Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 2 (1835)
- Issue
- 8 (8.1835)
- Date
- 1835-08-01
- Page
- Seite 301 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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brach: O dlesf teere Freudenwelt der Träume! sprach er. Wie verachte ich diese wächserne Nase, die der Mensch dem verblichenen Antlitz seiner Phantasie andreht, und die nicht einmal vor dem LVärme-, sondern schön vor dem Lichtstrahl her VerstandeSsonne zerstießt. Wenn ich mich dagegen fetzte, daß daS menschliche Gemüth ein.englisches Treibhaus fein sostte, in welchem in jeglicher Jahreszeit unter Sommer¬ und Wintersonne traurige Blüthen entfremdeter Hriöhlill-keit entwrießen mögen; wenn ich verlange, daß der Mltnsch sich frei rnit seinem Leben^abfinde, und nicht, wie die Kinder, fordere, daß jede bstttre Sffenz mit Honig und Zucker versetzt werde — so verachte ich unsäglich jene Phantasten, vor denen Nur immer eine Wolkensäule am Tage und eine Feuersäule in der Nacht beruhen soll, damit sie in keinem Augenblicke die dürren Gra-Halme der Wüste zu erblicken brauchen; denen die Staubwirbel, die sich auf der Landstraße deS LebenS erhebet, zu süßlichen Pomadedüften und Weihrauchs wölken werden sollen, um nicht zu bemerken, daß sie auf der Chaussee gewöhnlicher Menschenkinder dahinfahren, Fon- Hern zu vermeinen, sie spazierten in Eldorado. Mein Bruder lächelte. Ihr streitet, fing er an, wie gewöhnlich, ohne euch recht zu verstehen und zu verständigen. Du meintest, daß eS schwer sei, sich ein heiteres Gemüth zu bewahren, dennoch gebe eS verschiedene Wege, sich auS Beängstigung und drückender Bekümmerniß durch eigene Aufregung der elastischen Sprungfedern unserer Seele zu retten. D» aber, Lehnhardt, willst ave gesuchte und erzielte GemürhShaltung verbannen, und das Leben hinnehmen, wie es kommt, ohne Jdealisirung der Wünsche, ohne Träume einer andern Zukunft. Ich möchte mich in eure Mitte setzen. Der Mensch ist abhängig und frei zugleich. Abhängig, insofern Alles, waS sich innen entwickelt, nur "'vermöge eineS äußern Anstoßes hervorgeht; frei, insofern daS einmal Hervorgegangene nach der innern "Aplage deS ßNenfchen, nach seiner individuellen Entwickelung, nach der Ll-ualität seiner geistigen Potenz seinen weitern Fortgang nimmt. Der