Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 5 (6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Obwohl die „Freie Vereinigung" wesentlich älter nls die Agudoh ist, erfreut sie sich doch nicht der eingehenden Kenntnis und Würdigung, die ihre jüngere Schwester genießt. Es ist dies schon durch ihre auf Deutschland beschränkte Wirksamkeit erklärlich- Dadurch war sie zur Zeit ihrer Gründung nicht in der Lage, durch eine große Mitgliederzahl zu imponieren, wie dies sofort bei der Agudoh der Fall war- Der Gründer der „Freien Vereinigung", Samson Raphael Hirsch, der sie in den letzten Jahren seines Lebens geschaffen, hat diesen Umstand in seinem Gründungs-Aufruf freimütig betont, aber daran sofort die Überzeugung geknüpft, daß Gottes Beistand nicht von der großen oder kleinen Zahl bedingt ist- Wie hat diese Überzeugung, die uns heute wie eine prophetische Verheißung aninutet, sich doch so wunderbar verwirklicht! Ihre Verwirklichung hat alle Erschwerungen und Hindernisse überwunden, die sich der jungen Vereinigung entgegenstellten. Zu diesen Hindernissen für eine imponierende Ausbreitung zählte in allererster Reihe die Eigenart ihres Programmes, ihre Vertretung der Interessen des orthodoxen Judentums, Da diese Interessen nicht nur von außen, sondern auch von innen, durch liberale, neologe Bestrebungen gefährdet wurden, mußte die junge Bereinigung vielfach den Kampf mit den eigenen Brüdern aufnehmen. Diesen erschien sie als Ausbund aller Exklusivität, und sie ließen es sich angelegen sei», ihre neue Gegnerin als Hochburg der Separatismus und der Sonderbündelei in Verruf zu bringen, was auch nicht geeignet war, sie bei der öffentlichen jüdischen Meinung populärer zu machen- Hentr ist es schon so iveit gekommen, daß ihre Gegner die Interessen des orthodoxen Judentums besorgen möchten und eifersüchtig auf jeden Fortschritt blicken, den die „Freie Vereinigung" in der Ausführung ihres Programms zu verzeichnen hat- Die Gegner kennen auf diese Weise die „Freie Vereinigung" nur durch ihre Abwehrbestrebungen, ihre stille, fürsorgende, erhaltende und aufbauende Wirksamkeit wird von ihnen ignoriert. Diese Ignorierung wird erleichtert durch den Umstand, daß die „Freie Vereinigung" seit Jahren keine Berichte über ihre fruchtbare Tätigkeit erscheinen läßt, was wohl eine Folge des Krieges ist, aber immerhin bedauerlich bleibt. Denn gerade während des Krieger hat die „Freie Vereinigung" eine ungemein segensreiche Wirksamkeit entfaltet, die im allgemeinen wohl bekannt ist, in ihren einzelnen Verzweigungen aber nur den näherstehenden Mitwirkenden zugänglich bleibt. Von ihren großzügigen Bestrebungen zur Berücksichtigung des jüdischen Pslichtlebens seitens der