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Der Israelit · 1906-02-08 · 6 (8.2.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
6 (8.2.1906)
Date
1906-02-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum fl ff rggara Begründet »s» ßr. Lehmann in fflaini \\' fv.;JfpbntBr U10l\ }3. -chrdnlh?1י1י1י .» ״1. 47. Jahrgang. Jfrnnhfurl n. M., den Der Israelit erscheint jede» Tonnerslag. Abo«»eme«tet: Gewöhnliche Ausgabe Mt. 1.50 vierteljährlich, Hestansgabe aus «eunstdruckpapirr Mk. :1. vierteljährlich. ,Ausland« preise siir die gew. Ausgabe: Oesterreich 2 Kr., Rußland I Rab., England 2 11״, Amerika -'<0 ct^, Niederlande l.2" tl.i Abonnements bei allen Poslanitallen. Puchhaiidlungen, sowie direkt bei der Erpedition, Hestansgabe nur direkt. Inserate: 20 Pfennige siir die sechsgespallene Eolonel -seile: Rabatt nach larit. Inseratenannabnie nur durch Haasenstein & Pogler A. rt. in Frankfurt a. M. und deren Filialen. Dar Kampf um den Sabbatfrieden. .Lebt — Gott bat Euch — den Labbat — geschenkr." Sadbatfrieden! Wo gäbe es ein Wort im ganzen Bereiche des jüdischen Borstellungskreisis, das mir gleichem-Zauber die Seele ergriffe, wo immer es ausgesprochen oder gedacht wird. Mitten in die Unrast einer mit vertausendfachter Intensität dahin eilenden Zeit hinein klingt das Work wie eine Botschast von Paradiesesglück und Heiligkeit, von stillen Winkeln und gerettetem Selbst, und dem entfrenideten, ״aufgellärlen" Sohn des Jahrhunderts stiehlt erne verschämte Träne sich aus dem Auge, wenn er dir Kindheit gedenkt, der vom Strahl der Sabbat'ichter verklärten, von den Tönen der Sabbatlieder ge weihten Kindheit im Elternhause. Immer reicher wird, je mehr auf ven Höhen der kulturellen Ent- Wicklung das Getriebe des Wirtschaftslebens in das Ganze des Daseins hineingreift, dieser Stimmungs- und Empfindungsgehalt des Sabdatgedankens, denn immer schärfer stoßen die Forderungen der verreinerten Innerlichkeit mit denen einer rein äußere lichen technischen Lebenskultur zusammen und stärker als in irgend einem Augenblicke der geschichtlichen Entwicklung wird heute die Sinnlosigkeit einer Kulturarbeit empfunden, die, nur um ihrer selbst willen geleistet, ohne Sabbatziel und Sadbatfrieden ihre Träger durch die Jahrtausende hetzt. Gab's ein: Zeit, in der die Besten und Tiefsten das unerschöpflich gehaltvolle Mvsiswort verstanden: Seht — Gdtt — hat Euch — den Sabbat — . geschenkt! so ist's die unsre. Nur eines verstehen sie nicht, die Weisen der Bölker, weil's ein Geheimnis ist. das Gott seinem Balte anvertraut und — weil sie die Konsequenzen scheuen, die sich aus der bewußten Anerkennung auch nur der ethischen Sabbatwahrbeit für ihre Weltanschauung ergeben würden. Ist der Sabbat ein Gottesgeschenk und freut tief) noch heute, wie'- seine Söhne in ihren Gotteshäusern von Woche zu Woche jubeln. ״Mofcheb des G e s ch e n k e s . das seinen Weltenanteil bildet." so muß der Sabbat — immer neu erkämpft!!. erde n. Das ist nun ein.maf die kosmische Wesensart der ״Gottesgeschenke" man muß fit erwerben, um sie zu besitzen — sie wollen ״erobert" werden mit jedem Tag und nur ״auf dem Wege der Leiden" fallen sie uns in den Schoß, die ״guten Gaben" des großen Schenkers. So wird auch sub spt-ew aeterni die wahrhast tragisckse Tatsache verständlich, daß wir, die wir in der Sabbat i de e den höchsten geistigen Schatz, in der Sabbat h u t das höchste ethische Besitztum der Menschheit bewahren, in immer heißerem Ringen mit Le» Mächten dewirtschafilickien Lebens ui» jeden Zollbreit Erde kämpfen mästen, auf dem wir den Engeln des Sabdatfriedens eine Stätte be reiten wollen. Müssen wir aber kämpfen, nun wohl, so sollten wir auch all unser Wollen nicht nur. fondern all unsere Intelligenz, unseren oielgerühmten wirtschaftlichen Spürsinn, unser S r g a n i sationstalent, unsere B e r e o s a in t e i ז , unser Solidarität sbewußtsein, unsere geschäftliche <ז rsahrung, kurzum die ganze Summe unseres geistigen Könnens im weitesten Sinne einsetzen, um in diesem, großen Kampfe, desien ״Staub fürwahr zu den Füßen des Gotiesthrones emporsteigt", mit Ehren zu bestehen! Da ist es denn vor allem eine Wahrheit, die wir niau aus d»m Auge pertieren dürfen: Wer im zwanzigsten Jahrhundert länipsen will, der Lars keinen Einzelkampf, keinen Guerilla krieg wagen, der n>uß sich mit seinen Ge nossen zusammen schließen. R » r vit geschlossene. 0 t a a n i fitrte Heeresmasse kann siegen, wo der Einzelne hoffnungslos zu Grunde gebt. Diesen grundlegenden Gedanken in die Tat um׳ gesetzt zu haben, ist das Verdienst einiger weilschauender Männer, die vor Jahresfrist den Ver band o e r S a b b a i s ז t » n b t *) ins Leben riefen. Es gehörte Mut dazu, in einer an Nereins- und Brrdandsbildungen wahrlich nicht armen Zeit m׳t einen! neuen Aufruf zur Bereinigung auf den ׳plan zu treten. Bestanden ja in Bresfau. Hamburg, Berlin, Franlfurt a. M. bereits segensreich wirkende jüdische 2tclle»:verm!ttlungsvereine. die zum Teil sogar mit recht erheblichen finanziellen Leistungen auf dem Wege der Aersicberung dem gesetzestreuen kaufmännischen Gehilfenstand sein schweres Wirt fchaftlicheS Ringen zu erleichtern suchten. Und dennoch war die Gründung des Verbandes ein Be dürfnis das in der Luft lag. ein'Bedürfnis vor allem in drin Sinne einer moralischen Stärkung aller Derer, die als Streiter um das Sabbatheiligtum sich scharen. Nicht der kaufmännische Gehülfe allein ist es ja. den früh und spät sein «Erwerbsleben an den Kampf um den Sabbat gemahnt und nicht ver Gedanke a,i Standes genolfen allein kann ihn stählen und stärk»»— alle Stände und Berufsarten, Männer und Frauen. Handwerker und ttaufleute, Gelehrte, Künstler, Studenten — sie alle ergreift ja der Sabbat mit seiner Seligkeit und seiner Entsagung. In ihnen allen den Gedanken der Solidarität, *1 Varubender Tr. Es. Biberkeld. Berlin. Traqonerttr. 15. des gegenseitigen Einfebens für einander zur lebendigsten Wir!sa!nleit;11 bringen, das dünkt uns eine .'li'sgade, die an und für sich ickwn der Schweißes der Edelsten wert ist. So vielgestaltig das Kultur un> Wirtschaftleben unserer Zeit sich entfaltet, so zahlreich sind auch die Einzelgebi.'te. aus denen der Verband seine Kräfte zu betätigen haben wild. Zunächst die P r o p a - ganda für den Sabbat. Man mag so skeptisch sein, wie inan wolle: das gedankenvolle, von der Glut der Ueberzeugung getragene Wort vermag noch viel auch in unserer materialistischen Zeit, »nd in Preise und Berfamnilungen, durch Broschüren und Flugolätter tonnte manches zagende Herz für uns, für den Sabbat geivonnen oder wiedergewonnen werden. Hat ja gleich der erste Schritt, den ver Verband in di» Seffentl'chkeit tat׳ die Versendung eines Jeschurun Aufsatzes Samson Raphael H i r s ch ' s 7r das scheinbare Wunder gewirkt, ein seit Jahren bestehendes Berliner Konfektionsgeschäft zum Schließen am Sabbat zu veranlassen! Könnte der Verband in dem gleickxn (leiste durch Wunder» r e d n e r. durch Massenverbreitung von Schriften seine propagandische Wirksamkeit nicht nur sorisetzen, sonoern ausoauen uno sieigern. so wäre tlnendfiches gewonnen. Mit der!!nmitkelbaren Förderung der Sabbat Anerkennung selbst verknüpfte sich die Ausbreitung der Verbandsorganisation. und damit erst wäre die Bor aussetzung gegeben für die Lösung seiner gewaltigen wirtschaftlichen Aufgaben. Diese Aufgaben im Rahmen einer kurzen Dar» stellung mit nur annähernder Gründlichkeit;11 be» leuchten, ist nicht!uöglich. Nur furz seien die wichtigsten aufgezählt: Die Sammlung alles nur aufzubrinaenden statistischen Materials über den llmfang der praftischen Tabbatheiliaunq in den verschiedenen Be rufen: die Verwertung dieses Materials »nd die mannhafte Vertretung der dem Sabbat treuen Staatsbürger gegenüber allen Instanzen der tstesetzgebung uno der Verwaltung «Reichsamt des Innern, Gerichtsbehörden. Schulbehörden, Mili» tärbehörden): die Bildung einer Kommission oon Tachver ständigen, die das wirtschaftliche Leben mit Auf» merlfamkeit zu verfolgen und noch Feststellung der dem Savvar förderlichen o der miidrciichrii Tendenzen in einzelnen Spezialbranchen. Lehrlinqe und junge Leute bei der Berufswahl zu be raten hätte; die Einrichtung von Werkstätten und geelgneten Fabrikationen zur Beschäftigung unaelernter jüdischer Arbeiter: dir Vermittlung von Assoziationen und die

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