Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- Sonderheft (1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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42 a) Nationalismus, b) Erez Jisroel, c) Verhältnis zu anderen Organisationen. In seinem Berichte wies der Vorsitzende darauf hin, daß die Beweggründe, die einige Jahre vor dem Kriege zur Gründung der Agudas Jisroel geführt hatten, durch die Entwicklung der letzten Jahre ungleich erhöhtes Gewicht gewonnen haben. Heute steht tatsächlich die Schicksalsfrage zur Entscheidung, ob die Orthodoxie, die Trägerin des jüdischen Volksgedankens in seiner überlieferten Reinheit, sich durch organisierten Zusammenschluß als maßgebender Faktor des öffentlichen jüdischen Lebens erhalten kann, oder ob sie lediglich als eine Summe von Einzelpersonen ihres Einflusses verlustig gehen, und damit auch darauf verzichten muß, dem jüdischen G e i st e das Gepräge zu geben. Soweit Menschenkraft für die Entwicklung der Dinge also überhaupt, ausschlaggebend ist, müssen wir uns sagen, daß die ganze Zukunft des Judentums von dem Schicksal des Organisationswerks abhängig ist. Prüfen wir die Lage der Agudas Jisroel, so ergeben sich zunächst eine Reihe von ungünstigen Momenten, die der Krieg geschaffen hat. Das große geschlossene Siedlungsgebiet des Ostens, das die eigentliche Hoffnung der Agudas Jisroel bildete, ist in Stücke zerschlagen, die physische, wirtschaftliche und nicht minder auch die moralische Kraft der thoratreuen Massen hat der Krieg unendlich geschwächt, und schließlich ist durch eine möglicherweise recht vergängliche politische Situation in weiten Kreisen dieser Masse eine Stimmung geschaffen worden, die dazu führt, vom politischen Zionismus die unmittelbare Erlösung aus allem Leid zu erhoffen und dadurch die Energie zur selbständigen Vertretung des geschichtlich gegebenen religiösen Volksideals naturgemäß abzuschwächen. Auf der anderen Seite fallen auch günstige Faktoren für uns ins Gewicht. Der Krieg hat hunderte von jungen Gesinnungsgenossen nach dem Osten geführt, ihnen das jüdische Volksleben in lebendiger Aktualität vor Augen geführt, Liebe und Opferfähigkeit für die jüdischen Gesamtheitsaufgaben in ihnen geweckt, sodaß wir hoffen dürfen, begeisterte Mitarbeiter in ganz anderem Maße zu finden wie vor dem Kriege. Die Arbeit der Leitung im abgelaufenen Jahre war bestimmt durch die in der Plenarsitzung vom 21. November 1917 gefaßte Resolution, die hier ihrer Wichtigkeit halber nochmals wiedergegeben werden soll: 1. Es ist die Aufgabe der „Agudas Jisroel" angesichts der am Ende des Krieges zu erwartenden Neuordnung der politischen Verhältnisse in den Ländern des Ostens, die für die gesctzcstreuen Massen zu stellenden Forderungen auf politischem, religiösem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete zu beraten,