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Blätter · 1917-07-01 · 6 (7.1917) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
6 (7.1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 - Judenfrage erhitzt die Köpfe, und so viele Köpfe, so viele Meinungen. Die Judenfrage beschäftigt vor Allem uns Juden selber, und ist der Fragesteller orthodox, so wird sie ihm zur Judentumsfrage, ist er ausschließlich Nationaljude, so wird sie ihm zur Judenheitsfrage, und wer auch fragt und wie man fragt, die Tragik ist: es bleibt immer eine Frage! Und dazu kommt die Last, die uns drückt. Wir sind zerstreut unter die sich miteinander bekämpfenden Staaten. Der deutsche Jude erfüllt im Dienste Deutschlands restlos seine vaterländische Pflicht, der französische Jude tut in Frankreichs Heeren opferwilligsten Kriegsdienst, und dennoch verbindet den englischen Juden, der gegen den türkischen kämpft, mit diesem ein heiliges Unanssprechliches. Palästina ist Kriegsschauplatz geworden. Heiliger Väterboden ertönt unter dem Geklirr der Waffen, stöhnt unter dem Hunger seiner Bewohner. Furchtbar und gräßlich ist die Not, die dort herrscht, und so ist die Last des jüdischen Volkes unnennbar, seine Lage tief traurig. Und zu diesen großen schweren Sorgen, zu diesen tief schmerzlichen Nöten kommt noch kleinlicher Zank und häßlicher Streit. Die Judenheit teilt sich in Lager. Diese wollen eine Vertretung des Judentums darstellen, und jene können sie nicht anerkennen als die berufenen Repräsentanten. So ist es traurig um uns bestellt. Doppelt traurig, weil ein Moses uns fehlt, weil ein Starker uns fehlt, weil der Führer uns fehlt; keine überragende Persönlichkeit, deren Führerschaft alle sich anvertrauten, deren Wort alle Gehorsam zollten, deren Anordnungen alle erfüllten! Unter glücklicheren und günstigeren Umstünden sprach Moses in der Wüste sein: ״Wie soll ich allein tragen?" Wer gibt Antwort auf die millionenfache Frage, auf die tiefste Judenfrage: Wer soll tragen unsere Mühseligkeiten, unsere Last, unseren Streit in der Wüste des Heute? Wer soll der Führer sein, der heute uns führt, wer ist so groß, daß er unter viel schwereren Umstünden und Verhältnissen nicht gleich Moses ausrufcn müßte: ״Wie soll ich allein tragen eure Mühseligkeiten, eure Last und euren Streit!"? Als Moses also sprach - - so berichtet die Schrift weiter —, fügte er dem hinzu: ״Schaffet euch Männer, weise und einsichtig und Wohl bekannt, nach euren Stänunen, daß ich sie stelle an eure Spitze. Und ihr antwortet mir und sprächet: Gut ist die Sache,

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