Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 3/4 (März/April 1916)
- Date
- 1916-03-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
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Frankfurt a. Main, März/April 1916. 1 Msrus! Ein Jahr ist's her, seitdem die jüdischen Gemeinden des Deutschen Reiches in erhebendem Aufschwung brüderlicher Gesinnung den Hungernden im heiligen Lande die helfende Hand gereicht und das Peßachfest zu einem frütstingsstege jüdischer Menschenliebe gestaltet haben. Dank dem reichen Ergebnis des vorjährigen Palästinatages und der ausdauernden Mitarbeit tatkräftiger Männer ist es gelungen, tausende von Menschen, darbende Schulkinder und entkräftete Frauen und Greise vor dem Hungcrtode zu retten. Aber nun.sind unsere Mittel erschöpft, während das Wirtschaft liche Leben in Palästina nach wie vor stockt, Leute aller Berufe in trostloser Lage sich befinden, zahlreiche Familien, namentlich die der einbcrufenen Soldaten, der Not Preisgegeben sind und die Sterblichkeit erschreckend gewachsen ist. Sehnsüchtig blicken die Armen auf das nahende Fest aus, das ihnen wiederum die frohe Hoffnung auf Lebensfristung in den noch kommenden schweren Tagen der Kriegsnot bringen soll. Diese Hoffnung darf nicht getäuscht werden. Unter dem Protektorate der deutschen Rabbinerverbände, mit Genehmigung der hohen Staatsbehörden und getragen von der Werktätigen Sympathie führender Persönlichkeiten aus allen Kreisen der deutschen Judenheit, sollen die Mittelseicrtage und die letzten Festtage des bevorstehenden Pcssachfestes wiederum den Charakter eines großen Palästina-Tages der jüdischen Gemeinden Deutschlands erhalten. Alles, was an diesen Tagen in sämtlichen Synagogen des Reiches und durch Sammlungen in den Gemeinden durch Thoraspenden, Erlös von Alios und Mizwos, Haskoras Reschomos- Geldern, Matnas Jad-Spenden und sonstigen Liebesgaben eingeht, in denen sich jüdische Opferwilligkeit an diesen Gedächtnistagen nach guter alter Gepflogenheit betätigt, soll zu einer großen Sammlung vereinigt werden, zur Weiterführung und Ausgestaltung des begonnenen Rettungswerkes bis zum glorreichen Frieden. Möchte keiner zurückstehen, da es gilt, das Schlimmste von nn seren Brüdern im heiligen Lande abzuwenden, gilt aber auch, die eigene Festesfreude, die uns durch Gottes Güte frei von Feindesdräuen gewährt ist, durch liebevolle Fürsorge für den leidenden Bruder zu adeln. Berlin Frankfurt a. M.» Amsterdam, Nissan 5676. Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung.