Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 10 (9.3.1894)
- Date
- 1894-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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LanseS in der Andraffy-Straße »usadeu, wurde« asibauernde -Mimische' Ovationen dargebrachd Bor den Häuser» der Minister Lsaky und Hleronymi blieben die Gruppen.stehen antr sangen patriotisch« und nationale Lieder. - Sodann wurde im Eiadtwälbchen umer -freien Hiottnel eine Versammlung -abgehalten. bei welcher etwa 130 000 Personen anwesend -waren. Sn den König wurde ein BearüßungStelegramm abgesandt. Nachdem 11 Redner gesprochen hatten, wurde eine Resolution angenommen, welch« die liberalen kircheopolitischen Reformen der Negierung, namentlich die Gesetzentwürfe betreffend die Civilehe, die Religionsfreiheit Rezepckion der Israeliten und die Konfession der Kinder biillig und tu diesem Sinne eine Petition an beide Häuser deS Reichs- 'tage» abgusenden beschließt. Dir Versammlung begleitete die Reden für bie Resolution mit großem Verfall und brach bei -Erwähnung der liberalen Reformen jedeSmal in anhaltende 'Eljenrufe aus. . - . •nj, 1.'März. Der Gemeinderath der steierschen Landeshauptstadt hat vor einigen Lagen mit großer Mehrheit -en Beschluß gefaßt, im Gebiete von Graz das »Schächten* Hu untersagen. E« haben sich deshalb d«e Juden in Graz ■an dm Statthalter mit einer Petition gewmdet, in welcher fic dm Beschluß de» GemeinderateS als einen Eingriff in die ihnen staatSgrundgesetzlick gewährleistete freie Religionsübung bezeichnen und die Aufheoung de» Schächterverbotes verlangen. Der Statthalter Freiherr v. Lübeck hat diesem Ansuchen sofort insofern nachaegeben, al» er dem Grazer Gemeinderate auftrua. da» Verbot bi» aus Weitere« zu sistiren. Die betreffende Rote lautet: »Rach einer heute Hieramts überreichten Beschwerde der »azer israelitischen EultuSaemeinde hat der Gemeinderath von _jraz am 26. Februar den Beschluß gefaßt, die Schächtung nach dem jüdischen Rituale in der Landeshauptstadt zu verbieten. Auf Grund de» 8 70 der Gemeindeardnung v. S. Dezember 1860 er» »ich, diesen Beschluß zur Handhabung de» StaatSausstchtS» e» summt >ben erforderlichen Aufklärungen unverweilt anher «tyutlütlen. einstweilen aber mit der AuSführ»ng deS Beschlusie« bi» zur hierämtlichen Entscheidung inuezuhalten.* * Zürich. 6. März. (Or. Cor.) In Ausführung der umm Bestimmungen der Bundesverfassung verordnet der RegierungSrgt für"den Canton Zürich die obligatorische Einsühmng der Betäubung mittelst Lopfschlag oder SchußmaSke. Ern besonderer Paragraph bestimmt, daß diese» Brrfahren in einer »jede Art von Tierquälerei (!)* auSschließenden Weise zu geschehen hat. Die Verordnung tritt am 8. März in Kraft. .Für die Züricher Gemeinde wird an der italienischen Grmz« geschachter werden. Di« Vorbereitungm sind bereits getroffen worden.- Neueste und vermischte Nachrichte«. MAwche«, 6- März. Heute Vormittag U Uhr fand in der Synagoge eine vcun Vorstände veranstaltete Trauerfeier um den verstorbenen Rabbiner Dr. Perle» statt, an welcher außer ber Gemeinde ׳und zahlreichen Rabbinern von Nah und Fern «mch der Bürgermeister Brunner mit einer Deputatton der städttschen Kollegien in AmtStracht sowie der Polizeidirector Freiherr v. Welser teil nahmen- Der Augsburger Rabbiner Dr- Groß hielt die ergreifende Gedächtnißrebe. — Die Beerdiguua fand Nachmittags 3 Uhr statt. ES sprachen der RabbinatS- Verweser Dr. M e ye.r, Rabb- Dr. C o h n -Zchenhausen, der Gemeindevorsteher Müller, Rabb- Dr. Frank-CSln tRamcn» de» Lenttal-LomitcS der Alliance, drffm Mitglied der Verstorben« war). Auch der Rabbiner der hiesigen orthodoxen Separatgemrinde zollte dem Kollegen Worte der Anerkennung- Nach Einsegnung de» Sarge», der mit einem von der S t a d t - «meinde gewidmeten Kranze geschmückt war, riefen noch der Recht»aawalt Dr. Ofner und Dr.Oppenheimer namen» per WohttättgkeilSvereine und ehemaligen Schüler dem Lerftordenen herzliche DankeSwort« «rach- - כבוד uvmo Bern«» 3. März In derheuttgen erstenKommisfionSbena Über den russischen Handelsvertrag weist der Referent Möller die Befürchtung, welche in der Preffe zum Ausgekommen, daß die mdische Einwanderung au» Rußland Gefahr -für Deutschland werden könne, al» unbegründet Der Direktor iw AnSwärtige» Amt Retchardt «Wirt » di« Befürchtung für «roudto«. Graf Mirbach «Ant. die russischen Joden haben »war einen sehr niedrigen Knr», aber Ausweisung. wie pir e» bisher gehabt haben, und werden von dem Rechte auch ferner Gebrauch machen- Wa» die behauptete Verschlechterung gegen früher'anlanae, so sei der im Verttage vorgesehene Zustand dem!etziaen, gänzlich regellosen, vorzuziehcn. Aba. von Bennigsen erklärt e» für unbestreitbar, daß die russischen Juden die niedngst stehende Klaffe aller Juden seien und daß man keine Veranlassung Hab«, sich diese Gesellschaft herbeizuwünschen: allein man könne sich diesbezüglich mit den Erklärungen der Regierung vollkommen zuftieden geben. — Dir. Retchardt bekämpft die Furcht vor der Gefahr eine« abermaligen MassenzukuffeS russischer Juden, sowie eine» succesfiven Eindringen» einzelner Elemente. Gegen den ersteren beständen die alten Bestimmungen fort, jvor letzterem schütze da» Recht zur Entziehung der Konzession, der Ausweisung und anderer adminsttrattper Maßnahmen- Aba. L o tz e (Antik.) ist der Ansicht, daß der ganze Vertrag die größte Gefahr für da» Deutsche Reich in sich berge- Rußland sei stet» bemüht, die Juden abzustoßen, und diese Elemente fallen dann un» zur Last. Abg- Lenzmann (Fr.) räumt ein, daß die russischen Juden für den Osten eine Landplage seien, aber die administrativen Maßregeln bieten genügende «Sicherheit:»^ ammerst ei u bestreitet die». Abg- R i ck r r t nimmt die russischen Juden gegen den Vorwurf, daß sie eine Landplage seien, in Schutz und will im Plenum da» Gegenteil beweisen. der zweiten «Sitzung nimmt der antisc«. Abg. Lotze da» Won zu den Mittheilungen der Zeitungen, nach welcher der -Verein Deuttcher Staatsbürger jüdischen Glauben»* beim Staat»- seftetär v. Marschall eine Audienz gehabt habe wegen der russ. bei mir gewesen und ich habe - mit einem demselben über die Stellung der nissischen Juden gesprochen uud demselben gesagt, daß die Frage der rechtlichen Stellung bei un» eingehend erönert worden ist. E» ist nur der Wunsch ausgesprochen worden, daß die deutschen Juden tn Rußland nicht schlechter behandelt werden» wie di« russischen Juden- (Das ist freilich nicht gut möglich! R-) Berlin. Während der Rede de» Abg. Dr. K o n i g im Reichstage hatte sich der Abg. Dr- Sigl, um den Redner besser verstehen zu können, auf einen fteien Platz in den Reihen de« ZentrumS gesetzt. AlS nun Dr- König dem Ada. Rickert dm läppischen VcrS entgegenrief: »Bor Levi, Lohn, Manaffe und Anderen dieser Race behü? uns lieber Herr Gott* und Abg. Sigl dem Beifall sbendete, ttot der kathol. Abg. Dr. G r ö b e r an ihn heran und ersuchte ihn. den Platz zu verlassen, da e» unstatthaft fti, daß bei einem solchen anttsemitischtn Satze Beifall aus den Reihen oeS Zentrum» gespendet werde- — Der Vorgang gereicht dem guten Geschmack de» Herrn Dr. Gröber zur Ehre! Kattowist O- S. 2 März- Am 27d- Mhielt der hiesige israelitische Unterstützungsverein gegen HauSbettelei seine General- Versammlung ob. Wie au« dem vom Vorsitzenden verlesenen Jahresberichte Hervorgeht. zählte der Verein am Schluffe de» VereinSjahre» 295 Mitglieder. - Der Verein verttnnahnlte im vergangenen Jahre 2813,22 M. welchem Betrage die Verausgabung von 2378,75 Mark gegenübersteht, sodah ein Bestand von 434,57 3Jr verbleibt. Verabreicht wurden 1424 Unterstützungen an 834 Personen, während 247 Personen an Sabbathen und Feiertagen voll beköstigt wurden. Nach Verlesung des RevisionsberichteS wurde auf Anttag der Revisoren seiten» der Versammlung Decharge ertheilt.׳ Die drei auSschridenden Vorstandsmitglieder, Herren Dr- Cohn, A Löbtngcr und I- Kochmann, wurden durch Zuruf wiedergewählttlnü&en. 28. Febr. Wegen Beleidigung durch die Presse -hatte sich in der heutigen Sitzung des Schöffengerichts der Redakteur dcS hier erscheinenden antisemitischen Hetzo r g a n » »Westdeutsches VolkSblatt*. SttafanstaltLdirektor a. D- R itt n er, zu verantworten. Drei Fälle wurdeu ihm zur Last gelegt: in tineni erhielt er 30 Mark Geldstrafe ev. 6 Tage Hast, im zweiten 15 Mark Geldstrafe ev- 3 Lage Haft: im dnttcn, einem SchmähoMel ,egen einen hochgeachteten Kaufmann in Saargemund. der sich als reine Erfindung hcrauSstellte» 50 Mark Geldstrafe ev 10 Lage Gefäugniß. Die Beleidigten waren natürlich Juden. In blindem Judenhaß leistet das »Westd. VolkSbl.* Hervorragendes. Düe«e««ch i. Elsaß. Hier starb der durch allgemeine Hochachtung u- Lerrhruu» auSgunchneteFabrikbesitzer Joseph Lang: er vermachte u. A. den Armen unserer Stadt ohne Unterschied d«S Bedürfnisse» BOO Fr-, der Arbeitsschule in Mülhausen 2000 Fr-, dem i»r- Hospitale daselbst 2000 Fr.» dem Asyle _ui Hegenheim 1000 Fr^ andere wohlthätigni Vereinen 3000 Ir. — Die PenstouSkaise für die i»r. LimuSdeamten tn Else»- Lothringen veröffentlicht ihren dritten Jahresbericht, wonach da» Vermögen auf 26.770 *fe. geftie^n ist. Gwrts. Bei den Dynawitättrntat in Hotel Ter «tun» wnrd» auch eine i»raeltttsche Dame mtt ihrer Locht« verwundet.