Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 9 (1.3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BSflW Ein Ceniraloroan lur das orthodoxe Judentum III Segründef oon Dr. Lehmann in ülaiiiz gssss \. mv} uwo. .<; ״« .;f rnuhfuit n. M., den 4. Mdnr §bl?b. Der Israelit erscheint jeden Tonnerstag. Abonnements: Gewöhnliche 'Ausgabe Pik. I..־»(> vierleljahrlich, Heslanogabe ans Kunstdrnckpapwr Pik. > vleneljährtick, lAusl.uit» preise für die gew. Ausgabe: Lesterreich 2 Kr., Rußland 1 Ruh., England 2 sh, Amerika 50 cts, Niederlande 1,20 H.1 Abonnement» bei allen Postanstalte». Buchhandlungen. >ow,e direkt bei der Expedition, Heftansgabe nur direkt Inserate: W Pfennige für die sechsaespaltene Eolonel.-keile: Rabatt nach Tarif. I»sertle»a>mab1ne nur durch H aasen stein 4 Bögler A.-E. in Frankfurt a. M. und deren Filialen Das fest in unserem Kaiserhause. Tie froije Festesstimmimg, die mit dem 27. Feb ruar in das deutsche Kaiserhaus eingezogen ist. hat in der Mitte des Bottes lebhaften Widerhall erweckt. Es ist ein erhebender Anblick, zu sehen, wie die Freude der hohen Familie stets auch die Freude de» und Liebe der deutsche Bürger zu seinem Kaiser aufblickt, das ist wie bei früheren Anlässen so auch dir»- mal wieder zu herzlichstem Ausdruck gekommen. In allen Teilen des Reiches ist die Silberhochzeit des Kaiserpaares und die Vermählung des Prinzen Eitel Friedrich mit der Herzogin Sophie Eharlott:!,.!S ein nationaler Festtag gefeiert worden. Ans jeder wahrhaft jüdischen Seele sind Gebete für das Wohl der kaiserlichen Familie zum Himmel empor gestiegen. Gebe Gott, dass die Wünsche, mit denen die Herzen aller guten Deutschen, vor allem der jüdischen Bürger, das Fest des Herrscherhauses be gleitet haben, zum Segen für Kaiser und Reick in Erfüllung gehen. In der Svnagvge der hiengen tsraeUllschen Religion» gesellschast fand am 27. Februar, nachmittags V« <> llbr ein Festgoltesdiensi statt. Nach dem Minchagebel, bei welchem Herr Lberkantor Prsachowilsch als Porbeter nmgierte. trug Herr Lberkantor FrieSlsnder den P'atm 15 vor. woraus Herr Rabbiner Tr. Breuer die Festprokigt b>ell. im Anschluß an die Worte des Hobeliedes:!־אינה וראינה בגיס ציון במלך שימה כעטרה שעטרה ״ .אטו ביום חחינחו ומום שמחת לבו<Rebe, hinan» und sehet, ihr Töchter ,Ztons, den Röntg Salomo, die .Revue, mit der ihn ickniückle leine Mutter am Tage »einer Hochzeit, am Tag« der Freude »'eines Herze»»". Unsere Weisen. so etwa führte der Redner aus. machen zu dem Aiisvrnck במלך שלטה die Bemerkung מלך שהשלום עלו מלך שמשים שלים בץ בריותיו פלך שמשלים מעשיו עם בריותיו. Sie beziehen die Worte de» Hohelied» auf den Röntg der Könige, dessen Ruhm e» ist, daß er Frieden stiilel zwischen den Menschen unk» in iiebereinstuniauug mit den berechtigten Wünschen der Mcnlcken waltet. Sie erklären die Worte ״die Krone, mit der ihn schmückte seine Mutter" durch folgendes Eleichni»: Ein König hatte ein einziges Kind, das er sehr liebte. Im Anfang 0״־**»*“ inhsm i»rf» keine Liede zu vi »v ״»«»•••* » immer größerer Innigkeit vertiefte, ״meine schw״ter". und zuletzt zum Ausdruck höchster -Zuneigung ״meine Mutter". Damit wird als Ideal eines Königs, als ein König, der sich nur die Bollziehnng des göttlichen Willens z״r Ausgabe macht, der Herrscher bezeichnet, der in der Sorge für das Wohl seines Volkes o»״'geh», der Herrscher, ru dem daS Volk wie zu einem Vater in kindlicher Lieb« emporschaut, der aber andrerseits wieder in einem gleichsam geschwisterlichen Ver hältnis zum Volke steht, vermöge dessen beide Teile zur Achtung der geaenseiliqen Rechte sich verpflichtet betrachten und keiner sich über den anderen zu erbeben sucht, und der schließlich weiß, daß der ewig!ebendize L.uell seiner Kratt. die Mutter, die ihm die Krone reichl. nur eu, blühendes Volksleben sein kann. Tiefe Erundzüge wahrhaft kömglichen Wesen» finden wir in unserem Kaiser in »chön'ter ,m •e :.» «{****+(»«& Sfhftttft weite ucrcuuui. uNk/j! ׳י״״ v״»v.״ ,״־ :■״•;;־־יי׳ י*י iii brr hebräische Ausdruck für Fürflen, Wie die Wolken von der Erde aus getränkt werben, ui» wieder die Erde zu tränken, so ist der Fürst im edlen Sinne des Wortes der Mann, ver in dem Volke die Wurzel seiner Macht erkennt, und der Pflicht sich bewußt bleibt, diese Macht zun, Segen des Volkes wieder zu verwenden. Ei» solcher Fürst ,st Kaiser Wilkel!1 II., und wie unsere Weisen die Worte des Hobelieds ״um Tage seiner Hochzeit und an. Tage der Freude seines Herzens" ans die EesetzeSostcnbarung und die Errichtung des Teinpelheiligtnms anwendeu, so gilt »ns auch der Tag, an dem wir das Fest unseres Kaisers mit feiern, als ein geheiligter Tag. als ein Tag. würdig, im indischen ttzvltesbauie von andächtiger Versammlung begangen zu werden. Mil ber Schärfe seines Eeifles erkennt Kaiser Wilhelm II., was den verschiedenen Gliedern des Volkes »ollnt und mit der Kraft semes Wollen» snchl er ihre Wünsche zu erfülle». Er ist ein Fürst, der den Frieden als «in בל׳ מחזק ברבה. als die höchste Segiiuug für die Menschheit, schätzt und z» bewahren bemüht ist. sin allen seinen ebien Bestrebungen steht ihm die Kaiserin als עזר כנגדו, als die seiner würdige Stütze, helsenb zur Seite, Das Won der Thora ״es ist nicht qut, baß ber Mensch allein iei", gilt iiir den Mann, ver Vas schwere Amt eine» Königs übernommen hat, in noch höbereni Maste als für jede» anderen Tarum rufen ivir heule an den. Tage, an welchen! vor 25 Jahren da» Kaiserliche Paar den Bund der Ehe einging, mit dem Psalmensänqer ans vollem Herzen ״ זה היום עשה ד׳ נדלה ונשמרה בוtiefen Tag bat «soll geichasse». wir jubeln und »reue» »ns an ihm." Nicht allen» durch גי״ה. durch lauten Jubel, sondern auch durch שטרה die innige Freude des Herze»», die nicht iinmer mit jenem verbunden ist, wollen wir diesen Tag begehen. Laut und innig wollen wir uns treuen, unter allen Staats bürgern wir Iuven beionvers. vie wir in uusreni Kaiser das Musterbild eines Fürsten, wie es unsere Weisen zeichnen, verkörpert nnden. Piit dem alljabbaUich gesprochene» Oiebete siir den Landesderrn הנותן תשועה schloß Herr Rabbiner T r Breuer ,'eine treuliche Rede. Tan» folgte der Vortrag des Psalms loo durch de» Snnagogenchor und das Maariwgedet. Aus allen Gebenden Deutschlands kommen uns 4%.«ץ*3ח+« i\u,r b?r 3>ifr!וזז bfnt^cfyn hause abgehaltene Fesigottesdienste zu, die in ähnlicher Weife verlaufen sind, Aus Mangel an Raum ist eS uns nicht möglich, diese Berichte sämtlich wieder zugeben. Wir müssen uns darauf beschränken, einige wenig« an anderer Stelle zu veröffentlichen. Möge nach wetteren fünfundzwanzig Jahren ungetrübten Glückes das Kaiserpaar das dculsche Volt zur Feier seiner goldenen Hochzeit vereint sehen. Der Tag der gemeinsamen Freude und der nationalen Begerfterung aber, ver alle Schichien des deutschen Volkes um sein Kaiserpaar gesammelt hat, Gott lasse ihn lveiter wirken in die Zukunft und auch den deutschen Juden neue Kraft verleihen, in dem Kulturkreise, dem sie anqehören, ihre Pflicht zu tun als Menschen, als Bürger, als Träger der Gottes- Wahrheit. Nieder mit der Minorität! Der *tntftt Schlachtruf im ׳Bolkettchnlkampt. Während alle diejenigen, denen dar Schicksal der jüdischen Volksschulen Preußens wadrhan am Herzen liegt, »iiii banger Erioariung, zwischen Furcht und Hoffnung schwebend, den Arbeiten ver das Schulunterhaltungsgesetz veralenden Kommission des Abgeordnetenhauses folgen, erschallt aus der Redaktinnsstubr des bewährten Berliner ״unparteiischen Organs für alles jüdische Interesse" ein schrilt.s Alarmsignal, das alle ״freisinnigen" Mannen zu den Waffen ruft, um im Angesicht des preußischen Pariaments die heiligen Güter der Simultanschule und der Lcrbäiidsdiszipiiii gegen oie böse Oriyooorie zu ver teidigen. Dieser Alarinruf bildet in den,, wa!> er verrät und — was er verschweigt, ein so wertvolles zeitgeschichtliches Dolument, daß es schade iväre, ihn nicht auch zur Ikenntnis derer zu bringen, die nicht aus Neigung oder Pflicht zu dem Leserkreis der ״Allg. Ztg. des Judentums" gehören. Er lauter: ״Unsere Ehancen bez. des Schulunterhalk »ngSgesctzes, die in der letzten Zeit sich zu besiern schienen, haben sich in der Sitzung der betreffenden Kommiff.on des Abgeordnetenhauses vom Ui. d. M. erheblich verschlechtert. In vie'er Sitzung kamen nämlich die Petitionen zur Beratung. In dem cssiziellen Bericht heißt es- ״Eine große Anzahl von Petitionen treten kür Gleichberechtigung der jüdischen Schulen ein. ahne daß dir Pelrnlrii sich übri ei« besiii-imteö Schul Mein einig wären vielmehr gibt es sowohl solche, dir sich für konfessionelle, als solche, die sich für Simultansckulcn aussprechen, alle aber wünschen die Erteilung jüdischen Religionsunterrichts an den Volksschulen." DaS ist schr unklar. Ader wir können den Bericht nach sehr zuverlässigen Mitteilungen erganzen. Das Schulunterhaltungsgesetz wird, nach tKn Absichten der MehrheitSpartrirn, für dir Juden alles beim alten lassen, mit Aus dehnung des 47er Gesetzes in den Sckulbestimm ungen über den gan׳,tn Staat. Das soll den b: rüchtigten $ 24 des Entwurfes ersetzen. Im Ver gleich mir diesem ist der Beschluß ein besserer, aber er blribi doch sehr bedenklich. Denn einmal wird dadurch der jüdische Religionsunterricht an der Volksschule nicht wie der christliche obligatorisch: zloeitens iverdrn die jüdischen Lehrer, die Re ligionsunterricht an nichijüdischrn Volksschulen erteilen, nicht auch mit anderweitigen Fächern des Unterrichts betraut, wie christliche ReligionSlebrer ver Minderheit. Und oriiirn», r« wild hier zum