Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 11 (16.3.1894)
- Date
- 1894-03-16
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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87 Neueste «tnb vermischte Nachrichten. Sl«f»ei'ttr*. Bekanntlich bat eine Reihe Häupter der Stöckerpartei in Siegen in Bkrsenspekulattonen Unsummen ver« loren Bezeichnend in etn Lu»spruch de» Herrn Auch». Al» ein Herr, der durch ihn Hunderttansende verloren hat, ihm heftige Borwürfe machte, gab rer ftomme Herr zur Antwort: ״Der Herr hat'» gegeben, der Herr hat'» genommen[' — Wenn ein jüdischer Bankerotteur einem seiner Elienten eine solche Antwort geg»en Hütte, wie würden da die antisem- Blätter Über die jüdische ״Frivolitat". die selbst vor dem heilvibelworl nicht Halt macht. Berlin Die Redefreiheit, die bisher bei Trauerfeiern auf jüdischen Friedhöfen gewährt wurde, ist seit den Borgängen beim Begräbntß de» frühem Recht«anwalt» Dr- Moll gewaltig beschränk worden- Ohne ausdrückliche Genehmigung de» Vorsteher» der hiesigen Gemeinde, de« Justizrath» Meyer, darf jetzt kein Laie da» Wort nehmen, und die FriedhofSbeamteu find angewiesen, Ueberttetungen unter Umständen mit Gewalt zu unterdrücken. _ Au» ©t«t1»*tt| schrieb die StaotSbüraerzeitg-׳ »Ein Boriall im hiefigen Gymnasium hat in der Stadt peinliche» Aufsehen gemacht- Btt der Feier an Kaiser» Geburtstag blieb der israelitische Sekundaner M. beim Hoch ans den Monarchen fitzen und weigerte sich auch auf wiederholte Aufforderung seiner Mitschüler, aufzusieden. Die Sache kam zur Kenntnis de» Director» und bei der folgenden Untersuchung stellte e« sich heraus, bafcUfl. seit einiger Zeit sozialdemokratische Flugschriften unb Blätter unter seinen Klaffengenoffen verbreitet hatte. DaS Lehrer-Lollegium bestrafte ihn mu eintägigem Larcer. Adgeiehen davon, daß hier einmal wieder der wahre jüdische Eharatter an diesem unreifen Burschen zu Lage getteten ist. muh e» beftemden, bah da« Urteil gegen «hn ko nutzerordentlich müde ausgefallen. Wa» dieser Beugel, der vielleicht auf sein ,Märtyrertum noch stolz ist. noch für Unheil unter seinen Mitschülern anrichten kann, ist nnberechenc dar, und deshalb wäre die Entfernung von der Schule der ' ge Weg gewesen, dem vorzubeugen.' sich nun nach den vom Centtalverein deutscher Staat»- .. diese ganze Er bürger angestellten Untersuchungen herauSstellt, ist diese Geschichte ermüden. Da» ist so die antisemitische Prari«: . wird irgend ein boshafte» Ltgen-Fattum den Lesern aufgetischt m daun wird auf Grund de-ftlbeu gehetzt-) ״ , G-rlitz Gestern verurteilte die Strafkammer den AntiseMiteniührer Leutnant a. D. Winter wegen fortgesetzten unstttticken Verkehr» mit 7 Schulmädchen zu mehrjährigem Zuchthau» und Ehrverlust. Halld«rft«dt, 6. März. Eine gleich stürmische Versammlung wie die am heutigen Avend von dem hiefigen neubegründeten .antisemitischen Reformverein im -Elysium' abgehaltene, dürfte unsere alte Stadt wohl noch niemals zu verzeichnen gehabt haben- Bros. De. Färster hielt den angekündigten Bortraa Über Roth- Wendigkeit M de» Antisemitismus. Während de» fast 1'/»stündtgen Lorttagrs, der fortdauernd durch BeifollSbezeugungen, durch Zischen und Rufen nach Schluß unterbrochen wurde, entwickelte der Redner da» Programm der deutschen Keiormpartei- In der ' gegen 11 beginnenden Besprechung erhielt zunächst Herr £ Böt- . sicher hier da» Wott, der Hervorbob, daß die hiesige Bürgerschaft stet» in bestem Frieden mit den hiefigen jüdischen Einwohnern gelebt habe: er appelltte an den gesunden Sinn seiner Mitbürger, dost dieses friedliche Berhältniß auch fernerhin fortbestehe. In ähnlicher Weile sprachen sich nachher auch die Herren Kr- H. Krüger und B. Hirsch hier au»- Pros. Dr. Förster entgegmte in scharfer Weise- Die immer wieder ertönenden Rufe: Ran», Schluß! ic. wurden derartig stürmisch, daß der Vorsitzende die Vstsammlung gegen Mtternacht mit einem Hoch auf .Deutschland' schloß. «... ^agb^Zest.) In der letzten Berlammlung de» ,i»r. Kranken» verein»' wurde der Anttag gestellt, daß in Zukunft die Au», zablung de» Sterbegelde» auch dann erfolgen soll, wenn da» betreffende Mrglied nicht nach jüdffchem Ritu» beerdigt worden ist. Dieser Anttag wurde indeffen obgelehnt. Dresde«. Man schreibt dem »Deutschen Adelrblatt' von hier unter der Spitzmarke .Sin Zeichen der Zeit': »Im Hause de» jüdischen Bankier Baron v. K. <?> in Dresden fand dieser Tage eine größere musikalische SottSe statt- Die Mitwirkenden dabei waren: die Prinzelfin v- Igeb. Prinzessin R., der Prinz S- und der Freiherr v- L. Soweit ist e» gekommen, daß Angehörige de» hohen Adel» sich nicht schämen, ihre Talente vor südischen Emporkömmlingen glänzen zu lassen- Da» ,SdelSblatt bemerkt dazu: ,Wir wissen nicht, ob •bie gedachte mufikaliscye .Sott»e einem wohlthätigen Zwecke galt, da» würde dm Affront in etwa» mildern. Sin besonderer Geschmack gehört jedenfalls für den deutschm Edelmann und die deutsche Sdelftau dazu, vor einem geadeltm jüdischen Louvoosabschueider Musik zu machen. E» fällt un» dabei unwillkürlich da» geflügelte Wort ein, da» au einem jüdischen Berliner Bankier stammen soll: Früher hatten die Adligen ihre Hofjuden, jetzt haben die Juden ihre: __ (Vielleicht weiß einer der sächsischen Leser uns. Bl. Nähere» über diese Angelegenheit zu berichten.) «. M-, 10. März. (Or.-Lorr.) Bor etwa vier;obren hat Ihre Zeitung einen au«führlichen Bericht über die .ihrige Jubelfeier de» Houptlehrer» Leopold Mayer au» Nonnenweker gebracht. Roch 4 Jahre arbeitete der Unermüdliche in seiner Schule, versah den Gottesdienst und predigte an Sab- Käthen und Feiertagen in erbaulicher und würdiger Weise. Dann erst, nach LHäbriger an Erfolgen und Gegen reichen Thätigkeit konnte sich M. entschließenum seine Pensionirunczu bitten. Nur wenige Jahre war e» dem ehrwürdigen Greise ver- Gattin, mit welcher er mehr dmn SO Jahre liebevoll und beglückt durch» Leben pilgerte und am 27. v- Mging er selbst ein zu seinen Vätern. Er starb schmerzlos, keine Krankheit hatte ihn an» Bett gefesselt: er war körperlich und geistig srifch, bi» ein Herzschlag seinem thatenreichen Leben ein jähe« Ende berettete. An seinem Grabe sprach liebevoll und herzlich der befteuudete Rabbiner Dr. Eschclbacher. — Seine -ahlreichm Schüler und Freunde aber werdm dem Verewigten dauern» ein dankbare« und fteundliche» Andenken bewahrm. frumtfurt «. israelitischer Schi ÖOO im Lorjahre!, Wiuu^ wVl».< schenken gingen Mk- 3588 ein, worunter sich Mk 1000 au» vem Nachlaß des Herrn Leop. Goldschmidt und Mk. 500 Legat von Frau Treutchen-Höchberg befinden. An Zinsen wurden M. 1428 eingenommen: 217 Knaben (gegen 22i» wurden mir Kleidern versehen, wa» eine Ausgabe von Mk- 3640 (Mk- 4375 im Borlabr) verursachte, und für Stiefel wurden Mk- 3443 (gegen Mk. ) verausgabt- Die au» dem Borstand scheidenden Herren iSraelittsche bi« 30. Eept. au» den Nachlässen des Herrn Leop. Golbschmidt und der Frau Lreutchen Höchberg zu danken. JmGanzm betrugen die Gaben Mk. 7VKS, die Beiträge der etwa 490 Mitglieder Mk. 8617- MKmhen. In der Sitzung de« Armenvsiegschaft-rathe» vom. 8. März widmet« Bürgermeister Bokscht dem verstorbenen Rabbiner Dr- BerleS, welcher dem Armenpflegschaftsrarhe angehörte, einen höchst ehrenvollen Nachruf, in welchem Redner den Pflichteifer de« Verstorbenendessen fteundliche» und wohl» wohlwollende» Wesen, sowie seine Güte in gewähllen Worten anerkannte und das Kollegium ersuchte, sich zum Zeichen der ^lsttmmung zu diesen Worten von den Sitzen zu erheben. (Ge- WeterAhm-g, 7. März. Die seit mehreren Wochen hier über rituelle Angelegenheiten tagende Rabhiner-Enau»te bat heute ihre Beratungen beendet- Eine Deputation übergab im Auftrag« der EnguSte dem Minister de» Innern ein Memorandum, m welchen die Wünsche der Zuden in Rußland sormeliert werden. Der Minister versvrach. dieselben einer reiflichen Erwägung zu unterziehen und nach Möglichkeit zu berückstchttgen. duftMte. Israelitische Hellu. Pflegre-Anstatt für!Vervenu. Cienittthskranke sa 8ay11 bei Cobleus an» Rhein• Bestand seit 1800. Gesonderte Abtheilungen IVr 150 Kranke beider GeaehlecMer. Proepecte durch die Unterzeichneten. [988 K. Jaooby. Dr. Behrendt. Dr. ReieetkiL Bei B- Heller. Buchdruckerei München (Herzog- Marftraße 4) ist erschienen: Der Abdruck der und welche bei den Trauerfeierlichkeiten für den verewigten Rabbiner der iSraelittschen LultuSgeuuinde in München Herrn l»r. Jooot Perle• gehalten wurden, und wird in Form einer Zsraehüae mtt 38tßmi» zum?r«il• von 40 Tfle■ abgegeben. [506 Ta» ■Jlrinertrdgm» ist auanaQmatna zurrt Jkfiat hiesiger KohNHStig»eita-1i*tst«tNe»t hestirrrrrtt.