, als i» einer weiteren Berniinderung der Geburten zu suchen sei». Einen liiteressaiilen Emvült in die orlliitie VerleUung der jüdischen Bevölkernng gewahrt die folgende Tadelte: Tladlteile All stad« . . 'Ä'eftl. i!«uflaM »örbl. Cef». Saw. tlußenft WchU. Aussnst. IKörM. Nordoftt. ״ Otto. Vorn bei» . . Inn. LalSIrnh. XfiSfr. , Bo<In>he>1n. . Wi'bmab Cbmab . . €*fba<6 . . SchiüOSez-rk . Z»sa»nmi 7 3 A2 >334? 9 740 7 4g» 14 197 13 200 10 03b 16 7*9 31 961 44 944 18 96t 16 914 11 868 31 44 33 >3: 9 7-.3 8 76» S 10« 354 3*4*61 Von der Nctamtdevölkerung enttalle» aut ir:*1 f! 870 4 110 3 31b 8 340 14 869 26 630 5 704 3 603 3 062 0 38.1 9712 2 4b» 13 844 26 838 4 809 7 413 31 077 10 554 II 865 *799 Prozentverteilung <״ . «2! 51,8 40.5 60.3 .12,6! 55.5 35.1: 11.7 31.1 I 61.7 34.4 56.8 23.9 I 56.5 22.9 I »M *8..> 59.7 30,8 45.0 29,0 » «8.2 *1.1 62.7 »6.7 67.0 *1,5 65.8 31,7 46 2 3»5 73,0 2 4 90.0 ».4 36.6 W.5 60,731 ׳^j 7,01 0.8 Es ergidi nch daraus, das! auch die Zuden jZraiikiuri« eine möglichst geschlossene Wodnweiss devorzugen. Es ist dies dasielde Eesübi der Zuiaiunieugebörigkkit. da» 1m Easiend Londons »nd im ,Zudeiwieriel New:ll:rks!ene ungeheure Zusammenballung der ,üdische» Masse» verursacht. ec frn*!c1t cö, da» hier :!■ der rutlchrn Augc!»ilaot die Zuden ein Viertel der geiamleii Wohnbevölkerung bilden. Uederbaupl scheint es, als vb trog des auch hier nch stark gellend machenden Zuges nach dem Weste», das Lstend feine alte Anziehungskraft für die jüdische Bevölkerung noch einige Zeit behaupten werde. Entfallen doch auf di« drei östliche» bezw. nordöstlichen Bezirke;usammcn 11!•.">8 Personen, also mehr als die Halite der indischen i^esammtbevölkeruna l, Zir ttniniiflBn; ists jiiilitrn ZrllWMstis. lSortketzung.) Philippsons Zeitung erlangte eine immer grösser« Ver breituiig, er verstand alKr auch die ZeitungSmachr schon zu einer Zeit, in der die modernen General Anzeiger Enter« preneure noch unbekannte Grössen waren: so legte er seinem Blatte von Zeit zn Zeit ein ״Literarisches und homiletisches LciLla::" re:, m dem er srgar zeitweise Musikstücke ver össentlicht«. Rr. 5 dieses Beiblattes brachte als Anhang zum Aufsatz: ״Ter Ritus der portug. Lvilagoge," dir Roten der portug. Modulation beim Thoravorlesen. da» Kaddisch für den ersten Pesachabrud, für den ersten «»kkotbabend, Halel s« Simchal Thora rc. Um chm iHerechliqkeil widerfahren zn lassen, muss ge sagt werden, daß der Herausgeber der ״Zudenzeitungsich auch nach der anderen Tene hm zu wehre» hatte. Nach der Lene derienige». deren Asnmilationtwut bereit» soweit gediehen, dass ihnen jede jüdische Zeitung, und sei eS selbst die .Zudenzeitung ־ zuwider war Zn Rr i l schrieb der Redakteur: .50 lange dir Zuden noch kein vollständiges Bürgerrecht erlangt habe», so lange str rin« un rlaale de nachleiliglr Partei sind, ausgei'chloisen von dem Vollqenusie der bürgerlichen Rechte, so lanqe bleibt auch d!«!׳.at!ona!r Znvividualiiat. d d io lange haben die Zude» noch beion dere Ziilerrsien " Tas war als ״iSrundsatz der Redakuo»׳' gedruckt, ossenbar aus den Anwuri hin, dass .beutzulage " eine jüdische Zeitung etwahöchst ubrrfluiiiger sei Ti« Hauvtsach« bleibt ihr jedoch immer der Itamps gegen da» ״alt neu« auasi orlbodor« Zudenibui»", wie er es nennl 50 lesen wir in Nr ‘£5 von! 27 ,\cbtaar!s.js: ״WoHeu um wieder zu dem lll. und lt Zadrhunderl zuriickkehren Wadrlich alle Wahrzeichen sind da und der Verfasser de» E Horeb hat schon dafür gesorgt, dass selbst das Richlbaebieren am Ehaul ha Moeo wieder 1» Auinahme komme.- Ter Hamburger Temvel mit all seinen Harlekiniaden wird in biesrm Zahrgange mit der behaglichste» Breite geschildert. Ter deutsch« Mische Berach. der am End« der Thora Verlesung für alle sieben Personen vom Lhasa» heruntergeleiert wird, taucht hier j!!!״ erste׳. Male aus. ebenso die Hinweaiaikuna der Worte: ״Ter Tu nn« durch leine Gebote geheiligt''bei Megillah. Halel und Eb-rnuka Lichtern. Eine Haupitäligkeit der Hamburger Tempel- Priefter bestand darin, bei Beschneidungen den Wöchnerinnen lange Llandreden zu halten, wa« man aber sehr bald wieder adschasste, da den Wöchnerinnen dabei übel wurde. ,L Rr Su 0. ״A. Z. d. Z - dom 28 April!*98) Toch verlassen wir aus einige Zeit die ״Allgememe <ier:unz LcS Judentum»". um zu sehen. welche anderen jüdischen Blätter in der Zwischenzeit noch aufgetaucht sind lJortsrtzung folgt.)