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Israelitische Schulzeitung · 1882-01-01 · 1 (1.1882) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Schulzeitung
Volume
1 (1882). Bestand UB Ffm
Issue
1 (1.1882)
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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M 1. Magdeburg, Januar 1882. . Jahrg. 1. Israelitische Schulzeitung. pädagogische Llättcc für Schule imd Haus. Nuler Mitwirkung jüdischer Schulmänner d»r»u«»<gkben von I>r. LL. ZUhmsr, untl Dr. Th. I£ron«r, Xabbintt in Magdeburg Landrabbiner in Vt-btlen g«f e lb. Die Gch»I»eit»»g^ erscheint alt pädagogische Beilagezur .Iaraelititchen Wochenschrift' vorläufig in monailichen Zwischenräumen und für die «bonnenten der »Wochenschrift" gratia. — Wan kann aus diefelde auch desawderä avonnrren, aber nu dtp»« bei »er »Esped der J»r Wochensch ift" in Magdeburg, oder bei Herrn Mab«kt $rUf« in t(i»|i|. Da« Abonnement beträgt pro Quartal SO Pf. A»s«r«te, die gespaltene Zeile SO Pf., für <!ultu»b«amten IO Pf. Das ^iel des Religionsunterrichts. Bei jeder menschlichen Arbeit ist e» ein unentbehrliche» Erforderniß, daß da» Wert, welche» durch die Arbeit gebildet werden soll, in dem Weift« de» Arbeitenden al» klare Vorstellung vorhanden ist, damit die Arbeitslust, der schaffende Drang aus ein vernunftgemäße» Lbject sich richten könne. Lo muß der Bildhauer eine klare Vorstellung de« auszunieißelnden Bilde», der Baumeister de« auszufüdrenden Baue» vor dem Beginne seiner Arbeit haben. Demgemäß wird auch der Lehrer, der Unterrichtende, bevor er a» da» Lehren gebt, ein klare» Bild von dem durch da» Unterrichten zu schaffende Werk haben muffen. E» ist also die erste Zrage, welche zu ' beantworten ist, wenn man an den Religionsunterricht herantreten will: Wa»soll durch den Religionsunterricht geschaffen! werden!' Die naheliegende Anlwoit ist zunächst die: Durch den Regilionsunterricht sollen Menschen, die in der Religion unterrichtet sind, also „Religio»»-Unterrichtete" gebildet werden. Wir unterscheiden aber bei jedem von Menschen bereiteten Werk da» Werk selbst und den Zweck de» selben, seine Bestimmung. Der Baumeister, ivelcher einen Bau aufführt, denkt also an den Bau selbst und an de» Zweck, die Bestimmung de»selben. so ist beim Erbauen ritte« Wohnhause« da, (Gebäude selbst und seine Bestimmung zum Wohnen zu unterscheiden. Entspricht da» Hau» seiner Bestimmung nicht, kann e» nicht bewohnt werde», weil der Bau selbst ein Wohnen unmöglich macht, indem er zu feucht oder zu zugig oder zu eng oder ähnliche, da» Wohnen verhindernde Eigenschaften an sich hat, so ist der Bau unzweckmäßig und darum verfehlt. ,1» Wirklichkeit ist der Bau und seine Bestimmung ein», so daß er nur dann al» vollendet anznsehen ist, wenn er seiner Bestimniung gemäß zu ver wenden ist. Die Verwendung ist freilich zeitlich getrennt, sie kann erst nach Vollendung de« Werke« eintreten, aber sie hängt dann von Umständen ab, die dem Werke gegenüber al» zufällige zu betrachten sind. Wenden wir da» besagte auf den Religionsunterricht an, so werden wir zu unterscheiden haben zwischen dem Religion»-Unterrichteten (gleich dem I fertigen Bau) und der Bestimmung eine« solchen (gleich der | Bestimmung de« Wohnen» bei einem Wohnhause.) Und nur dann wird da» Unterrichten als ein vollendete« zu betrachten sein, wenn der Unterrichtete in der Thal die Bestimmung erfüllt, für welche er gebildet worden ist. Wenn z. B. der Dod die Ausübung dieser Bestimmung unmöglich macht, so ist da» ein zufälliger Umstand, der da» Werk nicht berührt. Zft die Bestimmung eine» Werke«, der Zweck, den der Mensch mit demselben verbindet also da« Wichtigste, so wird auch beim Religionsunterricht die wichtigste Zrage, also auch die nunmehr zu lösende, die sein: Welche« ist die Bestimmung eine» Religionsunterrichteten '< b» Antwort wird darin bestehen : Der Religions-Unterrichtete wird eine allgemeine und eine besondere Bestimmung an sich tragen inüffen, zuerst die allgemeine jede» Unterrichteten, dann die besondere de» in der Religion Unterrichteten. Mit dieser Scheidung berühren wir zwei große (Hebiete, da« de» Unterrichts und da» der Religion, und wir werden uns mit diesen beiden Begriffen näher zu beschäftigen haben. Was da« Unterrichten ist, wollen wir zunächst feststellen. Wenn ein Lehrer weiß, woraus eine Uhr besteht nnd er theilt dies dem Schüler so mit, daß der Schüler e» nun ebenso weiß, dann ist derselbe über die Beschaffenheit einer Uhr unterrichtet; wenn ein Lehrer gut zu schreiben versteht, und er theilt diese Fertigkeit so dem Schüler mit, daß auch dieser gut zu schreiben versteht, so ist der Schüler im schreiben unterrichtet. Zn beiden Zöllen ist die Dhätigkeit, welche darauf gerichtet ist den Schüler etwa» wiffen zu lasten, wa« er noch nicht wußte, ihn etwa» au»übe» zu lasten, wa» er vorher nicht üben konnte, Unterricht zu nennen. Zasten »vir den Sah aUgenieinc», so werdrn wir finden, daß Wiffen und Rönnen geistige Zustände sind, welche der Lehrer beim Unterrichte absichtlich auf den Schüler zu übertragen sucht. Wohnt dem Lehrer diese Absicht nickt bei, so ist die Uebertragung seiner Zustände eine unabsichtliche und geschieht durch eine für sich allein bestehende Thätigkeit de« Lernenden, welche, »venn sie absichtlich sich vollzieht „Selbstunterricht" zu nennen ist, oder ivenn sie unabsichtlich sich vollzieht, eine bloße Resterwirkung wird, und dann ein instinctive« Erfahren oder Rachahmen ist. Wir haben e» hier nur mit dem Unterricht zu thun, der vorwiegend Unterricht eine« solchen Lehrer« ist, der nicht identisch mit dem Schüler ist. Dan« ist derselbe aber bewußte« Ue-

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