Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 23.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 23.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Colonisten in Palästina.*) Calfs, den 4. Februar 1884. Es freut mich, Ihnen mittheilen 7.11 kennen, «lass meine früheren Befürchtungen bezüglich der jüdischen Colonisten in Pa lilstina und speciell derjenigen vonSamuri 11, welche durch das frühere Verwalt ungs- Bystem (wenn man überhaupt von einem System sprechen konnte) in Verfall gern Iben könnten, sieh als nichtig erwiesen halten. Diese Befürcht nag mag unter den Colonisten wahrend der ersten Wochen vorherrschend gewesen sein, aber die Erfahrungen, welche Herr Scheid, der Agent des Herrn Baron von Rothschild, wührend dieser Zeit machte, genügten, um ihn ültcr den wahren Sachverhalt aufzuklttren, und er bemerkte bald, dass die einzige Möglichkeit eines erfolgreichen Ausgangs nur in seiner vollständigen Kmnncipation von allen localen Einflüssen liege, sowie in einer persönlichen Verwaltung, in welcher sein Wille massgcltcnd und seine eigenen Handlungen mutblüliigig sein müssten. Er Imt sich als ausserordentlich geeignet für die Aufgalat erwiesen, zu deren Vollziehung er hierher geschickt worden ist; er hat fast seine ganze Zeit in Sumariu verbracht, ausgenommen, wenn er in Saffed oder ‘'XE ETK"\. zu Besuch war. Kr hat (Sclcgcnhcil gehabt, für sich alle Ursachen zu erforschen, die zu den lietrülienden Ereignissen auf den Culonieu beigetragen hatten, und zu sehen, wie sie in Zukunft vermieden werden können, sich ein Unheil zu bilden aller das Muss des Vertrauens, welches man auf die Juden des Landes setzen könne und über die Verdienste und Schattenseiten der Colonisten selbst; er Imt Sumnrin vollständig u»»gestaltet, indem er den Colonisten mit gutem Beispiele voranging, selbst Hand la im Arbeiten anlegte und ihnen einen neuen Deist einllosste- Die Hiiuser, in denen sie jetzt untergehracht sind, sind pructisch gebaut, und die ganze Colonie ist nach einem System geordnet, »las den grösst»,»glichen Nutzen und Be»|uemlichkeit bietet, bis neue Anordnungen lür die Wohnungen der Colonisten in grosserem Mussstnhe und für die Dauer getroffen werden können, was allerdings noch hinausgeschoben werden muss, bis die Verfügungen der Itegicrung günstiger werden. Inzwischen kann noch viel geleistet werde», wogegen die türkische Itegicrung keine Einsprache erhellen kann. Obstbttume sind gekauft und unter der Aufsicht eines erfahrenen curopüischen Gürtncrs angepllanzt worden, weicher lange in Egypten war und mit der Spruche vertraut ist. Früchte sind gesftet, Vieh-und Oekonomiegttrttllu* crworlten worden. Die Colonisten selbst, von denen Viele in einen Geist des Ungehorsams und der Unzufriedenheit gerathen waren, wurden zum Gehorsam zurückgebracht, sowie zur Zufriedenheit mit »lern Imstehenden System, dessen Vor«heile sie anzuerkennen gezwungen sind, so dass wir zu der Hoffnung berechtigt sind, dass eine neue Aera über dies seither übel geleitete Experiment aufgehen wird, eine Aera, welche den Ghiutmn derjenigen rechtfertigen wird, die es immer behauptet haben, dass die jüdische Colonisalion unter geeigneten Bedingungen nicht nur möglich, sondern sogar gewinnbringend sei. Es ist zu l»e,lauern, dass Herr Scheid mit dieser l’ost nach Frankreich zurückkehrt, aber er war lange genug hier, um seinen Nachfolger fest in den .Sattel zn setzen und ihm «eine Erfahrungen »litzutheileii, so »lass dieser nur das begonnene Werk fortzusetzen hat. * *) Ans dem „Jewish Clironicle“.