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Rechenschafts-Bericht · 1905-01-01 · Vierzigster Rechenschafts-Bericht für das Jahr 1904. (1905) · p. Seite 9

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Journal
Rechenschafts-Bericht
Volume
Vierzigster Rechenschafts-Bericht für das Jahr 1904. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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— 9 edle Menschenfreunde für einen armen unglücklichen Lehrer au veröffentlichen. Es war dies für einen Greis von 12 Jahren, Lehrer in einer kleinen Gemeinde, der blind geworden und seit sechs Wochen krank war, dabei ganz mittellos, und dessen Gemeinde ausser Stande war, die Kosten für seine Pf lege aufzubringen. Der Aufruf erfolgte und schon nach ein paar Tagen gingen einige Beträge von zusammen 8 Gulden und 30 Kreuzern ein, die Klingenstein dem armen Lehrer sofort zugehen liess. Am darauffolgenden Tage erhielt Klingensteiii die Nachricht von dem eingetretenen Tode des Unglücklichen, und bevor diese Nachricht bekannt wurde, war schon eine weitere Summe von 70 Gulden eingegangen; — leider jetzt nur für den Dahingeschiedenen, eine beträchtliche Summe, inehr als er je auf einmal im Leben besessen hatte. — Das war das Bild der letzten Tage eines Märtyrers aus dem damaligen Lehrerstande, der zeitlebens mit der Not zu kämpfen hatte. Um dieselbe Zeit wirkte aber noch ein anderes Beispiel auf Klingenstein ein, um ihm das bedrohliche Schicksal seiner Berufsgenossen so recht vor die Augen zu fuhren: er besuchte damals einen Freund, einen wackeren Lehrer, traf ihn im Kreise seiner Familie, die aus seiner Frau und vier Kindern bestand, wovon das älteste sechs Jahre alt war; — den Vater quälte ein arger Husten, 'und Klingenstein erschrak bei dem Gedanken, was wohl aus der Gattin und den vier Kindern werden sollte, wenn ihnen der Vater nicht erhalten werde, — zumal in einer Gemeinde, die einen treuen Lehrer und die Bedeutung des Lehramts gar nicht zu schätzen wusste. — .,Was würde -diese den Hinterbliebenen wohl sein, die sonst keinen Anspruch und keinen Annehmer hatten?" fragte sich Klingenstein, und da trat ein Gedanke, der ihn schön lange bewegte, aufs lebendigste vor seine Seele: :ies müsste eine Vereinigung aller israelitischen Lehrer Deutschlands und aller Freunde der Schule zur Unterstützung der dienstunfällig gewordenen Lehrer und deren Wittwen und Waisen gegründet werden." Klingenstein wollte dieses Ziel zur Aufgabe seines Lebens machen, und nichts konnte ihn zurückhalten; — ganz besonders wies er den Vorwurf des ..Separatismus", den man von Christ-

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