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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 45. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 45.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 847 — L Endr Erklärung einiger Haftarahverse, Alle« nach der Weise Ejnrf polnischen oder litauischen Darschan und viele Hundert »nbcl für sein Seminar erlangt hat. begleitet der Torr, de» Ihimeliz" mit ganz bitterböse» Bemerkungen, ob e» denn im kandc keine bessere Verwendung für da» Geld gebe, al» für En ausländische» Seminar, dessen Zöglinge für Rußland Eich unbrauchbar wären- Palästina. I Aerusake«. Die Ernte ist diesmal eine durchweg ge> Lnrtr Minder befriedigend ist der Gesundheitszustand, da ptafcin und Pocken außer den üblichen Fiebern Opfer heischen. Kn Uiireinlichkrit ist eben — eine orientalische, verstärkt und Ermclir» durch Armuth und Elend, ivelche besonder» bei den Kfcuausgcwanderte» in furchtbarster Form auftrete». Abacichliffcn und abgerissen, ohne Geld, ohne Schuhe, ohne Niod komme» sie hierher, um von hier nach London oder ilmcrika sich befördern zu lasse». Ja, da» ist die direkte rum von Rußland und Rumänien über Jerusalem »ach London und New-Aork! Da» einzige Erfreuliche in dem hm» Bilde ist, da» die neue Tabaksrrgie viele Jude» zu jlgcute» bestellt, und diese zu Gehilfen Juden genommen haben, so daß viele Familie» dabei ihr Brod finde» und in Orlen, »o bisher keine Juden wohnte», sich nun Niederlassungen bldcn. Der Reisende Herr Schur (Wien) ist im Begriffe, nach Valäsuna zu reisen. (II»» theilte derselbe brieflich mit. daß In auch nach Marocco reisen wolle; freilich fehlt e» ihm zu diese» Reisen noch am Besten. Red.) I Per«ischte ««d ttetufU Nachrichten. I Köark«tte»ö«rß, 1. November. (Or.-Corr.) Zu der ■am 2. d. M. hier stattfindende» feierlichen Eröffnung der I polytechnischen Hochschule, zu welcher die Einladungen vom iLiiliusministerium ergingen, wurde auch der Bvrstand der I hiesige» Sy»agvgc»-Gemeinde eingeladen. I n. ^tegaitz. Haben Sie noch nicht» davon gehört, daß Iber hiesige Rabbiner zum einjährig-freiwillige» Militärdienst lemgezogen ist? Da» darf kein Geheimmß bleiben, da e» edenjo bezeichnend ist für dir rechtliche Stellung de» Judenitiums in Preußen, wie für die Taktik der Gemeinden, bei der Wahl der Rabbinen Jünglinge und Unverheirathrte zu bevorzugen. Stntlgnrt. (Lr.-Evrr.) Der famose Exrabbincr «ie>n (^CJosibrnh!). in dessen Büchelchen: »Unbeschränkte kolkiveiiuehrung oder sind viele Xindrr rin Segen?" man iojialdemokratische Tendenzen wittern konnte, ist schon seit längerer Zeit Mitarbeiter der von dem sozialdemokratischen kldgeordnrtrn Brunno Geiser hcrauSgegebenen Zeitschrift: »Die Reue Welt". In Rr. 13 diese» Wochenblatt» glänzt sein compilatorische» Geschick in der Abhandlung Shylok; in mcr andern Rr. behandelt er den russischen Schriftteller 3wan Turgenjew und citirt am Schluß ein Wort diese» Dichter»: »Ich war immer bemüht, meine Briefe zu ver» tonmt. um nicht» zu hinterlassen, wa» ich der Beachtung mwenh halte". Herr Stern knüpft daran die Bemerkung: »Belch liebenswürdige Bescheidenheit". Hätte St. diese Bescheidenheit nur bei seinen zahllosen Machwerken befolgt! SUnuf nt*. Am Simcha» Thora-Gottesdienst hatte Sir «ose« nicht Theil genmmen, weil er sich zu schwach dazu fthlte. Bei der Audienz, die er Herrn Gordon (.^Hamaggrd"), >l» dem Urberbringer eine» Album, da» ihm von polnischen «meinden gewidmet worden ist (Sir Mose» hat 1000 Mk. du» Verein „ZionSfreunde" geschickt) ist er ohnmächtig geworben — Auch am Jomkippur hat er nur noch 18 Stunden Wm können. Deshalb ist jede persönliche Theilnahme de» »ubtlars an den Festlichkeiten ausgeschloffen worden.— Auch J* Freimaurer, in deren Orden Sir Mose» einen höheren erlangt hat, haben da» Fest in solenner Weise gefeiert. In Unmigate trafen au» den verschiedenen Erdtheilen ^luckwunjch-Adreflen und »Telegramme (sie zählen nach ««leaden) rin. Sämmtliche Häuser flaggten, alle Läden ®atcn geschloffen, Guirlanden und Triumphbogen waren auf den Straßen und besonder» auf dem Marktplatze, der eine trug die englische Auffchrift: «Europa ist stolz auf seine Geburt, aber alle Rationen kennen seinen Werth!" Abend» war großer Fackelzug. und die ganze Stadt illuminirte. Der Deputation, geführt von Dr. H. Adler, antwortete der Jubilar auf die dargebrachtr» Glückwünsche: .Llch kann nicht den zehntausendsten Theil der Dankgrfühle aussprechen, welche mich heute bewegen. Ich preise den Allmächtigen, daß rr mich diese» Alter und so viele Beweise der Freunde-güte hat erlebe» lassen!'" Auch in fast alle» Gemeinden Amerika'» wurde da» Montefiore-Jubiläum gefriert. London. Daß in allen Gemeinden Großbritannien» Fest-Gottesdienste abgehalten wurden ist selbstverständlich. „Ino. Ehron." und ,Jew. World" bringen darüber ausführliche Berichte in großen Extrabeilagen. In London hielt am Vorabende Herr vr. H. Adler die Festrede über Exod. 17,11. Die ganze jüd. Aristokratie (auch der Lord-Mayor Fowler) war anwesend. Abend» war ein große» Festbankett, wobei Baron de Worin» den Toast aus den Jubilar ausbrachte. -London. In dem eigenhändigen GratulationSschreibcn, welche» die Königin Victoria an Montefiore richtete, soll (»ach der Pest. Jüd. Ztg.) der Passu» stehen: «In neuerer Zeit habe» sich leider dir Angriffe gegen die Juden in den verschiedenen Staaten in sehr bedauerlicher Weise gesteigert. Sie. geehrter Sir. sind geeignet, alle diese von Dummheit und Böswilligkeit lwrrührenden Angriffe durch ihre Persönlichleit zu widerlegen! Alle Welt möge von Ihne» lernen, wa» e» heißt: in edler und hochherziger Weise da« Gebot der Mcnschcnlieb« üben und durch großeOpfer brthätigen". Auch in vielen englischen Kirchen wurde die Montefiore-Feier gottesdienstlich begangen. Aeapek Ein .Hirtenbrief" de» hiesigen Rabbiner» würde in Deutschland. Frankreich und nun gar erst im Osten Europa'» Entsetzen erregt und furchtbare Erregung der Ge» inüther hcrvorgcrufen habe», tvährcnd er in Italien ziemlich ruhig hingenommcn worden ist. Der Lholcra wegen ordnete rr Verringerung der Lichter und der Gebete, sowie eine Z slündiae Paufr am Jomkippur an. Da» ist in der Ordnung. In dieser Pause soll c» ausnahmsweise gestattet sein, einen leichten Imbiß, Thee oder «affe zu nehmen, ohne de» Magen voll zu laden! (Eine solche generelle Anordnung ist doch gesetzlich nicht begründet.) Z?eter»önrg Nach der »Now. Wremj." hat der Kaiser von dem Bildhauer Antokolsky eine Mephistopheles-Statue für 50,000 Frank gekauft. Dieser Künstler arbeitet jetzt an Büften der Grafen Woronzow-Daschkiw und Tolstoi (Munster de» Innern). worauf er die de» Käfter» selbst anfange» wird. Z?eter»önrg Nach Zeitungsberichten werden im hiesigen Hebeammeninstitut und in der hiefige» Gewcrbcakademie fortan nur 5'/, jüdische Hörer zugclaffen. — Wie der .Woschod" meldet, hat der Generalgouverneur van Wilna alle Fragen, welche sich an die Jgnaliew'ichen Gesetze knüpfe», dem Senat vorzulcgen befohlen. Kein Kreisches solle e» wagen, sic selbst u entscheide». — Im Ackerbaumimsterium liegt ein Fond» ür jüdische Ackerbauer, der nächstens zu Gunsten der nothleidenden Colonisten verwendet »verden soll. Die Telrgraphenstativn in Buchara (Asien) hat unter ihren ersten Depeschen einen Glückivunsch der dortigen jüd. Gemeinde an den Chacham Baschi in Jerusalem befördert. AuS Mnrocc» berichtet das Monatsheft der Alliance von furchtbaren Bedrückungen der Juden in Demnat durch den dortigen Gouverneur (sie inußcen Betten und Möbel hergcben, sobald der Herr Gäste bekam, zahlen, wa» ihm beliebt, selbst und durch ihre Frauen Arbeiten verrichten lassen, ohne Entgeld u. s. >v.) denen auf Betreiben de» italienischen Agenten ein Ende gemacht worden ist. Ueberhaupl scheint e» zwischen Frankreich und Marocco bald was geben zu sollen. Schutzbefohlene (auch Juden) der elfteren Macht, werden untcr Mißachtung der Eonsularrechte eingesperrt — in Fez wird den franz. Juden verboten, beschuht durch die Straßen zu gehen: kurz e» ist Wetterleuchten vor dem Sturme.

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